Die Schlank- und Stummelaffen

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Titel: Die Schlank- und Stummelaffen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 4, S. 124-127
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Die Schlank- und Stummelaffen.
Eine naturgeschichtliche Studie.
Von Dr. L. Heck.
Direktor des Zoologischen Gartens in Berlin.
Mit Originalzeichungen von W. Hubnert.
Die Gartenlaube (1892) b 124.jpg

Ich glaube, es kann jemand schon ein ausgesprochener Thierfreund und eifriger Besucher zoologischer Gärten sein, und er wird vielleicht doch nicht gleich wissen, mit welchen Affengestalten seiner Erinnerung er unsere Ueberschrift in Beziehung bringen soll; wer gar, von den Koryphäen Schimpanse und Orang-Utang abgesehen als Affen nur die Hanswurste und Raufbolde im Gedächtniß hat, die in dem großen Gesellschaftskäfig des Affenhauses ihr komisches Wesen treiben, dem werden die obigen Namen wahrscheinlich ganz neu sein. Sind ihre Träger doch selten genug in unseren zoologischen Gärten vertreten! Und wer schließlich in einem abgelegenen Einzelkäfig des Affenhauses auf eine in die Ecke gedrückte oder zwei aneinandergeschmiegte, schlanke, schmächtige Affengestalten mit langer Behaarung oder wenigstens eigenthümlichem Haarputz und Bartschmuck stößt, die ihn stilltraurig oder unruhig ängstlich anstarren, der wird sie kopfschüttelnd einige Augenblicke mustern, ohne recht zu wissen, was er daraus machen soll – wenn er sie nicht ganz übersieht. Es sind Angehörige der Gruppe, die ich hier näher schildern will: weniger in gewissen bekannten Formen ausgeprägte und noch weniger durch lustiges oder freches Wesen sich vor- und aufdrängende Erscheinungen, viel zurückhaltender, vornehmer als das gewöhnliche Affenvolk! Alter Affenadel, möchte man sagen, und man hätte in mehr als einer Beziehung recht.

Zunächst in des Wortes eigentlichster Bedeutung, weil wir in den Schlank- und Stummelaffen allem Anschein nach ein uraltes Affengeschlecht vor uns haben. Für die indischen Schlankaffen ist dies thatsächtich nachgewiesen: unzweiselhafte Vertreter dieser Gattung (Semnopithecus) lebten schon in der der useren vorangehenden großen Erdperiode, dem Tertiär.

Aber auch die Form des Schädels verleiht den Schlank- und Stummelaffen ein vornehmeres Gepräge. Er ist rundlich, der Schnauzentheil tritt gegen den Hirntheil nur wenig vor, und die Knochenkämme und -leisten, die insbesondere dem Schädel des alten Affenmännchens gewöhnlich etwas geradezu Raubthierartiges geben, sind kaum angedeutet. Dementsprechend ist auch das Gebiß verhältnißmäßig nur schwach ausgebildet, und zwar bei den Schlankaffen noch schwächer als bei den Stummelaffen. Das ganze Skelett beider Gruppen zeichnet sich überhaupt durch Schlankheit und Leichtigkeit der Formen aus, wovon ja die Schlankaffen ihren Namen haben. Derjenige der afrikanischen Stummelaffen knüpft an eine Besonderheit ihres Knochenbaues an, insofern bei ihnen der Daumen der Vorderhand äußerlich gar nicht oder nur als Stummel sichtbar ist; und obwohl auch bei den Schlankaffen schon der Vorderdaumen merklich in der Entwicklung hinter den anderen Fingern der Hand zurückbleibt, so hat man die vollständige Verkümmerung doch für wichtig genug gehalten, um neuerdings Schlank- und Stummelaffen von einander zu trennen. Dagegen finde ich nur in wenigen Beschreibungen und nur beiläufig eine Eigenthümlichkeit des Skelettes der Schlankaffen erwähnt, die mir bei Affen als Kletterthieren doppelt auffallend erscheint und in der That auch, bei den Affen der alten Welt wenigstens, sonst nicht wieder vorkommt. Die Schlankaffen haben nämlich merklich längere und stärkere Hinter- als Vorderbeine, die Entwicklung der Hinterglieder überwiegt entschieden die der vorderen, und das bringt natürlich auch charakteristische Abweichungen in der Haltung und Bewegung der Thiere mit sich, wie ich an meinen Pfleglingen täglich beobachten konnte. Die Schlankaffen laufen viel halb aufrecht auf den eingeknickten Hinterbeinen und machen aus dieser Stellung heraus ohne weiteres große Sprünge. Dabei haben sie trotz großer Gewandtheit etwas Hastig-Eckiges in ihrem Wesen, halten und bewegen sich überhaupt so durchaus eigenthümlich, daß jeder, der sie eingehender an lebenden Beispielen studiert hat, auf den ersten Blick imstande ist, zu unterscheiden, ob eine Abbildung nach dem Leben gefertigt ist, oder

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Guereza-Affen.

[126] ob nur einer gewöhnlichen Affenfigur einige spezielle Merkmale des Schlankaffen gewissermaßen äußerlich aufgesetzt sind. Im inneren Leibesbau haben schließlich Schlank- und Stummelaffen noch eine hochbedeutsame, in ihrer Art ganz einzig dastehende Eigenthümlichkeit gemein, nämlich einen zusammengesetzten, getheilten Magen, welcher an den der Wiederkäuer, noch mehr aber an den der Känguruhs erinnert, und es sollte dies meines Erachtens genügen, um beide Gruppen und alle ihre Mitglieder trotz sonstiger Unterschiede für immer als eng zusammengehörig zu erweisen. Diese eigenthümliche, für einen Affen ganz unerhörte Beschaffenheit des Magens läßt natürlich von vornherein auch auf eine besondere Art der Ernährung schließen, und zwar weist sie ganz unzweideutig darauf hin, daß die Schlankaffen sowohl als die Stummelaffen viel ausgeprägtere und ausschließlichere Pflanzenfresser oder genauer gesagt, Grünfresser sind als die übrigen Affen. Diese folgerichtige Annahme wird denn auch durch die Erfahrung an Gefangenen vollauf bestätigt. Unsere Vertreter der Stummelaffen, die Guerezas, ebenso wie die beiden Arten Schlankaffen, die ich bis jetzt gepflegt habe, fraßen regelmäßig, aber sehr wählerisch von dem Heu, das ihnen als Streu und Lager diente, und die Guerezas verspeisten insbesondere mit Leidenschaft täglich einige Köpfe grünen Salat zum Abendbrot, das sie stets begierig erwarteten.

In der äußeren Gesammterscheinung, die ja wesentlich durch die Ausbildung des Haarkleides bedingt wird, zeigen Schlank- und Stummelaffen gewisse durchgehende Eigenthümlichkeiten, die beide Gruppen unterscheiden. Während nämlich die indischen Schlankaffen im allgemeinen ein kurzes Fell besitzen und ihr Haarkleid gewöhnlich nur an einzelnen Stellen des Körpers in Gestalt von Kopfmähnen, Haarkronen, Backenbärten und Halskragen sich besonders entwickelt, zeichnen sich die afrikanischen Stummelaffen sämmtlich durch eine lange, reichliche Behaarung des ganzen Körpers aus, die oft durch schöne, auffallende Zeichnungen noch gehoben wird. Die feineren Verschiedenheiten der Behaarung, Färbung und Zeichnung dienen nun in beiden Gruppen zur Unterscheidung einer ansehnlichen Reihe von Arten, die indessen alle nacheinander in ausführlicher Beschreibung abzuhandeln wenig allgemeines Interesse bieten dürfte. Wir werden uns daher im wesentlichen auf die abgebildeten Arten beschränken.

Da sind zunächst die beiden einträchtig beisammensitzenden Kameraden auf dem unteren Theile unserer Titelvignette! Es ist der weißbärtige Schlankaffe (Semnopithecus leucoprymnus Desm.) von Ceylon, die einzige Art, die ziemlich regelmäßig eingeführt wird und daher auch nicht gerade selten in unseren Thiergärten zu sehen ist. Das harmlose, stille, sanfte Thier ist in seiner äußeren Erscheinung durch seinen Namen in der Hauptsache schon genügend gekennzeichnet: es hat einen weißen Backenbart aus wagrecht abstehenden, mit der Spitze nach vorn gekrümmten Haaren; auch der untere Theil des Rückens und der Schwanz sind grauweiß gefärbt; sonst ist es braunschwarz, der Oberkopf heller und länger behaart. Im Hafen von Colombo können die Seeleute den weißbärtigen Schlankaffen stets um ein Billiges haben, er muß also auf der Insel ganz gemein sein.

Im oberen Gezweige derselben Zeichnung bewegen sich einige Vertreter einer „berühmten“ Schlankaffenart, des Hulman oder heiligen Affen der Inder (Semnopithecus centellus Cuv.). Dieser Affe hat schon in grauer Vorzeit die größten Heldenthaten vollbracht. Ja er ist in der indischen Göttersage sozusagen Perseus und Prometheus in einer Person, indem er eine Göttin aus der Gefangenschaft eines Riesen befreit und diese Gelegenheit benutzt hat, um nebenbei den Menschen zwar nicht das Feuer, aber die in Indien hochgeschätzte Mangofrucht mitzubringen. Den Scheiterhaufen, auf dem er seinen tollkühnen Wagemuth büßen sollte, löschte er aus, und davon hat er heute noch ein schwarzverbranntes Gesicht und schwarze Hände. Im übrigen ist er weißgrau gefärbt; an Stirn, Wangen und Kinn trägt er längere, starr abstehende Haare, aus deren Umrahmung das runde, schwarze Gesichtchen mit lebhaftem, eigenthümlich drolligem Ausdruck hervorsteht.

Der fromme Hindu, der auch heute noch kaum ein Thier tötet, thut natürlich seinem inbrünstig verehrten Affenheiligen am allerwenigsten etwas zu Leide, sondern giebt ihm willig die Früchte seiner Gärten und Felder preis; ja, er läßt sich sogar von ihm im buchstäblichsten Sinne die eben bereitete Mahlzeit vor dem Munde wegnehmen. Durch die gläubige Einfalt des Menschen, welcher sie schon seit undenklicher Zeit in freudiger Demuth ganz nach Belieben schalten und walten läßt, sind nämlich die Hulman in ihrer Heimath so unglaublich dreist und unverschämt geworden, daß sie nicht bloß in die Gärten, sondern auch in die Häuser eindringen und hier stehlen, plündern und zerstören nach Herzenslust. In manchen Gegenden Indiens werden sie so zu einer förmlichen Landplage, und die englischen Behörden müssen zeitweise, damit die Affenschande nicht zu toll wird, mit Massenvernichtnngen gegen die geschwänzten Heiligen vorgehen zur Freude der abgeklärteren, vernünftigen Eingeborenen, aber natürlich zum Entsetzen der Frommen im Lande, die felsenfest überzeugt sind, daß der Ort, wo ein Affe fällt, für ewige Zeiten zur Unglücksstätte werde.

Neben Hulman und Weißbart mag hier noch eine weitere Schlankaffenart Erwähnung finden, weil sie durch eine auffallende Eigenthümlichkeit ausgezeichnet ist, die schon in ihrem Namen ausgesprochen liegt: ich meine den Nasenaffen. Durch kräftigeren, schwereren Körperbau nähert er sich mehr den Makaken, der hauptsächlichsten und zahlreichsten Affengruppe der indisch-chinesischen Region, die ja auch stets das Gros der Bevölkerung unserer Affenhäuser stellt.

Der Nasenaffe (Semnopithecus nasicus Cuv.) läßt in der äußeren Ausbildung seines Riechorgans nicht bloß alle Affen, sondern selbst die in dieser Beziehung am reichlichsten bedachten Menschen so weit hinter sich, daß er wegen dieses in der That ganz einzigen Merkmals neuerdings zu einer besonderen Gattung erhoben worden ist. Die „Gartenlaube“ hat übrigens früher (Jahrgang 1883, S. 240) schon eine Abbildung und Beschreibung von ihm gebracht, und ich kann mich deshalb hier um so kürzer fassen. So will ich denn nur noch einmal darauf hinweisen, daß der Nasenaffe auf der Insel Borneo lebt, und daß der absonderliche, längsgefurchte, hakenförmig bis über das Maul herab hängende und in der Mitte zollbreite Nasenschmuck, der wie ein Rüssel beweglich ist, nur dem alten Männchen zukommt, während bei Weibchen und Jungen an die Stelle des imponierenden Hakenriechers ein kleines, niedliches Stumpfnäschen tritt.

Schließlich will ich noch den Schopfschlankaffen (Semnopithecus comatus Desm.) nicht unerwähnt lassen, weil er durch die lange, reichliche Behaarung des ganzen, schwarzgrau gefärbten Körpers, auch der Unterseite und selbst der Außenflächen der Hände und Füße im äußeren Ansehen sich den Stummelaffen nähert. Auf dem Kopfe verlängert und erhebt sich das Haar noch ganz besonders zu einem langen, ziemlich starren Schopf oder besser gesagt Mähnenkamm, der sich bis auf den Hals fortsetzt. Als Standorte werden Hinterindien (Siam) und die großen Sundainseln (Sumatra und Java) angegeben.

Indem wir uns nun zu unserem großen Bilde wenden, gehen wir von den indischen Schlankaffen zu den afrikanischen Stummelaffen über: es stellt den „Stern“ dieser Gruppe dar, den Guereza (Colobus guereza Rüpp.). Dieser Affe gehört auch zu den „berühmten“ Thieren, und zwar zu denen, die in allen Fachwerken weitläufig und begeistert geschildert und schlecht und phantastisch abgebildet werden, die infolge dessen jeder Besitzer einer Naturgeschichte dem Namen nach kennt, aber niemand lebend gesehen hat. Wir thun der Wahrheit wohl keine Gewalt an, wenn wir als die ersten Guerezas, die lebend weiteren Kreisen bekannt wurden, die drei Stück bezeichnen, die im August 1890 in einer Droschke vor unserem Dienstgebäude im Berliner jZoologischen Garten vorfuhren. Sie haben auch zu der Zeichimng Kuhnerts Modell gesessen. Ein Grieche hatte sie von Massanah bis nach Berlin gebracht, aber nur der uneigennützigen Vermittlung von Menges, dem vielgereisten Thierhändler und bekannten Führer der Somali-Schaustellungen, ist es zu danken, daß wir schließlich handelseinig wurden. Ich zahlte doch noch ein ganz erkleckliches Sümmchen, und es hat mich nicht gereut.

Denn wenn auch heute keines der Thiere mehr am Leben ist, so hatte ich doch die Gelehrten, Künstler und Tierfreunde mit einem der merkwürdigsten und schönsten Affen bekannt gemacht und Gelegenheit gegeben, die ersten richtigen Abbildungen nach dem Leben anzufertigen. Einer genaueren Beschreibung der Farbenzeichnnng des Guerezas überhebt mich das Bild; ich will deshalb nur erwähnen, daß die Art und Weise, wie das Weiß gewissermaßen als Einfassung und Besatz der schwarzen Grundfarbe auftritt, etwas wechselt und danach wahrscheinlich verschiedene geographische Varietäten des weit nach Innerafrika hinein verbreiteten Thieres unterschieden werden können. Hans Meyer, der beharrliche Bezwinger des afrikanischen Bergriesen [127] Kilimandscharo, hat wenigstens in der dortigen Gegend stets nur die als var. candatus bezeichnete Form vorgefunden, bei der nicht bloß die Endquaste, sondern der ganze Schwanz weiß ist; unsere Exemplare gehören einer Abart an, die in der Monographie der Stummelaffen von Rocheprune als „occidentalis“ unterschieden wird. In diesem Spezialwerk ist noch eine ganze Anzahl Arten aus West- und Innerafrika abgebildet und beschrieben; manche, z. B. der Bärenstummelaffe (Colobus ursinus Waterh.), sehen ähnlich aus wie ein Guereza ohne Seitenmähne; andere, wie der Teufelsaffe (Colobus satanas Og.), sind ganz schwarz, wieder andere roth gezeichnet.

Von allen wissen und kennen wir außer den Bälgen und Schädeln kaum etwas; lebend kommen sie, wenn überhaupt, nur ganz ausnahmsweise einmal zu uns. So kehre ich denn um so lieber zum Guereza zurück, als er ohne Zweifel die schönste und interessanteste Art ist.

Das von mir erworbene Kleeblatt, alle drei junge, vielleicht halbwüchsige Bürschchen, zeichnete sich durch etwas Nettes, Anständiges in seinem Benehmen aus, und ähnliches hört man auch von den Beobachtern des Thieres in der Freiheit rühmen. Der Guereza gehört nicht zu den verhaßten Feldplünderern, und er wurde deshalb in Abessinien nur so lange einigermaßen verfolgt, als dort die kleinen runden Lederschilde gebräuchlich waren, die man mit seinem Felle zu zieren liebte. Seit mit der veränderten Bewaffnung auch diese Schilde abgekommen sind, wird er kaum noch behelligt und führt fern von den menschlichen Wohnungen ein friedliches Dasein. „Im Gallalande, woher Ihre Exemplare stammen,“ schreibt mir Menges, „lebt der Guereza in den dichten Wäldern, besonders in tiefen, feuchtwarmen Bergschluchten. Mit Vorliebe hält er sich auf den riesigen Sykomoren (wilde Feige) auf, deren Früchte seine Hauptnahrung bilden. Auch der 20 bis 25 Meter hohe abessinische Wachholder, der dort ganze Wälder bildet, wird viel von ihm besucht.“

Brehm preist auf Grund der übereinstimmenden Berichte, welche seit der Entdeckung des Guereza durch den Frankfurter Abessinienreisenden Rüppell erschienen sind, mit begeisterten Worten die Schönheit, Anmuth und Zierlichkeit der äußeren Erscheinung des Thieres und die Kühnheit und Gewandtheit seiner Bewegung, insbesondere seine kolossalen Sprünge, bei denen der Körper „wie von dem wallenden Mantel getragen“ erscheint. Hans Meyer schildert in Ergänzung dazu anschaulich das gemüthliche Stillleben der kleinen, vier- bis achtköpfigen Gesellschaften in der sicheren Höhe ihrer Baumwipfel und erwähnt dabei eine meines Wissens früher nicht beobachtete und sonst an Affen der alten Welt überhaupt nicht bekannte Gewohnheit, an der man schon von weitem die Anwesenheit einer Guerezabande erkennen kann: es ist dies ein eintöniges, singendes, abwechselnd anwachsendes und abnehmendes Summen, das von den müßig zusammensitzenden Familiengliedern ausgeht und allem Anschein nach der Ausdruck vollkommenen Wohlbehagens ist. Vielleicht ist das Fehlen dieses Wohlbehagens der Grund, warum ich dieses Summen von meinen Pfleglingen nie vernommen habe; sie verhielten sich für gewöhnlich ganz ruhig und pflegten nur ihren geliebten Salat mit einem eigenthümlichen, in der Klangfarbe zwischen dem Winseln der Kapuziner und dem Krähen der jungen Mandrills stehenden Geschrei zu begrüßen.

Damit wären wir am Ende unserer Betrachtungen über die beiden eigenthümlichen Affengeschlechter angekommen, die in unseren zoologischen Gärten durch lebhaftere, auffallendere – und wohlgemerkt in der Gefangenschaft haltbarere! – Genossen so ganz in den Hintergrund gedrängt werden. Was wir über ihren „alten Adel“, über ihre merkwürdigen Abstammungs- und Organisationsverhältnisse sagen konnten, wird aber hoffentlich genügend befunden, um sie einiger Aufmerksamkeit des thierfreundlichen Lesers würdig erscheinen zu lassen.