Die Teufelskarosse

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Textdaten
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Autor: Ignaz Hub
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Titel: Die Teufelskarosse
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 437–438
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons, Google
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[437]
Die Teufelskarosse.

Zu Mannheim um die Mitternacht
Ein Wagen fährt mit seltner Fracht
Gaß’ auf, Gaß’ ab; nehmt euch in Acht!
Des Teufels Staatskarosse.

5
Einmal, – es war ein Pietist,

Kopfhängerisch, voll Trug und List, –
Vor’s Fenster lugt der falsche Christ,
Der Thurmuhr Räder schnarrten.

Fünf – sieben – zwölf! Die Geisterstund’

10
Hallt dumpf aus vollem Glockenmund,

Aufschauert tief von Seelengrund
Gewissensbang der Heuchler.

Horch, Räderrasseln, Peitschenknall!
Vierspännig rollt heran mit Schall

15
Der Wagen, daß vom Widerhall

Die Häuser rings erbeben.

Von hohem Bock, reich gallonirt,
Der Kutscher das Gespann regiert,
Das Funken schlagend galoppirt

20
Und aus den Nüstern flammet.


Der Mann am Fenster schreckt zurück;
Zum Schlag heraus, den Blick voll Tück’,
Mit feuriger Allongeperrück’
Gruß nickt ihm zu der Teufel!

25
Er will zurück, – zum Riesentopf

Schwillt ihm der Kopf, zum Thurmesknopf,
Und greulich starren ihm am Schopf
Wie Igelborsten die Haare.

Die Peitsche knallt von fern; es dröhnt

30
Das Pflaster hohl; Gekicher höhnt

Ihn allerwerts; er keucht und stöhnt,
Die Augen kreisen wie Teller.

[438]

Des Schädels zentnerschwere Last,

35
Sie droht ihn zu erdrücken fast,

Noch vor dem Fenster ohne Rast
Sein Haupt sich wölbt und weitet.

Um Hülfe schreit sein Jammerlaut,
Bis daß der Morgenhimmel graut

40
Und man das Ungeheuer schaut,

Des Kopfs des Pietisten.

Man riß den Fensterkreuzstock ein,
Des Haupts Koloß auf schwankem Bein
Ward erst allmälig wieder klein, –
Doch war sein Verstand des Teufels.

Ignaz Hub.
(Originalmittheilung.)     
(Vergl. „die feurige Kutsche“ in Mone’s „Anzeiger etc.“ Jahrg. 1836.)