Die Nonne (Erk, Variante 1)

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Titel: Die Nonne
Untertitel:
aus: Deutscher Liederhort, S. 54–56
Herausgeber: Ludwig Erk
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Th. Chr. Fr. Enslin
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Erscheinungsort: Berlin
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Quelle: Google und Wikimedia Commons
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[54] ===
18. Die Nonne.
===

Erste Lesart.

Mäßig langsam. Mündlich. Durch ganz Deutschland verbreitet.
Noten


Zweite Lesart.

Mäßig langsam.
Noten


1.
Ich stand auf hohem Berge

und schaut ins tiefe Thal,
ein Schifflein sah ich |: schwimmen, :|
worin drei Grafen warn.

2.
Der Jüngste von den dreien,

der in dem Schifflein saß,
gab mir einmal zu trinken
kühlen Wein aus seinem Glas.

[55]
3.
Was zog er von dem Finger?

ein goldnes Ringelein:
„Sieh da, du Hübsch und Feine,
das soll dein Denkmal sein!“

4.
‚‚‚Was soll ich mit dem Ringe?

bin gar ein junges Blut,
dazu ein armes Mädchen,
hab weder Geld noch Gut.‘‘‘

5.
„Bist du ein armes Mädchen,

hast weder Geld noch Gut:
so gedenk an unsre Liebe,
die zwischen uns beiden ruht!“

6.
‚‚‚Ich gedenk an keine Liebe,

ich gedenk an keinen Mann;
ins Kloster will ich ziehen,
will werden eine Nonn.‘‘‘

7.
„Willst du ins Kloster ziehen,

willst werden eine Nonn:
ei so will ich die Welt ausreiten,
bis daß ich zu dir komm.“ –

8.
Es stund wol an ein Vierteljahr,

dem Grafen träumts gar schwer,
wie daß sein herzallerliebster Schatz
ins Kloster gangen wär.

9.
Der Herr sprach zu dem Knechte:

„Sattle mir und dir zwei Pferd!
wir wollen allbeide reiten,
der Weg ist Reitens werth.“

10.
Und als er kam vors Kloster,

ganz leise klopft er an:
„Wo ist die jüngste Nonne,
die letzt ist kommen an?“

11.
„„Es ist ja keine drinnen,

es kommt auch keine raus!““ –
„Ei so will ich das Kloster anzünden,
das schöne Nonnenhaus!“

12.
Da kam sie hergeschritten,

schneeweiß war sie gekleidt;
ihr Haar war abgeschnitten,
zur Nonn war sie bereit.

13.
Sie hieß den Herrn willkommen,

willkommen im fremden Land:
‚‚‚Wer hat euch heißen kommen,
wer hat euch hergesandt?‘‘‘

14.
Der Graf wandt sieh voll Sehnen;

die Red ihn sehr verdroß,
daß ihm die heißen Thränen
von seinen Wangen floß.

15.
Sie bot dem Herrn zu trinken

aus ihrem Becherlein:
in zwei, drei Viertelstunden
brach ihm sein Herz entzwei.

16.
Mit seinem blanken Degen

grub sie ein Gräbelein,
mit ihren zarten Händen
legt sie ihn selber nein.

17.
Mit ihren rothen Lippen

sang sie den Grabgesang,
mit ihrer hellen Stimme
schlug sie den Glockenklang.

1, 1. Ich stand auf hohen Bergen. – 2. Der jüngste von den Grafen, der in dem Schifflein war (was), bot (bracht) mir einmal etc. – 3, 3. Nimm hin, du Hübsche, du Feine, dies soll mein (zum) Denkmal sein! – 4. Was soll ich mit dem Ringlein thun (machn)? ich bin ein junges Blut. – 6. Ich gedenk an keine Liebe, denk auch an keinen Mann, ich gedenk an Gott den Vater, der mir nur helfen [56] (rathen – der mich erhalten – nur trösten) kann. – 6a. Ins Kloster will ich ziehen, will werden eine Nonn, will mich der Welt entziehen, hin, wo man beten kann. – 7, 3. ei so will ich die Welt durchreiten, bis letzt ich zu dir komm. – 8. Es stund nicht gar ein halbes Jahr, dem Grafen träumts so schwer, als ob sein herzallerliebster Schatz ins Kloster zogen wär. – 9. Der Herr zu seinem Reitknecht sprach: Sattel mir und dir ein Pferd! nach dem (ins) Kloster wolln wir reiten, der Traum (die Lieb) ist Reitens werth. – 10. Und als er (sie) vor das Kloster kam (kamn), wol vor des Klosters Thür: „Die jüngste von den Nonnen, die soll mal kommen für!“ – 11. „„sist keine reingekommen, es kommt auch keine raus!““ – „Ei so will ich das Kloster anstecken, das schöne Nonnen- (Gottes-) haus!“ – 11a „„Willst du das Kloster anstecken, das schöne Nonnenhaus, viel lieber will ich dir geben die jüngste Nonne raus.““ – 12. Das Nönnchen kam geschritten, ganz weiß war sie bekleidt; ihr Haar war ihr verschnitten etc. – 13, 4. Wer hat euch Boten gesandt? – 14. Der Graf wandt sich herumme, kein Wort mehr zu ihr sprach, und ihm sein jung frisch Herze vor lauter Wehmuth brach. – Oder: Der Graf entsetzt sich in der Still und saß auf einen Stein; in zweimal dreizehn Stunden brach ihm sein Herz entzwei (starb er am grünen Rain). – 14, 3. er weint die hellen Thränen, konnt sich nicht wieder freun. – 15. Sie bot dem Herrn zu trinken kühlen Wein aus ihrem Glas; es dauert kein Viertelstündchen, so streckt er sich ins Gras. – 16. Mit ihrn schneeweißen Händen gräbt sie dem Grafen ein Grab, aus ihrn schwarzbraunen Augen sie ihm das Weihwasser gab. – 16, 1. Mit seinen Sporn und Degen. – 16, 4. legt sie ihn selbst hinein. – 17. Mit ihren zarten Händen zog sie den Glockenstrang, mit ihren rothen Lippen sang sie den Grabgesang (Sterbesang). – 17a. Ein Kirchlein ließ sie bauen wol auf des Liebsten Grab; darin will sie verbleiben, so lang sie sLeben hat. – Oder: Ein Haus will ich mir bauen auf mein Feinsliebchens Grab, und drin auf Gott vertrauen, bis kommt mein Sterbetag.