Die Hochburg

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Heinrich Schreiber
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Hochburg
Untertitel:
aus: Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau S. 73-75
Herausgeber: Heinrich Schreiber
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1867
Verlag: Franz Xaver Wrangler
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Freiburg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Freiburg und Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Hochburg Panorama.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[73]
44. Die Hochburg.

(Geschichtliches über „Schloß Hachberg“ in den Burgen u. s. w. Badens und der Pfalz. Thl. II. S. 303. ff.)

Wie gewöhnlich an alte Burgen mit ihrem geheimnißvollen Dunkel, so knüpfen sich auch an die Hochburg Sagen von dort verborgenen Schätzen und der Erlösung dabei befindlicher gespensterhafter Wesen. Hier wandelt eine Jungfrau mit einem Bunde Schlüssel bei den Kisten voll Gold und Silber, die sie verwahrt, umher. Wenn der Mond scheint, so sieht sie wohl auch aus einem Erker herab und singt bisweilen; auch besucht sie allnächtlich das Brettenthal, wascht sich am Bache, kämmt und zopft ihre langen Haare. Beim Heruntergehen ist sie fröhlich, auf dem Rückwege weint sie.

Einem Bauer von Windenreuthe, der Nachts mit einem Sack Mehl aus der Mühle gieng, kam die Jungfrau entgegen und sagte zu ihm: „Gehe mit mir auf die Burg zu dem Schatze, nimm aber davon ja nicht mehr, als Du, ohne unterwegs abzustellen, heimtragen kannst. So oft Du wiederkommst, mache es so und wenn Du endlich all das Geld beisammen hast, dann ist meine Erlösung da. Finde ich sie nicht durch Dich, so muß ich ihrer noch lange harren; denn das Holz zur Wiege des Kindes, das mir wieder helfen kann, ist noch nicht gewachsen.“ Ohne Bedenken folgte der Mann in ein Gewölbe des Schlosses, worin auf einer eisernen Kiste ein schwarzer Pudel lag. Auf einen [74] Wink der Jungfrau sprang derselbe herab, der Deckel der Kiste fuhr von selbst auf und ließ das Geld sehen, womit sie gefüllt war. Gierig faßte der Mann eine große Summe in seinen ausgeleerten Mehlsack und machte sich damit auf den Heimweg. Unweit des Dorfes mußte er aber die Last, die ihm zu schwer fiel, absetzen und ausruhen. Da fuhr etwas über ihn hinaus und drückte ihn so nieder, daß er die Besinnung verlor; als er wieder zu sich kam, war Sack und Geld verschwunden. Elend kam er nach Hause, erzählte, was ihm begegnet war, und starb am dritten Tage.

Das Geld, welches auf der Burg vergraben ist, hebt sich, wie alle derartigen Schätze, im März, aus dem Boden, um sich zu sonnen. Gewöhnlich zeigen sich sodann da und dort feurige Kreise, die jedoch verschwinden, sobald man hastig auf sie zugeht. Oft nehmen die Schätze auch eine völlig fremdartige Gestalt an, unter der sie sich verbergen. So sah ein Mann, der im März zur besten Stunde, Mittags zwölf Uhr, auf das Schloß Hochberg kam, daselbst neun Körbe voll Bohnenschoten an der Sonne stehen. Aus jedem Korbe nahm er eine Handvoll in seine Rocktaschen, worin Brodkrumen waren. Weil diese die Schoten berührten, so konnten Letztere nicht mehr entweichen; daher fand der überraschte Mann zu Hause seine Taschen mit Silbermünzen gefüllt. Unverzüglich eilte er wieder auf die Burg zurück; aber Körbe und Bohnen waren verschwunden.

Ein Hirtenknabe von dem Meierhof kam eines Sonntags auf das Schloß und gewahrte durch eine Maueröffnung einen großen Saal, der ganz mit rothen Teppichen ausgeschlagen war. Darin saßen an einer Tafel zwölf Männer, deren Kleider von Gold und Silber schimmerten. Vor Jedem stand ein goldener Becher, in der Mitte der Tafel eine große prachtvolle Kanne, und um sie her eine Menge Speisen in kostbaren Geschirren. Ohne Zagen gieng der Junge hinein und ließ, auf die stillschweigende Einladung [75] der Männer, es sich trefflich schmecken. Nach diesem holten sie schwere goldene Kugeln und neun solcher Kegel herbei, winkten dem Jungen aufzusetzen, und fingen an zu kegeln. Als sie eine Zeit lang gespielt hatten, gab einer von ihnen, ohne zu sprechen, dem Aufsetzer drei Goldstücke als Lohn, und den Augenblick darauf war der Saal mit Männern, Tafel und Kegelspiel verschwunden, und der Junge vor der Burg im Freien. Eilig begab er sich in den Meierhof, erzählte was vorgegangen war, indem er die Goldstücke zeigte, und erfuhr zu seinem Erstaunen, daß er drei Tage auf dem Schlosse zugebracht hatte. Nun mußte er zwar mit den Leuten wieder dahin, aber alles Suchen nach dem Saale war vergebens.

Die zwölf Männer sind in die Burg verwünscht; aber sie kommen, wenn Deutschland in der größten Noth ist, wieder heraus und befreien es von seinen Feinden.

Auch das Andenken an den uralten Hacho, dessen unermeßliche Reichthümer und die Herrlichkeit seines Hauses, lebt noch immer im Munde des Volkes. Mitunter ist es auch eine traurige Geschichte von einem Schatzgräber, – dem armen Christian aus dem Thale, – welche dem Besucher des Schlosses mitgetheilt wird. Diesen schönen frischen Burschen hatte der Böse so verblendet, daß er nimmer ruhen konnte, das Gold des Erbauers der Burg in deren verschlungenen Gängen aufzusuchen; bis er sich zuletzt wahnsinnig von den Menschen trennte, in der Geisterstunde rastlos und verwegen unter den Trümmern umherwühlte, und wenn der Morgen dämmerte, ohnmächtig in den dumpfen Höhlen zu Boden sank. Eine kalte Winternacht endete sein trauriges Leben, aber sein Geist soll in den verwitterten Gemächern der Burg noch immer umherirren.

(H. Schr.)