Die Nonne zu Dallau

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Autor: Unbekannt
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Titel: Die Nonne zu Dallau
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 609–611
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons, Google
Kurzbeschreibung:
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[609]
Die Nonne zu Dallau.

„Leb wohl, du Treugeliebte!
Ich ziehe fort von hier
Nach dem gelobten Lande,
Dort fleh’ ich Sühnung mir.

5
Wenn ich an des Erlösers Grabe

Für meine Seel’ gebetet habe.
Dann kehr’ ich treu zurück zu dir.“

Und fort zog er mit Eile,
In einem härnen Kleid,

10
Sie sah ihm nach mit Weinen
[610]

Und seufzt’: „Ich arme Maid!
Was blinket ihr, o holde Sterne?
In seinem Aug’ sah ich euch gerne,
Doch jetzt ist er so fern, so weit!“

15
An jedem Abend kniet sie

Vor dem Madonnabild:
Maria, schütz’ den Waller,
Er ist so fromm, so mild!
Er zieht dahin am Pilgerstabe,

20
An deines Sohnes stillem Grabe

Will beten er von Reu’ erfüllt.“

Es sicheln sich die Monde,
Zwei Jahre wohl vergehn;
Sie schaute von dem Söller,

25
Und konnt’ ihn nicht erspähn.

Sie steigt so bang und traurig nieder:
„Wann kehrest du, Geliebter, wieder?
Willst deine Maid du nimmer sehn? –“

Einst in des Traums Gefilden

30
Maria ihr erscheint:

„Dein Ritter ist gefallen;
Der Tod hat ihn vereint
Mit Jesu, für das höh’re Leben
Hat er sein Heldenblut gegeben;

35
Der Arme hat jetzt ausgeweint.“


Und als sie drauf erwachte,
Rief sie: „Was weil’ ich hier
Auf dieser Erd’ alleine?
Nimm mich hinauf zu dir!

40
Hier ist’s so öd’, bin so verlassen,

Will, ach! so gern um dich erblassen,
Hier traur’ ich einsam für und für. –“

[611]

Im Kloster sie sich schließet
In eine Zelle ein,

45
Und nach drei Monden naht ihr

Ein Engel mild und rein:
„Laß ab, lass’ ab, dich so zu grämen,
Dich will der Herr jetzt zu sich nehmen,
Zu enden deine lange Pein.“

50
Und freudig rief die Fromme:

„Ich sterb’, Geliebter mein!“
Sie starb und in den Himmel
Bracht’ sie das Engelein.
Das Kloster ist schon längst zerfallen,

55
Aus dessen öden dunkeln Hallen

Es uns erzählt’ der Leichenstein.

(Fliegendes Blatt.)

Neben dem friedlichen Dörfchen Dallau erhebt sich ein mäßiger Berg, auf welchem vor Zeiten ein Frauenkloster stand. Da dieses schon längst zerfallen, würde man die Stelle, auf der es erbaut war, kaum mehr erkennen, bezeichnete diese nicht der Name Kapell, den des Berges oberste Spitze noch trägt.

Mancherlei redet die Sage von diesem Frauenkloster. Weiße Gestalten sollen in der Mitternachtstunde dort umwandeln und melodische Sangesweisen von der Höhe niederklingen.

Obige Sage mag dem Meister Uhland den Stoff zu seinem zarten Gedichte geliehen haben, das wir hier anschließen: