Die Kosciuszko-Säule am Hudson

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Die Kosciuszko-Säule am Hudson
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 35, S. 409–410
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Die Kosciuszko-Säule am Hudson.
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Die Kosciuszko-Säule am Hudson.

Wenn irgend ein Volk der Neuzeit durch aufopfernde Begeisterung und kühnen Heldensinn die Bewunderung der Welt errungen hat, so ist es Polen, das die Helden legionenweise zählte, und das, obschon immer und immer wieder besiegt, selbst seinen Feinden Achtung abzwang. Ob eine Nation, wie die polnische, aus der Reihe der übrigen gestrichen werden kann … wer wagt es zu behaupten? Ja wer steht dafür, daß sie auch nur den tiefen Schlaf schläft, wie viele sagen. Doch wäre dem auch so, lag Polens letzte Stunde wirklich schon hinter uns, so ging es wenigstens in lichtem Ruhmesglanze unter, aus welchem hervor der gefeierten Namen eine Menge leuchten!

Den ersten Platz unter ihnen macht Niemand dem Helden Kosciuszko streitig, dem Größten und Edelsten aller Polen, der nicht nur für die Freiheit seines unglücklichen Vaterlandes kämpfte, sondern sein Blut auch für das zu einem glücklichen Loose erwachende junge Amerika verspritzte, das seitdem zu einem Riesen herangewachsen ist. Als die nordamerikanischen Völker den heißen Unabhängigkeitskampf gegen das Mutterland schlugen, war Kosciuszko (1777) unter denen, die wie Lafayette, voller Begeisterung über’s Meer zogen, um unter dem gefeierten Washington für die Rechte der Menschheit zu kämpfen. Ein muthiger Krieger in allen Schlachten, wurde er vor New-York und bei Yorktown verwundet, stieg mit der Zeit bis zum Generalmajor, erhielt, außer Lafayette der einzige Europäer, den Cincinnatusorden, und kehrte, ein inniger [410] Freund Washington’s und Lafayette’s geworden, im Jahre 1786 nach seinem Vaterlande zurück. Als er im Jahr 1797 zum zweiten Male nach Amerika kam, bereitete ihm das Volk einen Empfang, wie noch keinem Europäer bereitet worden; es galt in ihm den Befreier Amerika’s mit zu ehren, und dem gefallenen Polenland zugleich die letzte Ehre zu erweisen, denn in der Zwischenzeit hatte Kosciuszko zweimal für sein geliebtes Polen zum Schwert gegriffen, und das verhängnißvolle Wort „Finis Poloniae!“ war in der Schlacht bei Macinjowice über seine Lippen gekommen. Er hat von da an nie wieder ein Schwert getragen, weil er es für das Vaterland nicht konnte.

Kosciuszko starb 1817 in Solothurn auf freier schweizer Erde; das folgende Jahr ließ aber der russische Kaiser Alexander die Leiche von Solothurn abholen und im Dome zu Krakau in die polnische Königsgruft beisetzen. Gewiß mußte der Mann ein makelloser Held sein, den einerseits der Selbstherrscher aller Reußen solche Ehre erwies, und dem andererseits die nordamerikanischen Republikaner an den Ufern des Hudson eine Denksäule errichteten. !

Das einfache Monument, wie unser Bild es zeigt, steht auf einem an dem majestätischen Strome vorspringenden Felshügel; durch Gebüsch und Wiesen hin, und an einigen Trauereschen und Weiden vorüber, windet sich der schmale Pfad nach dem Denkmale zu, auf dem man die Worte liest: „Kosciuszko, dem Helden zweier Welten.

Sein Name macht immer noch jedes polnische Herz beben, und oft sieht man hier am Hudson in stillem Gebet Polen, die, wie so viele ihrer Nation, ein unerbittliches Geschick aus der theuern Heimath trieb.