Die Magd und die Männlein zu Help

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Textdaten
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Autor: Jodocus Donatus Hubertus Temme
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Titel: Die Magd und die Männlein zu Help
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aus: Die Volkssagen der Altmark
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1839
Verlag: Nicolaische Buchhandlung
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Erscheinungsort: Berlin
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Quelle: Google und Scans auf Commons
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44. Die Magd und die Männlein zu Help.

In dem Dorfe Help, eine halbe Meile von Arnswalde in der Neumark, war im Jahre 1574 eine Magd, siebenzehn Jahre alt, auf den Palmsonntag zum Sacrament des Altars gegangen. Anstatt nun darauf den Tag mit frommen Werken zuzubringen, war sie des Abends auf die Gasse gegangen, und hatte den anderen Mägdlein zugesehen, die allda herumliefen und allerlei weltliche Spiele trieben. Auf einmal hat sie ein kalter Wind angeblasen, davon sie ganz schwach im Haupte geworden. Sie ging zu Hause und legte sich mit allen ihren Kleidern zu Bette, aus welchem sie von der Stunde an in vollen vier Jahren nicht wieder herausgekommen. Sie wurde dabei lahm und blind, und aß und trank in aller der Zeit nichts; sie verrichtete auch kein Bedürfniß und sprach kein einziges Wort. Nachdem sie also ins fünfte Jahr bis zum 2. August 1578 gelegen hatte, da wurde sie an diesem Tage gen Arnswalde in das Hospital des heiligen Geistes gebracht. Vier Tage lang lag sie hier, so wie in ihrer Wohnung zu Help. Am fünften hat sie auf einmal angefangen, durch eine Bewegung ihres Mundes Anzeigung ihres Hungers von sich zu geben. Es wurde ihr darauf eine Weinsuppe gebracht, die sie mit einem Löffel gegessen. Von derselbigen Zeit an war sie genesen. Sie erzählte nun auch die wunderbare Weise, in der sie vier Jahre zugebracht. Es waren nämlich kleine Männlein und Jungfräulein alle Tage unter ihrem Bette hervorgekommen, die außer ihr kein Anderer hatte sehen können. Die waren schön geschmückt gewesen, und hatten ihr die besten Speisen gebracht, von allem, was anderswo gekocht oder gebraten gewesen. Sie hatten sie auch anfangs aus ihrem Bette hinwegtragen und ein anderes Bild an ihre Stelle legen wollen; aber Einer [125] unter ihnen, in einem gelben Kleide, hatte das widerrathen. Darauf hatten sie aber dermaßen auf sie gedrückt, daß sie davon auf einer Seite ganz lahm geworden. Auch hatten sie ihr immer die Augen zugedrückt, daß sie nicht hatte sehen sollen, wovon sie Zeit ihres Lebens braune Flecken an den Augen behielt. Als sie zuletzt gehört hatten, daß sie in die Stadt gebracht werden solle, hatten sie unter einander davon geredet, daß sie ihr über Land keine Speise bringen könnten, und sie hatten sie nun wieder wegtragen wollen. Auf Vorbitten Eines war das aber auch dieses Mal unterblieben. - Von ihrer Krankheit behielt sie nichts zurück, als daß sie nur wenig aß, selten redete, daß sie mit einem Fuße hinkte, und daß sie niemals allein im Hause bleiben wollte.

(Unter der Sonne nichts Neues!)

Andreas Angelus Annales March. Brand. pag. 372. 377. 378.