Die Pana bei Gottschdorf

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Textdaten
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Autor: Friedrich Bernhard Störzner
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Titel: Die Pana bei Gottschdorf
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aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 358
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Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: SLUB Dresden und Wikimedia Commons
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150. Die Pana bei Gottschdorf.

Eine Stunde in nordöstlicher Richtung von Königsbrück entfernt liegt Gottschdorf, ein Ort, der seit Jahrhunderten nach Neukirch eingepfarrt ist. Ostwärts von Gottschdorf breitet sich ein umfangreiches Waldgebiet aus, die Pana, der Pan oder auch die Bahne genannt. Dieser Wald gehört zum Rittergute Schwepnitz. Ein Bächlein, die Bahne genannt, durchfließt diesen Wald, in dem einst ein altheidnischer Tempel gestanden haben soll. Nach hier sei viel Volk gewallfahrtet. Als die Bewohner zum Christentume übertraten, wurde der Tempel abgebrochen und gänzlich zerstört, damit das Volk nicht etwa wieder ins Heidentum zurückfalle. Im benachbarten Dorfe Neukirch wurde aber ein christliches Gotteshaus errichtet, das nunmehr auch von den Gottschdorfern fleißig aufgesucht wurde.

Neben jenem Götzentempel befand sich eine heilige Quelle, der Heilborn genannt. Diese Quelle war eine Salzquelle und stand in dem Rufe, daß sie Wunder wirke an Gesunden und Kranken, an Menschen und Vieh. Wer das Wasser trank, wurde gesund, und von der Wunderkraft der Quelle im Pan erzählte man allerorten. An gewissen Tagen kamen hier viele Leute zusammen, um im Panquell zu baden und die Gesundheit wieder zu erlangen. Die Priester, welche an jenem Wunderquell Tag und Nacht wachten, nahmen Geld entgegen und sammelten gar große Schätze. Jahrhunderte hindurch übte der Heilborn im Pan seine Anziehungskraft aus. Erst als eine der früheren Königsbrücker Herrschaften ihn überdecken ließ, hat er seine Kraft verloren, aber doch nicht gänzlich seine Heiligkeit und seinen guten Ruf eingebüßt. Noch zu Ende des 18. Jahrhunderts kamen an einem bestimmten Tage des Jahres die Neukirchener Burschen, um den Brunnen feierlich zu reinigen.

Dieser Heilborn soll früher mit einer eisernen Türe verwahrt gewesen sein, in späteren Zeiten aber hat man den Quell verschüttet, und er ist heute nimmer aufzufinden. – Eine Stunde von Königsbrück entfernt befindet sich eine andere Quelle, die nach der Sage die Eigenschaft haben soll, daß Steine, welche man hineinwirft und einige Zeit darin liegen läßt, weich werden. Freiherr von Schellendorf, ein vormaliger Besitzer der Standesherrschaft Königsbrück, bei dessen Familie Königsbrück bis 1776 verblieb, ließ im Jahre 1646 diese Quelle untersuchen und einfassen. Gar bald entstand ein wahrer Zulauf von Leuten aus allen Ständen nach hier, die das Wasser dieser Quelle als Heilmittel gebrauchten und das auch mit Erfolg. Einst suchte diesen Wunderbrunnen ein Bauersmann auf, um dessen Wasser gegen eine schlimme Krankheit anzuwenden. Da er aber nicht sogleich eine heilsame Wirkung, wie er doch gehofft hatte, verspürte, so verachtete er die Gottesgabe und sagte spöttisch: „Wasser ist Wasser! Ich lobe mir eine Kanne Bier dafür!“ – Doch dieser Frevel blieb nicht ungestraft. Auf der Stelle rührte jenen Lästerer der Schlag, er verlor die Sprache, und nach einigen Tagen starb der betreffende Bauersmann. –

In der Nähe dieses Wunderbrunnens lagen einst noch zwei andere Quellen. Dieselben waren Salzquellen. Das Wasser dieser Quellen benützten die Landsleute in der Umgegend zum Salzen und Waschen der Butter, wodurch diese sehr schmackhaft wurde und eine gewisse Berühmtheit weit und breit erlangte. In der Hussitenzeit sollen aber diese beiden Salzquellen mit Schlamm verstopft worden sein. Gehölz überwuchs sie, und heute weiß man dieselben nicht mehr zu finden, obgleich erst vor Jahren darnach wieder gesucht ward.