Die Phaethonsage bei Hesiod

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Textdaten
Autor: Carl Robert
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Titel: Die Phaethonsage bei Hesiod
Untertitel:
aus: Hermes. Zeitschrift für classische Philologie, Band 18, S. 434–441
Herausgeber: Georg Kaibel, Carl Robert
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Erscheinungsdatum: 1883
Verlag: Weidmannsche Buchhandlung
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Erscheinungsort: Berlin
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[434]

DIE PHAETHONSAGE BEI HESIOD.
(Vgl. oben S. 428.)

Die in Hygins Fabeln 152 und 154 unter Hesiods Namen erhaltene Fassung der Phaethonsage pflegt meist ziemlich geringschätzig behandelt werden. Wenn man den Namen Hesiod überhaupt gelten lässt[1], weist man dem Bruchstück in der hesiodeischen Astronomie seinen Platz an und rückt diese in alexandrinische Zeit herab. Gegen letztere Annahme hat schon Bergk Griech. Litteraturgeschichte S. 1010 Stellung genommen; anderes habe ich Eratosthen. rel. p. 240 vorgebracht. In die hesiodeische Astronomie hätte man das Stück aber um so weniger setzen sollen, als in demselben überhaupt kein καταστερισμός, nicht einmal der des Eridanos, erwähnt wird.[2]

[435] Die Erkenntniss des wahren Sachverhaltes war allerdings durch die verwirrte und interpolirte Ueberlieferung der Hyginischen Fabeln wesentlich erschwert. Ich glaube nun an anderer Stelle[3] aus den Germanicusscholien des Strozzianus den Nachweis erbracht zu haben, dass die 152. und 154. Fabel des Hygin ursprünglich eine Erzählung bildeten und dass in der Fassung des Frisingensis der Schluss von 152 wie der Anfang von 154 einem Interpolator zuzuschreiben sind. Danach lautet die meiner Ansicht nach ursprüngliche Fassung der Fabel, wie a. a. O. näher ausgeführt, folgendermassen:

Phaethon Hesiodi.

Phaethon Solis et Clymenes filius cum clam patris currum conscendisset et altius a terra esset elatus, hinc timore decidit in flumen Eridanum.[4] hunc Iupiter cum fulmine percussisset, omnia ardere coeperunt. Iovis ut extingueret[5], amnes undique irrigavit; omneque genus mortalium interiit praeter Pyrrham et Deucalionem. at sorores Phaethontis, quod equos iniussu patris iunxerant[6], in arbores populos commutatae sunt. harum lacrimae (ut Hesiodus indicat[7]) [436] in electrum sunt duratae: Heliades tamen nominantur. sunt autem Merope Helie Aegle Lampetie Phoebe Aetherie Dioxippe. Cygnus autem rex Liguriae, qui fuit Phaethonti propinquus, dum deflet propinquum in cygnum conversus est. Is quoque moriens flebile canit. Wenn der Scholiast des Germanicus sein Excerpt mit den Worten beginnt: Hesiodus autem dicit inter astra collocatum esse (scil. Eridanum) propter Phaethontem Solis et Clymenes filium etc., so zeigt die Vergleichung mit dem Hyginischen Original, dass der hier dem Hesiod zugeschriebene καταστερισμός lediglich auf einer Ungenauigkeit des Scholiasten beruht, der die Fabel unter Eridanos erzählt.

Hygin nimmt auch in der Astrologie II 42 (Eratosth. p. 195) auf dieselbe hesiodeische Fassung Bezug: de quo (scil. Phaethonte) complures dixerunt ut patris inscienter curru vectus incenderit terras; quo facto ab Iove fulmine percussus in Eridanum deciderit, Worte die in seiner Quelle Eratosthenes fehlen.

Hygin bezeichnet also ausdrücklich den Hesiod als seine Quelle für die ganze Fabel, nicht etwa bloss für einen einzelnen Zug derselben, und wir haben zunächst keinen Grund diese Angabe zu bezweifeln.[8] Nur das kann zweifelhaft sein, ob auch die Kyknossage schon bei Hesiod stand oder von Hygin oder seiner griechischen [437] Vorlage aus einer andern Quelle hinzugesetzt ist, etwa aus Phanokles.[9]

Eine gewichtige Bestätigung des hesiodeischen Ursprungs dieser Sagenversion habe ich früher (Eratosth. p. 214) in den Worten des Eustathius ad Od. λ 325 p. 1689, 4 zu finden geglaubt. Ἡσίοδος δέ φησι προμιγῆναι αὐτὴν (τὴν Κλυμένην) Ἡλίῳ καί τεχεῖν Φαέθοντα. Nun lautet aber das dem Eustathius zu Grunde liegende Odysseescholion: Κλυμένη Μινύου τοῦ Ποσειδῶνος καὶ Εὐρυανάσσης τῆς Ὑπέρφαντος γαμηθεῖσα Φυλάκῳ τῷ Δηϊόνος Ἴφικλον τίκτει ποδώκη παῖδα· τοῦτον λέγεται διὰ τὴν τῶν ποδῶν ἀρετὴν συναμιλλᾶσθαι τοῖς ἀνέμοις ἐπί τε τῶν ἀσταχύων διέρχεσθαι καὶ διὰ τὰν τάχους τὴν κουφότητα μὴ περικλᾶν τοὺς ἀθέρας. ἔνιοι δὲ αὐτὴν τὴν Κλυμένην προγαμηθῆναί φασιν Ἡλίῳ, ἐξ ἧς Φαέθων ἐγένετο παῖς. ἡ δὲ ἱστορία πάρα Ἡσιόδῳ. Danach kann es bei der laxen Citirweise der Scholien allerdings zweifelhaft erscheinen, ob sich das Hesiodcitat auf Phaethon oder auf Iphiklos beziehen soll; denn die Schilderung von der Schnelligkeit des letzteren ist unverkennbar die Paraphrase des bei Eustathios zu Β 695 ρ. 323 erhaltenen Hesiodfragmentes (137 Markscheffel); auch wird man die Identificirung der Mutter des Phaethon mit der Minyastochter schwerlich dem Hesiod, sondern nur einem späteren Mythographen zutrauen dürfen. Wenn somit die Beweiskraft dieses Zeugnisses sehr zweifelhaft geworden ist, so giebt es doch sonst Anhaltspunkte genug, um die Richtigkeit der Hyginischen Quellenangabe zu erhärten. Zunächst aber gilt es die charakteristischen Züge dieser Erzählung gegenüber der euripideischen und alexandrinischen Version festzustellen.

Eigenthümlich ist zunächst, dass Phaethon ohne Wissen und gegen den Willen seines Vaters den Sonnenwagen besteigt, wobei ihm seine Schwestern behilflich sind. Weiter, dass der Sturz in den Eridanos also im Westen, nicht im Osten, wie bei Euripides, erfolgt. Diesen Zug hat freilich auch der alexandrinische Dichter, aber bei ihm wie bei Euripides ist es der Blitzstrahl des Zeus, der den Phaethon von dem Sonnenwagen herunterstürzt, während er bei Hesiod prae timore decidit in flumen Eridanum; d. h. offenbar nachdem er den Zenith erreicht hat und nun die abschüssige Bahn herunterfahren soll, die ultima prona via, die der ovidische Helios selbst zu fürchten versichert, fasst ihn Furcht und Schwindel, [438] und er stürzt hinab. Erst jetzt nach erfolgtem Sturze tödtet ihn Zeus mit dem Blitz, und auch seine Helferinnen, die Heliaden, trifft die Strafe des Weltherrschers; sie werden in Schwarzpappeln verwandelt. Aber die blitzgetroffene Leiche des Phaethon steckt das Weltall in Brand; da sendet Zeus um zu löschen die deukalionische Flut.

Wenn nun Plato Timaeus 22 C von dem Mythos spricht, ὥς ποτε Φαέθων Ἡλίου παῖς τὸ τοῦ πατρὸς ἅρμα ζεύξας διὰ τὸ μὴ δυνατὸν εἶναι κατὰ τὴν τοῦ πατρὸς ὁδὸν ἐλαύνειν τά τ᾽ἐπὶ γῆς ξυνέκαυσε καὶ αὐτὸς κεραυνωθεὶς διεφθάρη, so kennt und befolgt er, wie namentlich die gesperrt gedruckten Worte zeigen, die von Hygin als hesiodeisch bezeichnete Version. Und wenn die Scholien bemerken ὅτι κατὰ τοὺς αὐτοὺς χρόνους γενέσθαι φασὶ τόν τε πρὸς Θεσσαλίαν καὶ τοὺς ἐκείνῃ τόπους κατακλυσμὸν καὶ τὴν ἐν Αἰθιοπίᾳ ὑπὸ τὸν Φαέθοντος ἐκπύρωσιν, so stimmt auch dieser Synchronismus mit Hygin überein. Auch die Mittheilung des Aristoteles Meteorol. I 8 p. 345 a 13, dass einige Pythagoreer die Milchstrasse erklärt hätten als ὁδὸν τῶν ἐκπεσόντων τινὸς ἄστρων κατὰ τὴν λεγομένην ἐπὶ Φαέθοντος φθορὰν setzt gleichfalls den durch Phaethon verursachten Weltbrand als allbekannten Mythos voraus.

Wenn nun diese im vierten Jahrhundert allbekannten und doch dem Euripides fremden Motive in einer dem Hesiod zugeschriebenen Erzählung sich vorfinden, so sind wir durch nichts berechtigt, der Angabe Hygins noch länger den Glauben zu versagen. Und da das erste Buch des Katalogs die Geschichte von Deukalion und Pyrrha enthielt (Schol. Apoll. III 1086), erscheint hierdurch auch die Stelle der Phaethonepisode mit grosser Wahrscheinlichkeit bestimmt. Auch über Klymene lässt sich einiges ermitteln. Als Okeanine wird sie in der Theogonie 351 erwähnt; und ebenda 508 ist sie die Gemahlin des Iapetos. Nach den Scholien zur Odyssee Κ 2 war sie hingegen nach der verbreitetsten Version die Gemahlin des Prometheus und Mutter des Deukalion, also ein in der Urgenealogie des Menschengeschlechtes gern verwandter Name. Wenn Hesiod die Mutter des Deukalion mit sehr durchsichtiger Erfindung Pronoe[10] nennt, so that er es vielleicht aus dem Grunde, weil er [439] Klymene schon als Name für die Phaethonmutter verbraucht hatte, und Phaethon und Deukalion nicht zu Brüdern machen wollte.

Dieselbe Situation, wie in dieser hesiodeischen Fabel, bildet nun, wie Wieseler Phaethon S. 7 Anm. 1 gesehen hat, die Voraussetzung für folgende Antithese des Plutarch de tranqu. animi p. 466 Ε καὶ Σωκράτης μὲν ἐν δεσμωτηρίῳ φιλοσοφῶν διελέγετο τοῖς ἑταίροις· ὁ δὲ Φαέθων ἀναβὰς εἰς τὸν οὐρανὸν ἔkλαιεν, εἰ μηδε+iς αὐτῷ τοὺς τοῦ πατρὸς ἵππους καὶ τὰ ἅρματα παραδίδωσιν. Der Ausdruck lässt vermuthen, dass an der Dichterstelle, auf welche Plutarch anspielt, Phaethon seinem vorwitzigen Verlangen in heftigen Reden Luft gemacht hat; zur Noth wäre das auch für den Katalog denkbar, weit wahrscheinlicher aber ist der Gedanke an ein Drama; und hier bieten sich ungesucht die Heliaden des Aeschylos. Die Heliaden sind es denn auch, die sich durch die Bitten und das Drängen ihres Bruders bethören lassen ihm den Sonnenwagen anzuspannen und später zur Strafe dafür in Schwarzpappeln verwandelt werden. Aeschylos soll auch der erste gewesen sein, der von den Bernsteinthränen der Heliaden erzählt hat. So behauptet wenigstens Plinius 37, 11 Phaethontis fulmine icti sorores luctu mutatas in arbores populos lacrimis omnibus annis fundere iuxta Eridanum amnem … plurimi poetae dixere primique ut arbitror Aeschylos Philoxenus Euripides Satyrus Nicander. Es hängt von dem Grade der Gelehrtheit und Genauigkeit des hier von Plinius ausgeschriebenen Autors ab, ob man aus dem Fehlen des Hesiod in dieser Liste etwas schliessen kann. Leider fehlt uns dafür jeder Maasstab. Bei Hygin werden die Elektronthränen erwähnt; aber das könnte Zusatz des Mythographen sein. Denn wenn gerade in diesem Satz der Name des Hesiod erscheint, so kommt das auf Kosten des Interpolators, wie oben gezeigt. Es lässt sich also nach meinem Dafürhalten bei dieser Lage der Sache schlechterdings nicht entscheiden, ob die Bernsteinthränen in der griechischen Litteratur zuerst bei Aischylos oder schon bei Hesiod erwähnt waren.

Auch bei Euripides ist der Einfluss dieser hesiodeischen Version unverkennbar. Zunächst ist die Okeanine Klymene daraus entlehnt, die bisher nicht viel mehr als ein blosser Name in diesem Drama in den Brennpunkt des Conflicts gestellt wird. Und wie bei Hesiod der glimmende Leichnam des Phaethon die Welt, so steckt er bei Euripides die Schatzkammer des Merops in Brand. [440] Auch die alexandrinische Version und ihre verschiedenen Brechungen in späterer Zeit lehnen sich unverkennbar an Hesiod an. Vor allem haben sie daher den Weltbrand, trennen jedoch die deukalionische Fluth davon ab. Wenn Ovid Met. II 309 von Zeus sagt, dass er

neque quas posset terris inducere nubes
tunc habuit nec quos caelo demitteret imbres,

so sieht das ganz wie Polemik gegen die poetische von Hesiod abhängige Tradition aus. In dem ersten Theil der Erzählung steht dem Hesiod besonders nahe Nonnos XXXVIII 107 f., bei dem Klymene die rechtmässige Gemahlin des Helios ist und Phaethon in der Sonnenburg aufwächst. Doch würde es mich zu weit führen die spätere Entwickelung der Phaethonsage hier zu verfolgen.

Die von uns für Hesiod in Anspruch genommene Sagenform, die älteste, die wir überhaupt nachzuweisen im Stande sind, hat in der dichterischen Behandlung offenbar nur sehr unbedeutende Zusätze und Veränderungen erfahren; der Rohstoff des Mythos lässt sich mit leichter Mühe herausschälen, und dessen Bedeutung ist diesmal durchsichtiger und leichter festzustellen als bei den meisten hellenischen Mythen. Schon Schwenck Etymologisch-mythologische Andeutungen S. 361 meinte, das Märchen von Phaethon scheine seinen Ursprung einer bildlichen Darstellung des Sonnenunterganges zu verdanken. Noch entschiedener erklärt C. Most de Hippolyto p. 9 der Mythos sei eine natursymbolische Einkleidung des Sonnenunterganges, eine Deutung, die Wieseler (bei Ersch und Gruber unt. Phaethon III 21 S. 389) mit Recht sehr beachtenswerth findet ohne sie jedoch weiter zu verfolgen. Wenn, wie fast allgemein und mit Recht angenommen wird, Phaethon ursprünglich Helios selbst ist (Ἡέλιος φαέθων Λ 735), so ergiebt sich die Deutung auf den Sonnenuntergang eigentlich von selbst; allabendlich stürzt der Sonnengott im Westen nieder und allabendlich erglänzen das Firmament und die Berge in rother Gluth, als sollte die Welt in Flammen aufgehen.[11] Es brauchte nun bloss dieser regelmässig wiederkehrende Vorgang als einmaliges Ereigniss aufgefasst und der Sonnengott Helios Phaethon zu dem Heros, dem Sonnenkind Phaethon, hypostasirt zu werden, und der Mythos war fertig. Alles andere, die ursprünglich [441] natürlich ganz schattenhafte Okeanostochter Klymene, die Heliaden u. s. w. sind freie poetische Zuthaten. Am merkwürdigsten ist der Synchronismus mit der deukalionischen Flut; und diese kehrt, seltsam genug, in der epirotischen Gründungssage wieder, nach welcher Phaethon der König der Thesproter und Molosser, natürlich ursprünglich gleichfalls der Sonnengott selbst, sich nach dem Kataklysmos in Epirus ansiedelt (Plut. Pyrrh. 1). Auch die Eretrieer nennen als Vater ihres Heros eponymos Eretrieus einen Titanen Phaethon, zweifellos wieder den Sonnengott.

Ueber die zweite im Anhang der Theogonie erhaltene Sagenform von dem Eossohne Phaethon und seinem Raub durch Aphrodite habe ich wenig hinzuzufügen. Aus Eratosthenes catast. p. 197, scheint allerdings die Identität mit Phosphoros zu folgen und damit die Deutung auf den Morgenstern gesichert zu sein. Besässen wir dies Zeugniss nicht oder wollte man sich entschliessen, darin eine spätere Umbildung oder Missdeutung des ursprünglichen Sinnes dieses Mythos zu sehen, so würde ich zunächst keinen Grund sehen den Phaethon hier anders aufzufassen, als in dem Mythos vom Sonnenwagen. Als Sohn der Morgenröthe kann die Sonne ebenso gut gelten, wie der Morgenstern. Man denke nur an den Eossohn Emathion. In diesem Falle würde die Sage vom Raub des Phaethon durch Aphrodite nach Korinth weisen, wo beide Götter neben einander verehrt werden. Schliesslich möchte ich noch auf die merkwürdige Genealogie bei Apollodor III 14, 3 aufmerksam machen; wo Phaethon der Enkel der Eos und des Kephalos und der Ahnherr des kyprischen Aphroditepriesters Kinyras ist. In dieser aus einer Atthis stammenden Stelle ist offenbar Phaethon, wie sonst Teukros, dazu benutzt, um die Verbindung Athens mit Kypros mythisch zu begründen.

Berlin.

C. ROBERT.



  1. Mor. Schmidt schreibt Phaethon, Heliades, wovon schon die Vergleichung mit den scholia Strozziana des Germanicus hätte abhalten sollen.
  2. Markscheffel Hesiodi fragmenta p. 356. Wieseler Phaethon S. 1 u. A.
  3. Eratosthenis cataster. rel. p. 214.
  4. Hier etwa muss ursprünglich die Notiz gestanden haben, dass Pherekydes den Eridanos für den Po erklärt habe; etwa in dieser Fassung qui amnis a Graecis Eridanus dicitur, quem Pherecydes primus vocavit. Im Frisingensis ist die Stelle in den interpolirten Anfang von fab. 154 hineingearbeitet. Dass sie aber aus der echten Hyginischen Fassung stammt, darf mit Bestimmtheit aus den Worten des Strozzianus gefolgert werden: ab Arato vel Pherecyde Eridanus, qui et Padus esse putatur, während in der griechischen Vorlage nur steht: καλείται δε χατα μεν τον Άρατον 'Ηριδανός. Dass der Verfasser der Strozzianischen Scholien dem Pherekydes auch die Kenntniss und Deutung des Sternbildes Eridanos zuschreibt ist eine seiner gewöhnlichen Flüchtigkeiten. Zusätze dieser Art sind ja in den νποθέσες ganz gewöhnlich. Das aber darf wohl mit Sicherheit aus dieser Notiz gefolgert werden, dass bei Hesiod Eridanos noch der mythische Fluss im fernsten Westen, und nicht der Po war.
  5. So etwa stand statt des ungeheuerlichen Berichtes des Interpolators ut omne genus mortalium cum causa interficeret, simulavit se id velle extinguere. Veranlasst mag die Interpolation dadurch gewesen sein, dass das Auge eines Schreibers auf die Worte omneque genus mortalium im Folgenden abirrte.
  6. Diesen Causalsatz, den ich a. a. O. p. 217 dem Interpolator zuschreiben zu müssen glaubte, halte ich jetzt für ursprünglich. Der Name Dioxippe weist direct auf Verbindung mit den Sonnenrossen hin, die ich früher leugnete.
  7. Mit diesen Worten kehrt der Interpolator zu seiner Vorlage zurück und nennt daher den Autor; über dies Verfahren s. Eratosthen. cat. rel. p. 15.
  8. Ueberhaupt halte ich die Citate in den fabulae für zuverlässig bis auf die Ueberschrift der Antiopefabel 8 Eadem Euripidis quam scribit Ennius. Mit dieser aber hat es seine eigene Bewandtniss. Der euripideische Ursprung trifft für fab. 8 oder vielmehr für fab. 7 + 8 zu; denn auch hier wieder scheint der Ueberarbeiter aus einer Erzählung zwei gemacht zu haben. Auffallend ist nur die Erwähnung des Ennius; einmal weil der wirkliche Hygin, wenigstens meiner Ueberzeugung nach, die römische Litteratur überhaupt nicht berücksichtigt und dann weil notorisch eine Verwechselung von Ennius mit Pacuvius vorliegt. Ich glaube nun den Ursprung und die Quelle dieser Ueberschrift nachweisen zu können. Es ist die Randnotiz eines Lesers und stammt aus flüchtiger Lectüre von Cic. de fin. I 4 quis enim tam inimicus paene nomini Romano est, qui Ennii Medeam aut Antiopam Pacuvii spernat aut reiciat quod se isdem Euripidis fabulis delectari dicat? Jener Leser bezog Ennii auch auf Antiopam, sei es, dass er Pacuvii bei der Eile des Lesens oder Nachschlagens übersah, sei es, dass das Wort in seinem Exemplar ausgefallen war. Diese Notiz an den Rand zu schreiben, konnte er sich aber doch nur in dem Falle veranlasst finden, wenn in seinem Hygintext ausdrücklich Euripides als Quelle genannt war; folglich muss fab. 8 ursprünglich die Ueberschrift Antiopa Euripidis (wie vorher Ino Euripidis) getragen haben, welche später durch die Randnotiz verdrängt worden ist.
  9. Wie vorher die Notiz aus Pherekydes; s. oben S. 435 Anm. 2.
  10. Schol. Od. κ 2 (fr. III Markscheffel) Δευκαλίων, έφ' οὗ ὁ κατακλυσμὸς γέγονε, Προμηθέως μὲν ἦν υἱός, μητρὸς δὲ, ὡς οἱ πλεῖστοι λέγουσι, Κλυμένης, ὡς δὲ Ἡσίοδος, Προνόης; die Handschriften Πρυλείης, die Verbesserung rührt von W. Dindorf her.
  11. Man beachte, dass auch in der von Wilamowitz oben S. 430 aus Diodor angeführten und auf Dionysios Skytobrachion zurückgehenden Erzählung die Titanen den Helios in den Eridanos stürzen.