Die Weltpost (Die Gartenlaube 1879/12)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: G. T.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Weltpost
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 12, S. 196–198
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1879
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[196]
Die Weltpost.


   „Dringt ihre Sprache
Doch wunderbar zu allen Menschen – –
Von Land zu Land und durch der Wogen Grollen
Selbst der Entfernteste vernimmt sie noch;
Er hört sie nicht – und er versteht sie doch.“

Mit diesen Worten feiert die griechische Dichterin Sappho das Himmelsgeschenk der Schrift und die Boten unseres Geistes, die Briefe, nach Stephan’s poesievollem Vergleiche „jene Schiffe auf dem Ocean der Entfernungen“, welche den neidischen Raum überbrücken und den Gedanken bis zu den letzten Ausläufern des Erdballs tragen. Was wären wir ohne diese Möglichkeit, mit weit entfernten Menschen uns unterhalten zu können! Was wäre die Menschheit ohne jene Einrichtung der Post, welche, einem unendlich verzweigten Netze von Nervensträngen gleich, die Lebenswärme, den Blutumlauf des geistigen und seelischen Fluidums über den ganzen Weltkörper verbreitet! Sie fürchtet nicht den dörrenden Hauch der Wüste, nicht die eisigen Gletscher der Cordilleren; sie überbrückt die grollenden Wogen; sie schlingt ein unzerreißbares Band um die Welttheile, das selbst der völkervernichtende Krieg nicht zu zerstören vermag. Eine so wunderbare und gewaltige Kraft sehen wir täglich vor unseren Augen wirken, in der Fülle der Erscheinungen, die den modernen Menschen umgiebt, achten wir aber nur wenig ihrer; und erst dann, wenn ihr Einfluß einmal durch zufällige Störungen beeinträchtigt oder außer Wirksamkeit gesetzt ist, erinnern wir uns der Vorzüge einer Einrichtung, die uns täglich geistige und materielle Wohlthaten in Hülle und Fülle zuführt.

Die mächtige Vervollkommnung unserer heutigen Verkehrsmittel, unter denen die Post wegen ihrer Ausbreitung in die weitesten Kreise wie in die engsten Canäle des menschlichen Culturlebens die wichtigste ist, bildet ein anziehendes Capitel der Geschichte; ihre Entwickelung ist zum Theil so neuen Datums, daß [197] wir uns nicht wundern dürfen, wenn sie noch nicht überall bekannt genug ist, um immer die gebührende Würdigung zu finden.

Noch vor wenigen Jahrzehnten war das Postwesen in seiner engherzigen, meist nur auf finanziellen Ertrag gerichteten Verfassung mehr eine Schranke, als ein Bindemittel zwischen den Völkern. Wo eine neue Landesgrenze, ein neuer Schlagbaum auftauchte, begann die Herrschaft eines neuen Tarifs, der mit den Taxen des Nachbarlandes an Höhe wetteiferte. Die Finanzweisheit der Postverwaltungen hatte eine wahre Mosaik von Brieftaxen ausgeklügelt. Es gab Tarife für gute und für schlechte Wege, Tarife zu Lande und zu Wasser, für Posten, die am Morgen, und für Posten, welche am Abend gingen, nicht minder für die ehemaligen Schnellposten; ja Tarife für die gute Jahreszeit und für den Winter: ein Wirrwarr, der – wie Stephan treffend sagt – selbst zur Macht geworden war. Dabei suchte man auf jede mögliche Art vom Briefschreiben abzuschrecken und bediente sich dazu des Mittels, für jedes Transitgebiet besondere Durchgangsbriefzölle zu erheben; häufig führte man die Briefe deshalb auf zahlreichen Umwegen spazieren, wie es heutzutage die löblichen Eisenbahnen Deutschlands mit den Frachtstücken machen. Für kleinere Orte gab es zudem noch ein besonderes Binnenporto, weil nur die großen Postanstalten im Besitze directer Tarife sich befanden und der Bezug des Portos vom nächsten größeren Orte bis zu dem kleineren sich als eine neue ergiebige Einnahmequelle erwies.

Ob man durch solche Maßregeln den Handel und Wandel unterband, sowie den Austausch der Gedanken und Empfindungen erschwerte – war den Postverwaltungen gleichgültig. So erklärt es sich denn, daß ein einfacher Brief von Memel nach Aachen noch im Jahre 1825 nicht weniger als achtzehn Groschen kostete, und wehe ihm, wenn er schwerer war, als gewöhnlich! Noch viel abschreckender sind die Beispiele von der Höhe des Portos für Briefe zwischen entfernteren Ländern. Als während des griechischen Befreiungskrieges ein kleines Paket mit Zeitungen aus Missolunghi in Griechenland nach London kam, mußte der Empfänger, dessen Söhne dort auf Seiten der Civilisation und Freiheit gegen die Barbarei kämpften, siebenundsiebenzig Pfund Sterling Seeporto für jene Zeitungsblätter zahlen. Selbst auf die gute Stimmung, welche die Annehmlichkeit, einen Brief zu empfangen, bei den Menschen gewöhnlich hervorruft, hatten die Postverwaltungen früher Taxsysteme gebaut; denn wenn zwischen verschiedenen Staaten ein Postvertrag zur Regelung der Postbeziehungen und Portotaxen nicht abgeschlossen war, erhob das Postamt am Bestimmungsorte einfach noch einmal Porto für den bereits theilweise frankirten Brief, wohl in der Annahme, der Empfänger werde dasselbe sehr gern zahlen, da er doch „einen Brief erhielt“. Goethe hat in den „Geschwistern“ einen solchen Fall, wie er gewiß damals ganz gang und gäbe war, als Zeichen des einstigen Taxwirrwarrs verewigt, indem er Wilhelm beim Empfange eines beschwerten Briefes „franco halb“ zum Briefträger, der Porto forderte, sagen läßt. „Gut, sehr gut! Notir’ Er mir’s zum Uebrigen!“

Allerdings war diese Art der Portoerhebung die einfachste und auch für die Postbeamten die angenehmste; denn sie brauchten in solchem Falle ihr Gedächtniß mit dem trostlosen Inhalte jenes Wustes von Postverträgen nicht zu beschweren, die zu Hunderten abgeschlossen wurden, um die gegenseitigen Beziehungen und den Portoantheil der einzelnen Postverwaltungen zu ordnen und festzusetzen. In allen diese Postverträgen herrschte der Geist der Fiscalität, der Uebervortheilung, des Kampfes Aller gegen Alle vor. Es war noch ärger als im Alterthum; denn in Hellas und Rom, wo es allerdings an Posteinrichtungen für das Publicum gänzlich fehlte, bezahlte man doch nur die wirkliche Leistung der Boten (gewöhnlich Sclaven), die den Briefverkehr besorgten, und hatte alsdann jedenfalls den Vortheil einer größeren Sicherheit der Uebermittelung. Im Mittelalter und bis in die jüngsten Jahrzehnte hinein aber war die Post überall eine melkende Kuh, welche dem Staate Erkleckliches einbringen sollte.

Der gewaltige Aufschwung, welche die Eisenbahnen und Dampfschiffe im Verkehrswesen der Neuzeit hervorzauberten, blieb naturgemäß auch auf die postalischen Beziehungen der Völker nicht ohne Einfluß. Die Portotaxen im Innern wurden nach dem Vorgange Englands allmählich mehr und mehr ermäßigt; die bloße finanzielle Ausbeutung der Post hörte auf als ein unumstößlicher Grundsatz der Staatswirthschaft zu gelten; das Wehen der neuen Zeit fegte mit frischem kräftigem Hauche auch die alten verrotteten und pedantischen Tarife hinweg; man erkannte endlich, daß die Post als ein wichtiges Culturelement, als ein Hebel der Volkswohlfahrt betrachtet und in freisinnigem Geiste eingerichtet und verwaltet werden müsse. Namentlich die preußische Postverwaltung ging für ihr Gebiet auf dieser Bahn der Entwickelung voran; letzteres galt schon in den vierziger und fünfziger Jahren als das relativ bestverwaltete Postwesen Deutschlands, welches namentlich hinsichtlich der Fahrpost, die z. B. auch jetzt noch in England, Frankreich und Italien nicht als Staatsverwaltungszweig betrachtet wird, die Leistungen anderer Postverwaltungen überragte. Allein auch die preußische Post ließ für den internationalen Verkehr die alten Posttarife im Wesentlichen bestehen; es bedurfte noch langer Zeit und zahlloser Anstrengungen erleuchteter Geister, um eine gesunde Entwickelung auf dem Gebiete der internationalen Postbeziehungen anzubahnen.

In Deutschland war die erste wichtige Etappe auf dem Wege freisinniger Postpolitik die Gründung des deutsch-österreichischen Postvereins (1850), welcher wenigstens für die Briefpost ein einheitliches Postgebiet aus der Mosaik der damals bestehenden siebenzehn deutsche Postverwaltungen herstellte, die postalische Grenzen für Briefsendungen aufhob und dem deutsch-österreichischen Verkehre in ähnlicher Weise unschätzbare Dienste leistete, wie der deutsche Zollverein auf dem Handelsgebiete. Leider ließen die Ohnmacht Deutschlands und die Vielköpfigkeit seiner Territorialpostverwaltungen es nicht zu, daß ein gleicher Erfolg auch auf internationalem Gebiete erreicht wurde.

Als auf Nordamerikas Anregung im Jahre 1863 zu Paris eine internationale Postconferenz zur Regelung der postalischen Beziehungen größerer Völkergruppen zusammengetreten war, schien die Morgenröthe einer neuen Entwickelung auf diesem für die Cultur so wichtigen Gebiete zu winken. Der geographische Begriff „Deutschland“ – ein Gespött der übrigen Nationen – vermochte indessen keinen Krystallisationspunkt für freisinnige Regelung des Verkehrs zu bilden, weil ihm die politische Macht fehlte; so kam es, daß die Conferenz nur einen theoretischen Meinungsaustausch, aber keine praktische Ergebnisse lieferte.

Offenbar war Deutschland bei seiner Lage im Herzen Europas am meisten geeignet, zur Lösung der Weltpostfrage beizutragen. Hierzu aber bedurfte es zuvor seiner politischen Wiedergeburt; es mußte im Rathe der Völker erst wieder eine Stimme erlangt haben, welche seiner geistige Höhe, wie seiner Geschichte und seiner Machtverhältnisse würdig war. Die denkwürdigen Ereignisse von 1866 bahnten den Weg dazu; die glorreiche Zeit von 1870 bis 1871 ließ endlich den Traum so vieler Edlen in Erfüllung gehen, und noch Begründung des neuen Deutschen Reiches erstand auch die neue Reichspost, nicht als ein Epigone der einstigen Feudalreichspost des Fürsten von Thurn und Taxis, sondern als eine Reichseinrichtung, deren Ziele einzig auf die Hebung und Erleichterung des Verkehrs, die Wohlfahrt des deutschen Volkes gerichtet waren. Erst in dieser achtunggebietenden politische Stellung vermochte Deutschland die Lösung der Postfrage in die Hand zu nehmen. Zum Glück besaß es den rechten Mann dazu, den Generalpostmeister Heinrich Stephan, der schon in früheren Jahren als Geheimer Rath unablässig für die Reform der internationalen Postverkehrsbeziehungen gewirkt hatte und gleich nach dem Antritt seiner Stellung als Chef der Reichspost (Mai 1870) mit einem durchgreifenden, die ganze Erde umfassenden Plane zur Umgestaltung der internationalen Posteinrichtungen hervortrat.

Der weitblickende Geist dieses genialen Mannes hatte erkannt, daß die verschiedenartigen Formen, unter denen das Postwesen in den einzelnen Staaten verwaltet wurde, bei ihrer Ungleichmäßigkeit nicht geeignet waren, die großen Culturaufgaben der Post, die in der Freiheit des Gedankenaustausches und in der Annäherung der Völker gipfeln, wirksam zu fördern. Diese Mission kann nur dann erfüllt werden, wenn alle Kräfte, die das Verkehrsleben der Völker zu vermitteln und zu unterhalten bestimmt sind, gleichförmig dem einen großen Ziele, der uneingeschränkten Förderung der Cultur, sich dienstbar machen.

„Volle Freiheit der Verkehrsbewegung in dem ganzen von civilisirten Nationen bewohnten Raume der Erde, Beseitigung der postalischen Grenzen und der Transitportogebühren, schnellste Beförderung [198] der Postsendungen auf directem Wege mit Benutzung der angemessensten Routen, endlich Festsetzung eines einheitlichen Weltportosatzes,“ das waren Stephan’s denkwürdige Forderungen an die nach Ueberwindung zahlloser Schwierigkeiten am 15. September 1874 zu Bern, in dem ehrwürdigen, durch so viele geschichtliche Erinnerungen geweihten Ständehause der Eidgenossenschaft zusammengetretene Versammlung der Vertreter von zweiundzwanzig europäischen und amerikanischen Postverwaltungen. Welch ein großes Ziel, in der idealen Auffassung des Berufs der Post wurzelnd, und dabei doch so klar und auf den Boden der Wirklichkeit gestellt! Ein Streben nach dem Gleichmaß der wirkenden Kräfte, nach Befreiung eines wichtigen Culturelements von verrottetem Urväterhausrath!

Die magnetische Kraft dieses Gedankens war eine so unwiderstehliche, daß nicht minder die zahlreichen Eifersüchteleien politischer Natur unter den verschiedenen Verwaltungen, wie die fiscalischen Wünsche einiger Staaten zum Schweigen gebracht wurden, und daß, mit einziger Ausnahme Frankreichs, das aus finanziellen Gründen mit dem Beitritt vorerst zögerte, alle Staaten Europas, ferner in Asien Rußland und die Türkei, in Afrika Aegypten mit Nubien und dem Sudân, sowie Tunis und Marokko, endlich in Amerika die Vereinigten Staaten dem deutschen Plane der Begründung eines „Allgemeinen Postreviers“ zustimmten. Am 9. October 1874 wurde der Vertrag, welcher für den Postverkehr eines Gebiets von 716,000 Quadratmeilen mit einer Bevölkerung von 350 Millionen gleiche Brieftaxe und gleiche Formen des Briefpostverkehrs festsetzte, zu Bern unterzeichnet; am 1. Juli 1875 trat er in volle Wirksamkeit. Damit war eine dauernde Einrichtung von höchster Bedeutung für den Weltverkehr geschaffen, wie sie bisher die Culturgeschichte der Menschheit nicht kannte. Die Landesgrenzen waren für den Postverkehr beseitigt, die verschiedenartigen Tarife und Taxen aufgehoben; die volle Freiheit des Postaustausches war gewährleistet: ein Postgesetz, ein Tarif regelten den vielverzweigte Verkehr der wichtigste Staaten des Erdballs, sowie die zahlreichen materiellen und geistigen Beziehungen, welche die Post vermittelt. Und was das Herrlichste an diesem Siege war: es hatte keines Schlachtenlärms bedurft; er war auf friedlichem Wege erreicht, er verband die Nationen enger, als alle Friedensbündnisse es vermochten, durch die Gemeinsamkeit der Interessen wenigstens auf diesem Cultur-Gebiete.

Neben diesen großen Erfolgen waren für die Verwaltungen selbst zahlreiche Erleichterungen erzielt; es fielen die umständlichen Abrechnungen fort, welche früher erforderlich waren, um jedem Staate den Porto-Antheil zu sichern. Bei einem Briefe z. B. von Hamburg nach Lissabon war früher das Porto unter fünf Postverwaltungen zu vertheilen; es entwickelte sich daraus eine Masse öden Schreibwerks, dessen Erledigung von der Erfüllung größerer Aufgaben abhielt. Nach dem neuen Vertrage behält einfach jeder Staat denjenigen Portobetrag, den er selbst vom Publicum erhält, dadurch wird jede Abrechnung entbehrlich. Von hohem Werthe erwies sich auch die Rückwirkung der Vereinsbestimmungen auf die innere Postgesetzgebung der einzelnen Länder dadurch, daß diese sich mehr und mehr den in dem Vereinsgebiete herrschenden Grundsätzen anpaßte.

Frankreich hatte sehr bald seine Vereinzelung in Bern bereut und schloß sich nachträglich dem Vereine an; sodann traten innerhalb der nächsten drei Jahre Britisch-Indien, die französischen, britischen, niederländischen, portugiesischen und spanischen Colonien, das aufstrebende Japan , ferner Brasilien, Grönland und die dänischen Colonien, sowie Persien und einige Hafenstädte in China (Hongkong, Shanghai), endlich Canada hinzu. Diese Ausbreitung des Vereins machte im Jahre 1878 den Zusammentritt des zweiten Weltpost-Congresses nothwendig, der sich am 2. Mai 1878 in Paris versammelte und, im Sinne des Berner Grundgedankens, den Allgemeinen Postverein zu einem Weltpostvereine erweiterte, welcher jetzt fast die Gesammtheit der civilisirten Länder des Erdkreises umfaßt. Der Vertrag wurde am 1. Juni 1878 im Palais Bourbon unterzeichnet und wird am 1. April 1879 in’s Leben treten. Seine Wirksamkeit erstreckt sich auf ein Gebiet von 1,300,000 Quadratmeilen mit mehr als 750 Millionen Menschen. Außerhalb des Vereins bleiben nur einige Republiken Mittel- und Südamerikas, deren Beitritt übrigens nur eine Frage der Zeit ist, ferner Australien und China, in dessen Gebiet indessen bereits ein dem Weltpostvereine angehöriger Postcurs von Kiächta nach Peking Bresche legt. Neben der vollen Freiheit des Postaustausches verwirklicht der Pariser Vertrag insbesondere den idealen Gedanken des Weltportos: der einheitliche Satz von fünfundzwanzig Centimes, gleich zwanzig Pfennig, bildet in der ganzen Welt jetzt das Normalporto für den einfachen Brief; er ist an die Stelle der 1200 Portosätze getreten, die vor Begründung des Vereins für den internationalen Postverkehr in Geltung waren.

Für Postkarten ist der einheitliche Satz von zehn Pfennig eingeführt. Auch die Einschreibegebühr, welche sonst in vielen Abstufungen erhoben wurde, hat man allgemein auf den Satz von fünfundzwanzig Centimes, gleich zwanzig Pfennig, festgesetzt. Für Waarenproben und Drucksachen endlich sind erhebliche Erleichterungen eingeführt. Der Ausbau des großen Werkes ist damit in der Hauptsache vollendet.

Nach vielen Millionen zählen diejenigen, welche die Vortheile des Weltpostvereins täglich genießen; er schlingt ein festes Band der Einheit um die große Culturarbeit auf vielen Gebieten menschlicher Thätigkeit; er befreit von lästigen Fesseln und eint die Menschen zu einer großen Familie. Auch wird er darauf hinwirken, daß zum Segen der Menschheit ähnliche umfassende Gemeinschaften aus anderen Gebieten der Cultur entstehen. Dem Begründer der Weltpost, Generalpostmeister Heinrich Stephan, aber gebührt mit vollem Rechte in der Culturgeschichte ein Platz unter denjenigen Männern, welche zu den Wohlthätern der Menschheit gerechnet werden.

G. T.