Die Schedelsche Weltchronik (deutsch):156

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CLV verso:[Bearbeiten]

Das sechst alter

ERffurt die groß vnnd gedechtnußwirdig statt ein hawbt Thueringer lannds von den alten Erphesfurt genant hat einen hohen berg den man sant peters nennet. dann als von den zeitten theodosij des kaisers vnder archadio vnd honorio den kaisern die naygung des kaiserthumbs vrsprung het do haben die franckreichischen die verweser oder anwelt der roemer vomb rein gegen welschen landen wartz abgeworffen vnd sich einem aignen koenig vndertanig gemacht. Als die Thuering solchs vernamen do erweleten sie inen vomb andern tayl des Reyns gegen dem auffgang auß rat des koenigs zu franckreich Merwigum seinen freuend zu eim koenig. Derselb pawet ein burg auff demselben berg vnd ein geschloß bey erffurt das yetzo sant dionisien kirch ist. das der gemayn man Nerwißburg nennet. Nach diss koenigs absterben empfieng Bassinus in thueringen das reich. Dess weib darnach Hildericus der koenig zu franckreich ime vermehlet. Zu denselben zeitten stund das dorff schildinrode an dem ende do yetzo sant Andreßen kirch ist. So het in dem prueel bey dem wasserfluss Gera (der yetzo durch die statt vnd schier neben der halben stat hinfleueßt. von dess geprewchlichkeit die gantz statt gerainigt vnd fast geziert wirdt ein namhafftger wolberuembter muuelner sein durchfart. derselb muelner hieß erpff. so was ettwen bey seiner muel ein durchgang oder furt. Vnd als nw nach der gepurt christi .iiiic. iar zu den zeiten Clodouei des koenigs zu franckreich dise statt iren anfang gehabt hat do ist sie von des muelners namen vnd von dem furt Erphesfurt genannt worden. Dieweil darnach der edel Franckreichisch koenig Dagobertus regiret hat derselb auß der burg auff dem berg ein schoens closter sant benedicten ordens in sant peters ere (dannnenher es sant peters berg genant ist) gepawen. vnd auch sant Gangolfs kirchen begabet. Als aber nachfolgend der ertzbischof zu maintz bonifacius vnder pipino dem franckreichischen koenig thueringer land zum glawben bekeret het do pawet er der gloriwirdigen vnd alweg iunckfrawen marie kirchen vnd ordnet daselbst ein bischofthumb das alßpald dem stuol zu mayntz gewichen hat. Dise statt ligt in eim gar guoten fluor vnd fruchtpern erdpodein. der tregt ein krawt waydt genant. zu ferbung der tuecher fast dienstlich. Durch des felder fließen die gera vnd andere wasserfluess die die gegent fruchtperlich befeuechtigen. Darumb ist auch alda ein vberflueßige vihwayd. Dise statt ist nachfolgend nach dem tausentisten vnd sechßundsechtzigsten iar mit mawrn vmbfangen vnd mit thuernen bewaret worden. Vnd hat an wonungen. hewßern vnd hoefen der burger. vnd an gezierden der cloester vnd kirchen wunderperlich zuogenomen. Dise statt ist auch ein gewoenlicher stuol der thuering gewest. als die. die schier in dem mittel dess lands gelegen vnd an getraydt vnd andern nottuerftigen dingen vberflueßig ist. vnd nach dem dise gegent vnd statt der zehenden gefreyet was so hat sie derselben sachhalben vil widerwillens vnd angst von iren nahend geseßnen fuersten erlidden. vnnd sunderlich zu den zeitten kaiser heinrichs des dritten. Derselb pawet auff alle berg vnd hoehe in sachßen vnd thueringen große be-

CLVI recto:[Bearbeiten]

der werlt
Blat CLVI

festigung vnd geschloeßlein. vnnd leget darzu ein stewr auff. aber do die nit genuogsam waren do verhenget er das man auß den nahsten doerffern vnd feldern feyntlicher weiß angreiffen vnd die lewt allenthalben daselbst vmb wonende zu bewarung vnd befestigung der fuergenomen gepewe bezwingen solt. vnd auff das er an offenlicher wueetterey nit verlupft wuerde vnd sein vngueetigkeit in gestalt eins guoten bedecken moecht. so raytzet er den mayntzischen ertzbischof in alle weg das er die zehenden zu thueringen (als er vormals offt fuergenomen het) erfordern solt dar zu wolt er ime hilff vnd beystand thun vnd die widerspenigen mit koenigclichem gewalt dar zu zwingen. doch mit dem geding das er ime zu volziehung der fuergenomnen gepew einen teil solcher zehenden geben solt. dem nach berueeffet der bischoff ein versamlung gein Erphesfurt. daselbsthin komen auff den ernenten tag. der koenig. der ertzbischoff vnd bischoff herman von bamberg. vnd andere. die zu außtrag vnd entschyde der sachen berueeft waren. do stund der thuering hoffnung vnd zuuersyht allermaist in dem abbt zu fulden vnd zu hernelden die dann vil zehendperer kirchen vnd gueetter in thueringen hetten. vnd als dieselben zu raichung der zehenden offenlich angefordert warden do baten sie erstlich vmb gots willen den ertzbischoff das er das. das vor alter den cloestern gegeben worden wer vnuerruckt bleiben ließ. das dann auch der bebstlich stuol mit alten vnd newen schriften mermals bestettigt het. vnd auch sein vorfarn ertzbischoff zu maintz zeuerletzen nye fuergenomen hetten. Als aber der ertzbischoff von seinem fuernemen nit absteen wolt do berueffeten sich die thuering an den bebstlichen stuol. aber der koenig verbote es bey straff des leibs mit tod. Darnach entstund der sachsisch krieg vnd beschahe hinnach kein forderung einichs zehenden. do freweten sich die thuering das sie vrsach hetten gefunden das sie die gesetze inen von iren eltern gegeben mit ritterlicher hand beschirmeten. dess bekuemeret sich der koenig also hart dz er schier dz koenigreich mit dem leben verlorn het. In diser statt sind vil leichnam der heilligen durch hohberuembt mann bestattet. Nemlich der heilligen bischoff Adolarii Eobani Seueri vnd vincencie. den sie auch weyt kirchen vnd tempel gepawt haben. Nach der gepurt christi tausent .iiic. vnd in dem .xcii. iar hat die loeblich hoh schuol daselbst anfang gehabt. Von dannnenher yezuzeiten vil treffenlicher vnd hohgelerter mann der heilligen schrift. der rechten. der ertzney vnd philozophey gefloßen sind. Dise beruembt statt hat mermaln große beschedigung vnd farlichkeit durch prunst erlidden. Vnd sunderlich in dem iar christi tausent .iiiic. lxxii. an sant Gernasii tag ist dise statt mit fewr an der gloriwirdigen iunkfrawen marie vnd sant Seuers kirchen auff der kremer prugken amm ruoben marckt vnd vor den graden den also beschedigt worden das schier der dritteil durch prunst vergienge.