Die Wunderblume (Nachtigal)

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Textdaten
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Autor: Johann Karl Christoph Nachtigal
unter dem Pseudonym Otmar
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Titel: Die Wunderblume
Untertitel: Volks-Sagen in der goldnen Aue
aus: Volcks-Sagen, S. 147-150
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1800
Verlag: Wilmans
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Erscheinungsort: Bremen
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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Die Wunderblume.

„Ein Schäfer aus Sittendorf trieb einst am Fuß des Kyffhäuser. Er war ein hübscher Mensch, und mit einem guten aber armen Mädchen verlobt. Doch, weder er noch sie hatten ein Hüttchen, oder Geld, ihre Wirthschaft einzurichten.

Traurig stieg er den Berg heran, aber, je höher er kam (es war ein schöner Tag) desto mehr verlor sich die Traurigkeit. Bald hatte er die Höhe des Berges erreicht; da fand er eine wunderschöne Blume, dergleichen er noch nie gesehen hatte. Die pflückte er, und steckte sie an seinen Hut, um sie seiner Braut mitzunehmen.

Oben auf der Burg findet er ein offnes Gewölbe, dessen Eingang nur etwas verschüttet war. Er geht hinein, und findet viele kleine, glänzende Steine auf der Erde liegen, und steckt so viele ein, als seine kleine Taschen fassen konnten. Nun wollte er wieder ins Freie; da rief ihm eine dumpfe Stimme zu: „Vergiß das Beste nicht!“ – Er wußte nicht, wie ihm geschah, und wie er herauskam aus dem Gewölbe. Kaum sah’ er wieder die Sonne und seine Heerde, so schlug die Thür, die er vorher gar nicht gesehen hatte, hinter ihm zu.

Er faßt nach seinem Hut; und – die wunderschöne Blume, die er seiner Braut hatte geben wollen, war fort; sie war herabgefallen beim Stolpern. Urplötzlich stand vor ihm ein Zwerg „Wo hast du die Wunderblume, die du fandest?“ Verloren, sagte traurig der Schäfer. Dir war sie bestimmt, sagte der Zwerg, und sie ist mehr werth als die ganze Rothenburg!

Traurig geht der Schäfer am Abend zu seiner Braut, und erzählt ihr die Geschichte von der verlornen Wunderblume, beide weinen; denn, Hüttchen und Hochzeit waren wieder verschwunden. Endlich denkt der Schäfer an seine Steine, und wirft sie scherzend seiner Braut auf den Schooß. Und – siehe es waren lauter Goldstücke. Nun kauften sie sich ein Hüttchen und ein Stück Acker dazu, und in einem Monat waren sie Mann und Frau.

„Und die Wunderblume?“ – Die ist verschwunden, und wird von Bergleuten noch bis auf den heutigen Tag gesucht, in den Gewölben des Kyffhauses nicht allein, sondern auch, da verborgene Schätze rucken, auf der Quästenburg, und selbst auf der Nord-Seite des Harzes. Bis jetzt soll der Glückliche, dem sie bestimmt ist, noch kommen.“