Die Heimkehr (Kämpchen)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor: Heinrich Kämpchen
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Heimkehr
Untertitel:
aus: Was die Ruhr mir sang, S. 33-34
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1909
Verlag: Hansmann & Co.
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Bochum
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]

[33] Die Heimkehr *).[1]
 (Eine Ruhrtalsage.)

Dem Kewelohbauer vom Ruhrastrand,
So kündet’s die Sage noch heut’,
An einem Sonntag die Frau verschwand,
Es war um die Frühmettenzeit. –

5
Von Zwergen geraubt, im Bergesschacht,

Tief unten in Kluft und Gestein,
Hat sieben Jahre die Frau verbracht,
Da gelingt es ihr sich zu befrei’n. –

Doch sind unterdes die Wangen rot

10
Verblichen und welk ward der Leib –

Ihr Mann, bedrückt von des Wittums Not,
Nahm längst sich ein anderes Weib. –

Und als sie kommt zum heimischen Herd,
Die andere schaltet nun dort,

15
Da wird dem Weiblein der Platz verwehrt,

Denn keiner erkennt sie am Ort. –

Nur der Spitz, der immer sonst wütend kläfft,
Wenn Bettler dem Hofe sich nah’n,
Uebt heute auf einmal das Wedelgeschäft,

20
Als wollt’ er das Weiblein empfah’n. –

[34]
Und sonderbar, auch die Annemarei,
Die liebliche Tochter vom Haus,
Sie kommt vom Ofenwinkel herbei
Und schmiegt sich der Alten am Flaus. –

25
Doch die Junge ruft: „Mein Töchterlein,

Komm’ zurück von der Frau geschwind!“
Und die Alte drauf: „Wer mag wohl sein
Die Nächste von uns dem Kind?“

Da öffnet sich langsam die Stubentür,

30
Die niedere, morsch schon und braun,

Und der Kewelohbauer tritt selber herfür,
Der Mann von zwei lebenden Frau’n. –

Er stutzt und starrt – doch kein Laut ertönt,
Kein Ruf, kein hallender Schrei –

35
Der Bauer ist fest und stark gewöhnt,

Er sagt nur: „Annemarei.“ –

Ja, ich bin’s, Hansjörg, doch nimmer will
Ich stören hier deinen Bund,
Gib’ mir ein Stübchen nur klein und still

40
Und ein wenig Essen dem Mund. –


Gib’ mir mein herziges Töchterlein,
Das ich froh zur Welt dir gebracht,
Gönn’ mir noch ein bischen Sonnenschein
Nach der siebenjährigen Nacht. –

45
Und so geschah’s. – Doch zwei Monde nur,

Da starb schon die arme Frau,
Da trug man sie nach der Totenflur
Hinab durch die blühende Au’. –

Verschollen ihr Grab, kein Kreuz, kein Stein

50
Zeigt an, wo die Wallerin ruht,

Die Heimatsage nur ganz allein
Hält treulich noch Wache und Hut. –


  1. *) Der Stadt Steele gegenüber, auf der anderen Seite der Ruhr, erhebt sich der Kewelohberg. Es ist dies eine steil aufsteigende Sandsteinwand mit vielen Höhlungen und Klüften. Im Kewelohberge sollen der Sage nach vor alten Zeiten die Erdmännlein (eine Zwergengenossenschaft) gehaust haben. Der Kewelohhof, der Schauplatz der hier geschilderten Begebenheit, lag auf der Kuppe des Berges.