Die Hexe und der Mühlknecht

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Autor: Bernhard Baader
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Titel: Die Hexe und der Mühlknecht
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 438–439
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Die Hexe und der Mühlknecht.

Eine Müllersfrau zu Mannheim, die eine Hexe war, begab sich jede Mittwochs- und Freitagsnacht zum Hexentanze, welcher im freien Feld unter einem großen Baum gehalten wurde. Wenn sie sich dahin aufmachen wollte, verwandelte sie einen Strohwisch oder ein Stück Holz in ihre eigene Gestalt, legte das Blendwerk zu ihrem Manne ins Bett, ging dann in die Kammer des Lehrjungen, über welchen sie Gewalt hatte, legte dem Schlafenden einen Zaum an, verzauberte den Knaben in ein Pferd und ritt darauf hinaus. Ebenso kehrte sie später wieder heim und der Junge wachte am Morgen ganz ermüdet in seinem Bette auf, ohne von dem Vorgange nur das Mindeste zu ahnen. Weil er darüber nach und nach außerordentlich abmagerte, schöpfte der Mühlknecht Verdacht, daß es nicht mit rechten Dingen zugehe. Derselbe hatte früher bei einem Scharfrichter gedient und von ihm mancherlei geheime Künste gelernt. Nachdem er sich mit dem Jungen besprochen, mußte dieser in [439] der nächsten Freitagsnacht mit ihm die Schlafstätte wechseln. Zur gewöhnlichen Zeit kam die Müllersfrau an das Bett, worin jetzt der Knecht lag, zäumte denselben; in der Meinung es sey der Junge, auf, gab ihm Pferdsgestalt und ritt auf ihm davon, was er alles ruhig geschehen ließ. In der Nähe der Hexenversammlung band sie den so verwandelten Knecht an einen Baum, nahm ihm den Zaum ab und begab sich allein zu dem Fest. Als solches zu Ende war, kehrte sie zurück und wollte ihm den Zaum wieder anlegen, er aber packte denselben, warf ihn geschickt ihr selbst über, verwandelte sie damit in ein Pferd, schwang sich, nun wieder in seiner eigenen Gestalt, darauf, und sprengte nach der Stadt und gerade vor eine Schmiede. Dort ließ er das Pferd an allen vier Hufen beschlagen, ritt dann in die Mühle und ging, das Pferd sich selbst überlassend, zu Bette, um noch auszuruhen. Am Morgen gab sich die Müllerin für krank aus und hüllte sich sorgfältig in die Bettdecke, aber ihr Mann, welchem allein der Knecht die Sache mittheilte, nöthigte sie, ihm ihre Hände und Füße zu zeigen, woran die Hufeisen noch fest saßen. Diese nahm er ihr zwar unter Gebetsprüchen glücklich ab, jedoch mußte sie hoch und theuer ihm geloben, sich zu bekehren und vornehmlich auf immer der Hexerei zu entsagen, welches Versprechen sie auch, mit Gottes Beistand, treulich erfüllt hat.

(Nach mündlicher Ueberlieferung mitgetheilt von Bernhard Baader in Mone’s Anzeiger etc.“ Jahrg. 1839. S. 182).