Die Teufels-Mühle

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Textdaten
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Autor: Johann Karl Christoph Nachtigal
unter dem Pseudonym Otmar
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Titel: Die Teufels-Mühle
Untertitel: Oertliche Volks-Sagen auf der Nord-Seite des Harzes
aus: Volcks-Sagen, S. 189-194
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1800
Verlag: Wilmans
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Erscheinungsort: Bremen
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
siehe auch Die Teufelsmühle
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Die Teufels-Mühle.

Der Gipfel des Rammberges, im Harzgebirge, der, eine Stunde, südwärts von Gernrode und dem Stuffenberg, und eben so weit westwärts von Ballenstedt, einer Stadt im Fürstenthum Anhalt-Bernburg, ohngefähr 2,000 Fuß über die Meeresfläche sich erhebt, bietet dem Wanderer einen überraschenden Anblick dar. Die ganze gerundete Kuppe des Berges ist mit großen Granitblöcken übersät, die theils über einander aufgethürmt, theils zerstreut umherliegen.

Besonders zeichnet sich eine Felsengruppe auf der höchsten Spitze des Berges aus. Hier liegen mehrere, ziemlich regelmäßige Schichten solcher Granitfelsen, von sehr beträchtlichem Umfang, über einander aufgehäuft, zum Theil wie durch die Kunst abgerundet und geebnet. Sie bilden eine Art von Piramide, welche ganz isolirt da steht, und sich auf dreißig Fuß über den flachen Berggipfel erhebt. Rings umher liegen Tausende von größern oder kleinern Granitblöcken zerstreut. Die Aussicht von dieser Felsenspitze, auf der seit der Mitte dieses Jahrhunderts ein Thurm erbaut ist, ist vielleicht einzig in Norddeutschland, indem sie beide Seiten des Harzes beherrscht.

Die Felsenmasse ist in der ganzen Gegend unter dem Namen der Teufelsmühle bekannt. Das Volk erzählt sich davon folgendes.


„Der Rammberg hat seinen Namen von dem Gott Ramm, den die alten Sachsen hier verehrten. Auf der Felsenspitze, die jetzt die Teufelsmühle heißt, stand einst sein Bild; und die Bewohner des schönsten und bevölkertsten Theils des Sachsenlandes konnten die Opferfeuer sehen, welche die Priester hier anzündeten. Aufsteigende Dampfsäulen verkündeten es den nahen und fernen Anwohnern des Harzes, wenn neue Opfer erwartet wurden. Dann strömten Ramms Verehrer aus dem ganzen Hartingau herzu, und freuten sich der wieder hell auflodernden Flamme.

Als Karl und Winfrid die deutschen Gözzenaltäre umstürzten, verloschen allmählig auch Ramms Feuer. Aber, statt seiner, trieb nun, einige Zeit lang, der Teufel sein Wesen auf dem unwirthbaren Gebirge.

Ein Müller hatte sich am Abhange des Rammberges eine Windmühle erbaut, der es aber von Zeit zu Zeit am Winde fehlte. Bald stieg in ihm der Wunsch auf, eine ganz freistehende Mühle auf dem höchsten Gipfel des Berges zu haben, die beständig im Gange bleiben mußte, der Wind kam vom Morgen oder vom Abend, vom Mittag oder Mitternacht. Schwierig aber schien ihm doch für Menschen die Erbauung einer großen Mühle auf einer solchen Höhe, noch schwieriger die Befestigung derselben bei den Stürmen, die gewöhnliches Machwerk wie Stoppeln wegführten.

Sein immer wiederkehrender Wunsch, und die Vorstellung der Unmöglichkeit der Befriedigung gestatteten ihm weder Tag noch Nacht Ruhe. Und – bald erschien der Teufel, und bot seine Dienste an. Nach langem Dingen und Bieten, verschrieb sich ihm der Müller nach einem dreißigjährigen Leben, zum Eigenthum; und der Böse versprach dagegen, ihm eine ganz tadelfreie Mühle von sechs Gängen, auf dem Gipfel des Rammberges zu erbauen, und zwar in der nächsten Nacht vor dem Hahnenschrei.

Der höllische Baumeister thürmte also die Felsen aufeinander, und baute eine Mühle sonder Gleichen. Bald nach Mitternacht holte er den Müller aus seinem Hause, am Abhang des Berges, um die neue Mühle zu prüfen und zu übernehmen. Unter lautem Herzpochen folgte ihm der Müller, und fand alles über seine Erwartung. Gern hätte er die Hälfte seines Lebens für die Entdeckung eines Fehlers gegeben. Aber – er fand alles in der besten Ordnung.

Schon wollte er zitternd die Mühle mit der schrecklichen Bedingung übernehmen, als er entdeckte, daß einer von den Steinen fehle, die dem Müller unentbehrlich sind. Der Baumeister läugnete lange diesen gerügten Fehler, muste ihn aber endlich eingestehen. Augenblicklich wollte er ihn ersetzen. Aber, als er jetzt durch die Lüfte herabschwebte mit dem Stein, siehe! da krähte der Hahn auf der untern Mühle.

Wütend über seinen verfehlten Zweck faßte der Teufel das Gebäude, riß Flügel und Räder und Wellen herab, und streute sie weit umher. Dann schleuderte er auch die Felsen, die er hoch bis an die Wolken aufgethürmt hatte, umher, daß sie den ganzen Rammberg überdeckten. Und nur ein kleiner Theil der Grundlage blieb stehen, zum ewigen Denkmal der Teufelsmühle.“