Die Pest in Pulsnitz

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Textdaten
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Autor: Friedrich Bernhard Störzner
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Titel: Die Pest in Pulsnitz
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aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 215–216
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Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
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Erscheinungsort: Leipzig
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95. Die Pest in Pulsnitz.

In den Jahren 1680 und 1681 wurde unser Vaterland von der schrecklichen Pest schwer heimgesucht. Dieselbe kam nach Sachsen aus dem benachbarten Böhmen. Es erging damals wegen der drohenden Pestgefahr an alle sächsischen „Amtsschlösser“ folgende kurfürstliche Verordnung:

„Wohlehrenveste Liebe Getreuen!

Demnach leider die Pest im Königreich Böhmen von tag zu tag, je länger je mehr einreist, als wollet an denen Toren des Tags über Wache stellen, des Nachts aber solche schließen, und durchaus niemanden, er sei auch wer er wolle, weder durch noch hinten umb zu reisen, oder daselbst, oder auf denen Dörfern herbergen lassen, und ob diesen allen so wohl vor euch steiff halten, alß auch, daß es sowohl im Städtgen als auf denen Dörffern geschehe, genaue achtung geben und so viel möglich verhindern, daß niemand des Orts in die Erblande sich einschleiche. Hieran vollbringt ihr meine Meynung. Datum Dreßden, d. 24. Januarii, 1680.“ –

Infolge dieser kurfürstlichen Verordnung traf man allerorten, besonders in den Städten des Landes, alle möglichen Vorsichtsmaßregeln. Es wurden sogar die Straßen, sowie alle anderen Zugänge nach den Städten mit Brettern vernagelt, und nur selten durfte jemand aus und ein. Aber alle Vorsichtsmaßregeln halfen nichts. Die furchtbare Pest fand doch Eingang und forderte in manchen Orten ganz bedeutende Opfer. In Dresden allein starben im Jahre 1680 nicht weniger als 6000 Personen an der Pest, in Leipzig über 3000, in Kamenz 1800, in Bischofswerda 659, in Marienberg 400, in Neustadt 300. Schwer heimgesucht wurde aber das Städtchen Pulsnitz. Hier hielt die gefürchtete Pest im Juni 1680 ihren Einzug und soll durch einen auf dem Polzenberge wohnenden Gärtner von Dresden aus eingeschleppt worden sein. Es starben in dieser Stadt, die damals noch nicht einmal 900 Einwohner zählte, im Sommer des Jahres 1680 nicht weniger als 485 Menschen an der Pest und 33 an anderen Krankheiten. Auch 30 Schüler wurden ein Opfer der wütenden Pest. Die Stadtschule mußte am 29. Juli 1680 geschlossen werden und zwar bis zum 10. Januar 1681. Der Unterricht wurde ausgesetzt. –

Pulsnitz starb in diesem Jahre über die Hälfte aus. Es blieben im ganzen nur noch 356 Personen am Leben und zwar „77 Wirte, 82 Wirtinnen, [216] 98 Söhne und 99 Töchter“. Die letzten Opfer der verheerenden Pest waren die 4 Kinder des Hans Meyer, die am 5. und 7. Dezember 1680 starben.

Die an der Pest Verstorbenen wurden auf einem besonderen Platze begraben, den heute die „Grüne Gasse“ einnimmt. Ihn nannte man den Pestkirchhof. Später wurde derselbe bebaut. Als im Jahre 1819 der Grund zu einem Keller gegraben wurde, fand man in der Tiefe noch mehrere Leichen, deren Anzüge zum Teil noch recht gut erhalten waren.

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Marktplatz zu Pulsnitz mit Rathaus und Rietscheldenkmal.

In den Nachbarorten von Pulsnitz wütete die Pest nicht weniger schlimm. In Pulsnitz M. S. starben 64 Personen, in Obersteina 49, in Niedersteina 12, in Ohorn 55, in Radeberg 300, in Schmiedefeld bei Stolpen 152. –

Der Schrecken der Leute war ein allgemeiner. Durch verschiedene Arzneimittel suchte man sich vor Ansteckung zu schützen. Jeder Hauswirt war strengstens angewiesen, in seinem Hause Eichenlaub, birkene Rinde, Wachholderbeerholz, Wachholderbeeren, Feldkümmel in gedörrtem Zustande zu haben. Man kochte davon einen Tee und versprach sich von diesem Getränk eine gute Wirkung. Andere wieder genossen Wermut, Weinrankenknospen und Schafgarbenblüten mit Essig übergossen.