Triumphzug kindlicher Liebe

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: L. H. B.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Triumphzug kindlicher Liebe
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 395–397
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Karlsruhe
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[395]
Triumphzug kindlicher Liebe.

Im dreißigjährigen Krieg, als unser armes Teutschland von der Nordsee bis an die Donau, vom Rhein bis an den Böhmerwald blutig zerfleischt und schrecklich verheert wurde, und der eine Theil für Luther und des Evangeliums Predigt, der andere für den Papst und die Messe, mit heißem Eifer kämpfte und Gut und Blut opferte, und die Kriegsschaaren, zu jeder Zeit schrecklich, aber damals ganz zügellos und verwildert, auf beiden Seiten unerhörte Greuel verübten, geschah es, daß nach der Nördlinger Schlacht Anno 1635, wo die Schweden und die Evangelischen geschlagen wurden, in Würtemberg und Baden-Durlach, zuerst die Fürsten, dann auch die Unterthanen die Flucht ergriffen, meistens nach Straßburg und auf die andere Rheinseite. Eine gut evangelische Stadt war Pforzheim, der Geburtsort Reuchlins, der zuerst ein helles Licht [396] in Teutschland angezündet hatte, und der Ort der Schule und Bildung Melanchton’s von Bretten, des gelehrten und sanften Freundes Luther’s, des Lehrers Teutschlands, der auch von den Katholischen hochgeachtet wird. Dort floh auch Alles, besonders als man hörte, wie in Schwaben und im Würtembergischen es manchen Städten gegangen war; wie dort die Kroaten und Panduren und Spanier gehaust, Alles geplündert, gebrannt und alle Greuel verübt hatten, auch in solchen Orten, die sich mit Accord übergeben. Da dachte auch Markgraf Ernst Friedrichs wohlbestallter Amtskeller zu Pforzheim, Herr Maler, sich mit einigen wichtigen Schriften seines Fürsten auf die Rheinseite zu retten. Seine alte Mutter aber frug er, ob sie nicht bleiben und das Haus bewahren wolle, so viel möglich; vor ihrem Alter, hoffte er, würden auch die rohen Soldaten Ehrfurcht haben. Sie aber erschrack ob dieser Zumuthung und flehte ihren Sohn dringend an, ihr hülflos Alter nicht der blinden Wuth erbitterter Feinde ihres Glaubens preis zu geben. Nun suchte der Amtskeller Pferde herbeizuschaffen, aber in der ganzen Stadt und Gegend war kein Zugvieh aufzutreiben. Da lud er seine wichtigsten Schriften auf ein kleines Wägelein, auf dem man auch sonst schon in der Stadt Akten und andere Sachen hin und her gefahren hatte, setzte seine alte Mutter auch darauf, und er und seine Geschwister spannten sich davor und zogen die gute Mutter fort an den Rhein, wo sie ein Schiff fanden, und drüben weiter zogen bis nach Landau. Wo sie durchkamen und noch Einwohner antrafen, betrachtete man den frommen Zug mit Bewunderung und Rührung, und so nahm man ihn auch in Landau auf; wer es sah, wer es hörte, Katholische wie Evangelische, prieß als vom Himmel gesegnet solche Kinder, prieß glücklich, wenn sie auch sonst Alles verloren, eine solche Mutter. Ihr Segen, der Segen der geretteten frommen Mutter, ruhte auf diesen edeln Kindern, und ruht auf ihrem noch in unserm Tagen blühenden Geschlecht.

L. H. B.

Diese rührende Sage hat Sach’s in seiner „Geschichte der Markgrafschaft Baden“ (Bd. 4. S. 543) aufbewahrt. Siehe auch J. Bader’s [397] „Badische Landesgeschichte“ S. 518. – Kaspar Maler, Badischer Amtskeller und Landschaftsschreiber, lebte von 1580–1648.

Eduard Brauer, in seinen „Sagen und Geschichten der Stadt Baden und Umgegend etc.“ (Seite 148) hat diese Kindesliebe poetisch gefeiert.