Die Hinkenden

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Textdaten
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Autor: Johann Gottfried Herder
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Titel: Die Hinkenden
Untertitel:
aus: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung) S. 58–59
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1793
Verlag: Carl Wilhelm Ettinger
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Erscheinungsort: Gotha
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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Die Hinkenden.


Nichts Hinkendes oder Verstümmeltes sollte Gottes Altar dargebracht werden; so lautete einst das strenge Gebot, woran unsre hinkende Zeit streng erinnert wurde.

Täglich ergingen alsoneue Befehle, die aber niemand achtete, niemand ins Werk setzte, z.B. „Was jemand befiehlt, soll er selbst auch befolgen; wie er lehrt, soll er thun; was er lieset, soll er verstehen; nachdem er wahrnimmt, soll er urtheilen; was er lernt, soll ihn belehren; was er weiß, soll er mittheilen; nachdem er hat, soll er geben; nachdem er empfindet, sprechen; nachdem er liebt, helfen; nachdem er selbst dient, Dienste fodern.“

Die heilsamen Befehle dieser Art wurden so wenig befolgt, als andre. Und damit man die Unterlaßer nicht Ungehorsams beschuldigen könnte, wichen die Hinkenden der Vorschrift damit aus: „es geschehe doch alles, wenn gleich nicht genau nach der Vorschrift; der Zweck werde dennoch erreicht. Es seyn nämlich andre, die befehlen, andre die gehorchen; andre die lehren, andre die thun und f. Durch diese wunderbare Verschiedenheit der Menschen werde mehr ins Werk gerichtet, als durch jene lästige Verbindung der Pflichten.“

So kam das alte Gesetz Gottes durch eine menschliche Novelle in Verjährung.

Das hörte Augustin, das Muster eines ächt rechtschaffenen Lebens. Er wandte sich zu den Seinigen, und sprach klagend: „wohl reden, und übel leben; was heißt das anders, meine Brüder, als sich mit eigner Stimme verdammen und überweisen?“