Die Pforzheimer Bürger

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor: Adolf Bube
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Pforzheimer Bürger
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 391–395
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Karlsruhe
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[391]
Die Pforzheimer Bürger.

An des Neckarstroms Gestade
Zog gen Wimpfen seine Pfade
Baden-Durlach’s kleines Heer;
Und es schwangen in der Rechten,

5
Für das Lutherthum zu fechten,

Hoch die Krieger ihre Wehr.
Plötzlich dringt es durch die Reihen:
Tilly naht mit starker Macht!“
Und es ordnet jeder Führer

10
Seine Schaar zur heißen Schlacht.


Eine wetterschwangre Wolke,
Braußt mit seinem wilden Volke
Tilly fürchterlich heran;
Und so weit die Augen schauen,

15
Zeigen in des Landes Auen
[392]

Feuersäulen seine Bahn;
Markgraf Friedrich ruft im Grimme:
„Seht des Vaterlandes Schmach!
Tapfre, folgt mir, es zu retten,

20
In das Schlachtgetümmel nach!“


Und er jagt auf starkem Rosse
In den Hagel der Geschosse,
Den der Feind entgegen schickt.
Löwenmuthig sprengt zum Streite

25
Weimars Fürst an seiner Seite,[1]

Hoch sein scharfes Schwert gezückt.
Und wer ist, in weißen Röcken,
Dort die auserwählte Schaar,
Die den beiden tapfern Fürsten

30
Folgt in jegliche Gefahr?


Wo der Nagold sanfte Wellen
Und die Würm den Enzfluß schwellen,
Liegt ein Städtchen wohlgebaut;[2]
Dorther stammen jene Streiter,

35
Die, als Friederichs Begleiter,

Euer Blick verwundert schaut.
Da des Fürsten Ruf erschollen:
„Glauben gilts und Vaterland!“
Legten sie die Weberspule

40
Aus der kunstgeübten Hand.


Wie geprüfte Heldenschaaren
Trotzten sie der Schlacht Gefahren
Jetzt mit frommem teutschen Muth;
Unter ihres Schwertes Streichen

45
Thürmten Berge sich von Leichen,
[393]

Und der Boden schwamm in Blut.
Schon verläßt des Kaisers Fahnen
Fliehend das Hispan’sche Heer,
Und zerstreuet auf der Fläche

50
Furchtbar heulend sich umher.


Aehnlich hochempörten Bächen
In der Feinde Linien brechen
Baden-Durlach’s Schaaren ein,
Und die muthentseelten Glieder

55
Stürzen wild sie vor sich nieder

Mit der Waffen Wetterschein,
Wie auch Tilly’s Stimme tobet,
„Halt!“ den Fliehenden gebeut,
Seine ungezählten Rotten

60
Sind wie Spreu vom Sturm zerstreut.


Und wie mit des Sturmes Flügel,
Flogen über Berg und Hügel
Ihnen Durlach’s Krieger nach.
Da ertönt in ihrem Rücken,

65
Als zerbörst’ ein Berg in Stücken,

Tiefbetäubendes Gekrach;
Unvermerket sank im Kampfe
Einer Kugel Feuerball
In den Kreis der Pulverwagen,

70
Zündend dort in seinem Fall.


Und des Tages Licht verhüllet
Und den reinen Aether füllet,
Athem raubend, Pulvernacht,
Während rund von bangem Stöhnen

75
Fluren, Thal und Hügel dröhnen,

Und der Eichen Waldung kracht.
Tausend Tapfre sind zerschmettert,
Wälzen sich in ihrem Blut,
Wer es noch vermag, entfliehet

80
Schleunig mit gesunknem Muth.
[394]

Von den dampfumwogten Höhen
Sieht man Feindes Fahnen wehen,
Und Verderben Allen droh’n.
In das Schlachtgefilde nieder

85
Führet seine Rotten wieder

Der gewalt’ge Tilly schon,
Rufend mit Commandostimme:
„Jaget nach dem Ketzerheer!
Und wen ihr erreicht, dem stoßet

90
Durch den Körper Schwert und Speer!“


Also folgt im raschen Fluge
Mordend er dem flücht’gen Zuge,
Bis er Durlach selbst gewahrt;
Wähnend ihn in seinen Händen,

95
Denkt sein Leben er zu enden

Auf entsetzensvolle Art.
Aber unvermuthet stürzet
Wohlgeordnet Mann zu Mann,
Durlachs treuer weißer Haufen

100
Gegen Tilly’s Schlachtheer an.


Tilly staunet. „Kommt zum Heere
Ferdinando’s!“ – ruft er – „Ehre
Schmückt euch hier im höchsten Grad,
Wenn zu eurem Ketzerfürsten,

105
Welchen wir zu fahen dürsten,

Ihr geöffnet uns den Pfad!“ –
Doch vergebens! All’ erwiedern:
„Eher Tod durch Feindeshand,
Als Verrath dem theuern Fürsten

110
Und dem lieben Vaterland!“


Tilly drauf: „Ihr wollt Verderben?
Nun, so sollt ihr Alle sterben,
Eh’ gelingt des Fürsten Flucht!“
Und mit seinem ganzen Heere,

115
Gleich dem hochempörten Meere,

Das den Fels zu stürzen sucht,

[395]

Stürmt er auf den kühnen Haufen,
Welcher unerschüttert steht,
Ob auch mancher seiner Helden

120
Offnem Tod entgegen geht.


Tief im Innersten beweget
Ruft von Neuem Tilly: „Leget
Eure Waffen vor mich hin!“
Aber Deimling: „Magst sie holen!“

125
Mit ihm äußern, unbefohlen,

Alle Bürger gleichen Sinn,
Und erfechtend ihres Fürsten
Rettung mit der Väter Muth,
Fallen Mann für Mann, sie Alle,

130
Hochumströmt von Feindes Blut.
Adolf Bube.

Die Heldenthat der vierhundert Pforzheimer ist auch in einem größeren Gedichte gefeiert, betitelt: „Die Schlacht bei Wimpfen,“ ein vaterländisches Heldenlied von Karl Fernand, evangelisch-protest. Pfarrer in Egringen. (Karlsruhe, 1838. Verlag des artist. Instituts.) Einen Auszug daraus theilt Baader in seinen „Sagen der Pfalz, der Bergstraße und des Odenwaldes“ mit. (S. 194–220.)

Eine andere poetische Bearbeitung desselben Stoffes von Anton Dietrich findet sich im Stuttg. Morgenblatt Nr. 123. Mai 1822.


  1. Herzog Wilhelm, der sich mit seinem Bruder Johann Ernst in der Schlacht bei Prag (1620) tapfer hervorgethan und (1621) dem Grafen von Mansfeld 3000 Fußgänger und 600 Reiter (unter diesen seinen jüngsten Bruder Bernhard als Rittmeister) zugeführt hatte.
  2. Pforzheim.