Die Jüdin (Erk, Variante 1)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Jüdin
Untertitel:
aus: Deutscher Liederhort,
S. 70–71
Herausgeber: Ludwig Erk
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Th. Chr. Fr. Enslin
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Wikimedia Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Deutscher Liederhort (Erk) 070.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[70]
22. Die Jüdin.
Erste Melodie.


Sehr mäßig. Aus Gramzow in der Ukermark u. der Gegend v. Bernau.
Noten


Zweite Melodie.


Sehr mäßig. Aus Schlesien.
Noten


1.
Es war eine stolze Jüdin,

ein wunderschdnes Weib;
die hatt eine schöne Tochter,
ihr Haar war glatt geflochten,
zum Tanz war sie bereit.

2.
„Ach Mutter, liebe Mutter,

mein Kopf thut mir so weh;
laß mich eine kleine Weile
spazieren auf grüner Heide,
bis daß es mir vergeht!“

3.
‚‚‚Ach Tochter, Herzenstochter,

das kann und darf nicht sein;
wenn Juden auf der Straße gehn
und sehn dich unter den Bäumen stehn,
wie wird es dir ergehn!‘‘‘

4.
Die Mutter legt sich schlafen,

die Tochter nahm ein Sprung;
sie sprang wol in die Straßen,
wo Herrn und Schreiber saßen:
dem Schreiber sprang sie zu.

5.
„Ach Schreiber, liebster Schreiber,

mein Herz thut mir so weh:
laß mich eine kleine Weile
nur schlafen an deiner Seite,
bis daß es mir vergeht!“

6.
„„Ach Jüdin, liebste Jüdin,

das kann und darf nicht sein;
willst du dich lassen täufen,
Maria Magdalene sollst du heißen,
mein Weibchen sollst du sein!““

[71]
7.
„Ach Schreiber, liebster Schreiber,

das kann und darf nicht sein;
eh ich mich lasse täufen,
viel lieber will ich mich ersäufen
wol in dem tiefsten See!“

8.
Sie schlug den Mantel zusammen

und dreht sich nach dem See:
„Ade, mein Vater und Mutter,
ade, du stolzer Bruder,
wir sehn uns nimmermeh!“

(Vielfach mündlich, aus dem Brandenburgischen.)

1, 1. Es war einmal eine Jüdin. – 1, 3. die hatt eine einzge Tochter. – 2, 1. Ach Tochter, Herzenstochter. – 2, 3. laß mich eine kleine Weile, ein Stündlein zwei oder dreie auf der Straße spazieren gehn! – 3. Ach Tochter, Herzenstochter, das kann und muß (darf) nicht sein: was werden die Leute wol denken, wenn so ein jüdisches Mädchen auf der Straße spazieren geht. – 3, 3. was soll uns das bedeuten? was werden sagen die Leute? laß dein Spazieren sein! – 4, 2. Die Tochter nahm die Flucht – gieng ihren Gang. – 4, 3. sie sprang wol in die Gasse. – 4, 5. dem Schreiber in den Arm (Schooß). – 5, 3. Ach thu dich mein erbarmen, nimm mich in deine Arme, auf das mir besser wird! – 5, 4. nur ruhen an deiner Seite. – 6, 3. Was werden die Leute wol denken, wenn so ein jüdisches Mädchen in meinen Armen ruht! – 6, 4. Mariane (Susanna) sollst du heißen, eine Christin mußt du sein! – mein Ehweib (mein eigen) sollst du (müßtest) sein! – 7, 5. wol in dem tiefsten Meer! – wos Meer am tiefsten ist! – 8. Die Tochter schwang den Mantel (umschwang sie ihren Mantel) und gieng wol hin und her: „Gut Nacht, Herzvater, Herzmutter! gut Nacht, du stolzer Schreiber (Bruder), ich seh euch nimmermehr! (ihr seht mich nimmermehr!)“