Die Teufelsmühle (Gottschalck)

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Textdaten
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Autor: Friedrich Gottschalck
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Titel: Die Teufelsmühle
Untertitel:
aus: Die Sagen und Volksmährchen der Deutschen, S. 304-310
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1814
Verlag: Hemmerde und Schwetschke
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Erscheinungsort: Halle
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
siehe auch Die Teufels-Mühle
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Die Teufelsmühle.

Im Bernburgischen Antheile des Harzes giebt es einen hohen Berg, der „Ramberg“ heißt, und drei Stunden von Ballenstedt entfernt ist. Auf seiner abgerundeten Oberfläche liegen Granit-Felsstücken von ungeheurer Größe in sonderbaren Gruppen auf einander gethürmt, und rings umher, auf tausend Schritte weit hinab, ist der Berg mit großen und kleinern Granitstücken übersäet. Wahrscheinlich bildeten sie vormals alle eine hohe Felsenpyramide, die bei einer Erschütterung, oder bei einer andern revoltirenden Begebenheit auf der Erde, einstürzte, und wodurch ihre Bestandtheile in solche unzählige Bruchstücke umhergeschleudert wurden. Jene Gruppe von Felsen führt den Namen: Teufelsmühle, zu dessen Erklärung das Volk sich folgendes Mährchen erzählt.

Am Fuße des Rambergs hatte ein Müller eine Windmühle. Lange schon stand sie da, war seit Jahrhunderten bei seiner Familie gewesen, immer vom Vater auf den Sohn fortgeerbt, hatte stets ihren Mann genährt, und ruhige genügsame Bewohner gehabt. Kaum aber war unser Müller Besitzer davon, als er hier und da Mängel und Fehler an ihr bemerkte. Besonders klagte er über den wenigen Wind, den er habe, und verfiel daher auf die Idee, auf die höchste Spitze des Rambergs eine neue Mühle zu erbauen. Aber wie dieß bewerkstelligen? – wie selbige gegen die heftigen Windstürme auf dieser Höhe sichern? wo den Baumeister dazu hernehmen?

Diese Hindernisse und die daraus fließende Folge, daß seine Idee nie ausgeführt werden könne, machten ihn äußerst verdrießlich. Ungeduldig wälzte er sich oft des Nachts auf seinem Lager herum, that jede Arbeit mit Mißvergnügen, und war Thor genug, nicht einzusehen, daß er nach der Erreichung seines Wunsches nicht zufriedener, als zuvor seyn werde.

Der gehörnte Schwarze, der sich damals weit mehr um alle Kleinigkeiten der Menschen bekümmerte, gegenwärtig aber dieses undankbare Geschäft den Menschen selbst überlassen hat, witterte nicht so bald die Wünsche des Windmüllers, als er ihm einst des Nachts erschien, und seine gehorsamen Dienste anbot.

Dem Müller kam das nun zwar ganz gelegen, allein die Bedingungen, welche der Böse ihm machte, seine Seele ihm dafür zu verschreiben, stand ihm gar nicht an. So gern er auch seinen Wunsch ausgeführt gesehen, so konnte er sich doch nicht gleich entschließen, den Accord einzugehen, und bat sich daher einige Tage Bedenkzeit aus.

Hatte der Müller vorher keine Ruhe gehabt, so hatte er sie nun noch weniger. Gedankenvoll ging er die Tage der Bedenkzeit um seine Wohnung herum, betrachtete sie überall genau, um zu untersuchen, ob er es nicht lieber beim Alten lassen solle, und war schon im Begriff, es zu thun, als eine zweitägige Windstille eintrat, die ihn außer Stand setzte, ein Korn zu mahlen. Dieser Umstand bestimmte ihn, dem Teufel den Bau zu einer neuen Mühle zu überlassen, und sich ihm dafür mit Leib und Seele zu verschreiben. Der Böse kam zur bestimmten Zeit wieder. Der Müller verschrieb sich ihm mit seinem Blute zum Eigenthum, und erhielt dagegen die Versicherung, daß er noch dreißig Jahre leben solle, und daß er ihm eine ganz tadellose Mühle von sechs Gängen auf die Spitze des Rambergs, und zwar in der darauf folgenden Nacht schon, noch vor dem ersten Hahnengeschrei, erbauen wolle.

Kaum senkten sich die Schatten nieder, als der höllische Baumeister sein Werk begann. Er thürmte Felsen auf Felsen, die ihm seine Helfershelfer vom Brocken herüber warfen, und siehe – die Mühle stand in wenigen Viertelstunden da. Groß und dauerhaft war das Werk, für eine Ewigkeit fest genug. Da ging er zum Müller hinab, um ihn hinzuführen, das Werk zu zeigen, und es seiner Prüfung zu unterwerfen. Zitternd und von Angst erfüllt, folgte ihm dieser. Es war eine finstere Sommernacht; die Winde sausten in den Wipfeln der hohen Eichen und Tannen, den Himmel überzogen schwarze Regenwolken, Blitze durchleuchteten die dunkeln Wassermassen, doppelt und dreifach krachte der Donner in den tiefen Thälern, die Erde bebte, und unserm Müller das Herz. Gern wäre er umgekehrt, gern mit dem väterlichen Erbe jetzt zufrieden gewesen, allein zu spät war seine Reue. Nur die Hoffnung stärkte ihn, irgend einen Fehler an dem Bau zu entdecken. Aber wie erstarrte er, als eine vollkommen eingerichtete Windmühle vor ihm stand, deren mächtige Flügel sich langsam herumwälzten.

Mit selbstzufriednem Hohngelächter fragte ihn der Teufel: „ob er etwas daran auszusetzen habe?“

„Nichts, gar nichts!“ stotterte der bebende Müller, und wollte schon das Werk unter den versprochenen Bedingungen annehmen, als er plötzlich: „Halt!“ schrie, und seinen Bauherrn auf einen noch fehlenden unentbehrlichen Stein aufmerksam machte.

Zwar läugnete der Geschwänzte die große Nothwendigkeit des Steines lange; da aber der Müller darauf beharrte, daß er noch eingesetzt werde, so verstand sich endlich jener dazu.

Schon schwebte er in der Luft mit dem fehlenden Steine, siehe, da krähte unten auf der Mühle der Hahn.

„Halt!“ schrie der Müller nochmals, „wir sind quitt!“ und fort lief er, seiner alten Wohnung zu.

Wüthend über den verfehlten Zweck, faßte der Teufel das Gebäude, riß Flügel, Räder und Wellen aus einander, schmiß sie in die Luft, schleuderte die hoch in die Wolken aufgethürmten Felsen umher, daß sie den ganzen Ramberg bedeckten, und nur der kleine noch vorhandene Theil der Grundlage blieb zum ewigen Andenken stehn. Doch war dieß nicht die einzige Rache, die er nahm; denn kaum daß der Müller mit leichterm Herzen seine alte Wohnung wieder erreicht hatte, so warf der Unhold ein Felsstück hinab, auf die morsche Hütte, und zertrümmerte sie mit allen ihren Bewohnern im Nu.

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Aus mündlicher Ueberlieferung. In Otmars Volkssagen, Bremen 1800. 8., steht sie auch S. 187.