Die Hochzeit der Frau Füchsin (1840)

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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Die Hochzeit der Frau Füchsin
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aus: Kinder- und Haus-Märchen, Band 1. Große Ausgabe. S. 236-240
Herausgeber:
Auflage: 4. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1840
Verlag: Dieterichische Buchhandlung
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Erscheinungsort: Göttingen
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Quelle: HAAB Weimar und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
seit 1812: KHM 38
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Begriffsklärung Andere Ausgaben unter diesem Titel siehe unter: Die Hochzeit der Frau Füchsin.


[236]
38.
Die Hochzeit der Frau Füchsin.

Erstes Märchen.

Es war einmal ein alter Fuchs mit neun Schwänzen, der glaubte seine Frau wäre ihm nicht treu, und da wollte er sie in Versuchung führen. Er streckte sich unter die Bank, regte kein Glied, und stellte sich als wenn er mausetod wäre. Die Frau Füchsin gieng auf ihre Kammer, schloß sich ein, und ihre Magd, die Jungfer Katze, saß auf dem Herd, und kochte. Als es nun bekannt wurde, daß der alte Fuchs gestorben war, so meldeten sich die Freier. Da hörte die Magd daß jemand vor der Hausthüre stand und anklopfte; sie gieng und machte auf, und da wars ein junger Fuchs, der sprach

„was macht sie, Jungfer Katze?
schläft se oder wacht se?“

Sie antwortete

„ich schlafe nicht, ich wache.
Will er wissen was ich mache?
Ich koche warm Bier, thue Butter hinein:
will der Herr mein Gast seyn?“

[237] „Ich bedanke mich, Jungfer,“ sagte der Fuchs, „was macht die Frau Füchsin?“ Die Magd antwortete

„sie sitzt auf ihrer Kammer,
sie beklagt ihren Jammer,
weint ihre Aeuglein seidenroth,
weil der alte Herr Fuchs ist todt.“

„Sag sie ihr doch, Jungfer, es wäre ein junger Fuchs da, der wollte sie gerne freien.“ „Schon gut, junger Herr.“

Da gieng die Katz die Tripp die Trapp,
Da schlug die Thür die Klipp die Klapp.
„Frau Füchsin, sind Sie da?“
„Ach ja, mein Kätzchen, ja.“
„Es ist ein Freier draus.“
„Mein Kind, wie sieht er aus?“

„Hat er denn auch neun so schöne Zeiselschwänze wie der selige Herr Fuchs?“ „Ach nein,“ antwortete die Katze, „er hat nur Einen.“ „So will ich ihn nicht haben.“

Die Jungfer Katze gieng hinab, und schickte den Freier fort. Bald darauf klopfte es wieder an, und war ein anderer Fuchs vor der Thüre, der wollte die Frau Füchsin freien; er hatte zwei Schwänze, aber es gieng ihm nicht besser als dem ersten. Darnach kamen noch andere, immer mit einem Schwanz mehr, die alle abgewiesen wurden, bis zuletzt einer kam der neun Schwänze hatte wie der alte Herr Fuchs. Als die Wittwe das hörte, sprach sie voll Freude zu der Katze

[238]

„nun macht mir Thor und Thüre auf,
und kehrt den alten Herrn Fuchs hinaus.“

Als aber eben die Hochzeit sollte gefeiert werden, da regte sich der alte Herr Fuchs unter der Bank, prügelte das ganze Gesindel durch, und jagte es mit der Frau Füchsin zum Haus hinaus.


Zweites Märchen.

Als der alte Herr Fuchs gestorben war, kam der Wolf als Freier, klopfte an die Thüre, und die Katze, die als Magd bei der Frau Füchsin diente, machte auf. Der Wolf grüßte sie, und sprach

„guten Tag, Frau Katz von Kehrewitz,
wie kommts daß sie alleine sitzt?
was macht sie gutes da?“

Die Katze antwortete

„Brock mir Wecke und Milch ein:
will der Herr mein Gast seyn?“

„Dank schön, Frau Katze,“ antwortete der Wolf, „die Frau Füchsin nicht zu Haus?“

Die Katze sprach

„sie sitzt droben in der Kammer,
beweint ihren Jammer,
beweint ihre große Noth,
daß der alte Herr Fuchs ist todt.“

Der Wolf antwortete

[239]

„Will sie haben einen andern Mann,
so soll sie nur herunter gan.“

Die Katz die lief die Trepp hinan,
und ließ ihr Zeilchen rummer gan
bis sie kam vor den langen Saal:
klopft an mit ihren fünf goldenen Ringen.
„Frau Füchsin, ist sie drinnen?
Will sie haben einen andern Mann,
so soll sie nur herunter gan.“

Die Frau Füchsin fragte „hat der Herr rothe Höslein an, und hat er ein spitz Mäulchen?“ „Nein“ antwortete die Katze. „So kann er mir nicht dienen.“

Als der Wolf abgewiesen war, kam ein Hund, ein Hirsch, ein Hase, ein Bär, ein Löwe, und nacheinander alle Waldthiere. Aber es fehlte immer eine von den guten Eigenschaften, die der alte Herr Fuchs gehabt hatte, und die Katze mußte den Freier jedesmal wegschicken. Endlich kam ein junger Fuchs. Da sprach die Frau Füchsin „hat der Herr rothe Höslein an, und hat er ein spitz Mäulchen?“ „Ja,“ sagte die Katze, „das hat er.“ „So soll er herauf kommen“ sprach die Frau Füchsin, und hieß die Magd das Hochzeitfest bereiten.

„Katze, kehr die Stube aus,
und schmeiß den alten Fuchs zum Fenster hinaus.
Bracht so manche dicke fette Maus

[240]

fraß sie immer alleine,
gab mir aber keine.“

Da ward Hochzeit gehalten mit dem jungen Herrn Fuchs, und ward gejubelt und getanzt, und wenn sie nicht aufgehört haben, so tanzen sie noch.