Die Radeberger Bürgerwehr

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Autor: Friedrich Bernhard Störzner
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Titel: Die Radeberger Bürgerwehr
Untertitel:
aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 26–27
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
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Erscheinungsort: Leipzig
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7. Die Radeberger Bürgerwehr.
Zu denjenigen Städten unseres Vaterlandes, welche allezeit treu zum angestammten Fürstenhause gestanden haben, zählt auch Radeberg an der Westgrenze der sächsischen Lausitz. Bei ausgebrochenen Landesfehden leisteten die Bürger dem Landesherrn vortreffliche Dienste und verhalfen diesem zu manch glorreichem Siege. Aus Dankbarkeit erhob darum der Markgraf Friedrich der Streitbare für ihre treuen Dienste die Stadt Radeberg in aller Form an der Mittwoch nach Lätare des Jahres 1400 zu einem Weichbilde und zur Festung.
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Er verlieh den Bürgern ansehnliche Stadtgerechtigkeiten. Dazu gestattete der Markgraf den Bürgern, die Stadt mit Mauern, Gräben und Toren zu versehen, darin zu kaufen und zu verkaufen, Handel und Wandel zu treiben, und zu üben, zu brauen und zu backen, Wein, Meth und Bier auszuschenken, Handwerke und Innungen zu haben, und freien Salzschank im Umkreise einer Stunde zu besitzen. – Die Stadt machte natürlich von dieser landesherrlichen Gnade auch den bestmöglichen Gebrauch. Sie erhielt eine starke Umfassungsmauer und einen breiten Graben. Reste davon sind bei der Stadtkirche und dem früheren Obertore bis heute erhalten geblieben. –

Nach dem Jahre 1400 wurde Radeberg eine gar stattliche Festung, versehen mit Mauern, Gräben, Brücken und Türmen. Dazu waren die Bürger in den Waffen von Jugend auf geübt. Militärische Übungen wurden fast täglich abgehalten, und alsbald entstand die sogenannte Bürgerwehr, eine militärische Vereinigung der Bürger. Jeder junge Bürger und Meister ward in damaliger Zeit angehalten, eine Hellebarde in die Rüstkammer des Rathauses zu liefern. Bei etwaigen Kriegsunruhen wurden den wehrhaften Bürgern aus dieser Rüstkammer die Waffen geliefert. Ein verpflichteter Rüstmeister oder Harnischmeister hatte die Aufsicht über die Rüstkammer, in der alle Waffengattungen aufbewahrt wurden. Gewöhnlich verwaltete der Rüstmeister, einer der angesehensten Bürger der Stadt, gleichzeitig das Amt eines Armbrustmachers, Werk- und Zeugmeisters.

Jeder Hauseigentümer war verpflichtet, eine völlige Bürgerrüstung in tauglichem Zustande zu halten. Diese Rüstung der Bürgerwehr bestand aus einer eisernen Sturmhaube, aus einem Brustharnisch, aus Arm- und Beinschienen, dazu aus den üblichen Waffen: Streitaxt, Streitkolben, Spieß, Flamberg, Armbrust. Diese genannten Ausrüstungsgegenstände bildeten das Heergeräte. Dasselbe erbte der jedesmalige Eigentümer des Hauses oder der nächste „Schwertmagen“, d. h. der nächste Anverwandte männlicher Linie. In späteren Zeiten wurde das Heergeräte unter die Söhne des Erblassers durch das Los verteilt.

Jede Abteilung der Bürgerwehr besaß ein eigenes Panier und wurde von einem Ratsherrn befehligt. Zu wiederholten Malen hat sich die Radeberger [27] Bürgerwehr rühmlichst hervorgetan, so auch in der Fehde zwischen dem Bischof Johann IX. von Haugwitz und den Erben des Bischofs Niklas II. von Carlowitz. Diese Fehde wurde von vielen als der Saukrieg bezeichnet, weil die Partei des Carlowitz dem Bischofe bei Wurzen nicht weniger als 700 Schweine wegnahm. Der damalige Kurfürst Vater August war über diese eigenmächtige Fehde nicht wenig entrüstet. Deshalb gab er der Bürgerwehr zu Dresden den Befehl, die Bergfestung Stolpen, wo sich der Bischof Johann IX. für gewöhnlich aufhielt, zu besetzen und den Bischof gefangen zu nehmen. Als die Dresdner anrückten, gesellte sich zu ihnen eine Abteilung der Radeberger Bürgerwehr, die nun gemeinschaftlich gegen die Bergfestung Stolpen zogen und hier Weihnachten 1558 ihren siegreichen Einzug hielten.

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Alt-Radeberg: Der Marktplatz um 1840.

Der damalige Kurfürst Vater August versäumte keine Gelegenheit, die Radeberger Bürgerwehr auszuzeichnen. Als am 8. April 1575 der deutsche Kaiser Maximilian II. in Dresden auf Besuch beim Kurfürsten weilte, mußte ein Teil der Radeberger Bürgerwehr nach der Residenz kommen, um vor der Kaiserlichen Wohnung Wache zu stehen. Auch im Jahre 1608 wurden vom Kurfürsten Christian II. zwanzig bewaffnete Bürger von Radeberg „in voller Rüstung und vollem Waffenschmucke, allenthalben wohlgeputzt“ nach der „Festung Dresden“ beordert, und dieselben mußten dort während der Monate Mai und Juni Ehrendienste tun. Für die Ausrüstung und Beköstigung hatte der Stadtrat zu sorgen. Die Kosten betrugen 181 Schock und 53 Groschen. (1516 Mk. 20 Pf.) – Alljährlich wurden damals die waffentragenden Bürger Radebergs von dem Amtshauptmann von Stolpen einer peinlichen Musterung unterzogen. Dabei hielt man Schau über den Heerfahrtswagen, der mit Bürgerpferden regelmäßig bespannt war. – Die Radeberger Bürgerwehr hat Jahrhunderte hindurch in Ehren bestanden und sich jederzeit des Wohlwollens und der Hochachtung des jeweiligen Landesfürsten erfreut. Ihre Uranfänge greifen bis in die Zeit des Faustrechtes zurück.

Aus der Bürgerwehr ging mit der Zeit die jetzige Schützengilde hervor, die sich rühmen kann, zu den ältesten in unserem Vaterlande zu gehören.