Die Zerstörung von Hohenkrähen (Erste Sage)

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Autor: Alois Wilhelm Schreiber
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Titel: Die Zerstörung von Hohenkrähen
Untertitel: Erste Sage
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 97–99
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Die Zerstörung von Hohenkrähen.
Erste Sage.

Zur Zeit, ale Kaiser Wenzel in Teutschland herrschte, hauste auf Hohenkrähen Ritter Wolf, ein tapferer Kriegsmann, in Ritterspielen wohl erfahren, aber boshaft, heimtückisch und rachsüchtig; wehrlose Pilger und Wanderer warf er nieder und beraubte sie, und weder Kirchen noch Klöster waren vor ihm sicher. Weder der Bannstrahl des Bischofs von Constanz, noch die Dolche des Vehmgerichts vermochten ihn zu schrecken. Doch endlich, als das Maas seiner Sünden voll war, traf auch ihn die gerechte Rache.

Wolf hatte einen Bruder, Werner genannt; der war gar herrlich und schön von Gestalt und Antlitz, deßhalb hatten ihm auch die Dirnen den Namen Rosenblüth gegeben. Er trug ein redliches, reines Herz in der Brust, und verstand es besser, die Laute zu schlagen und fromme Weisen zu singen, als Schwert und Lanze zu führen; daher war er auch mehr bei Frauen und Mädchen beliebt, als bei Männern, und manche Schöne hob ihren Blick voll sehnsüchtiger Liebe zu dem schmucken Jüngling. Aber Werner hatte schon lange sein Herz der holdseligen Barbara von Hornstein zugewandt und auch das ihrige schlug ihm in süßer Minneglut entgegen.

Aber einst auf einem Turnier zu Constanz sah Wolf die Geliebte seines Bruders und entbrannte in glühender Liebe zu ihr. Mit rauhen, gebieterischen Worten verlangte nun Wolf von Werner, er solle ihm, als dem älteren Bruder, nachstehen und ihm die Braut abtreten. Da fuhr aber auch der sanfte Werner auf und sprach: „Mein ist Barbara’s Liebe; ihr Vater hat mir ihre Hand zugesagt und, mögen auch alle Ritter des ganzen Gaues vor dir zittern, ich zittre nicht! Noch lebt Gott im Himmel, der Beschützer der Unschuld; noch walten die Rächer an Gottes Statt!“

Knirschend vor Grimm und Wuth verließ Wolf das Turnier und zog heimwärts, von seinen Kampfgenossen begleitet, die seinen Zorn noch mehr zu stacheln suchten. Er sann auf gräßliche, unerhörte Rache. Einige Tage später, am Samstag nach Mariä Himmelfahrt, wollte auch Werner heimziehen: Als [98] er aber in den Eichenforst kam, nahe bei des heiligen Ratolphs Zelle (dem heutigen Ratolphszell), da schritt aus dem Dickicht ein ehrwürdiger Waldbruder mit langem silberweißem Barte hervor und bat ihn gar flehentlich, ihm doch in seine Hütte zu folgen, da er ihm wichtige Dinge zu eröffnen habe, die außer ihm keines Menschen Ohr vernehmen dürfe. Werner stutzte Anfangs ob dieser sonderbaren Zumuthung und die Sache schien ihm bedenklich. Aber der Waldbruder flehte immer dringender und warf sich endlich auf die Kniee vor ihm nieder mit den Worten: „Ich stehe nicht eher von hier auf, bis Ihr mir zu folgen versprecht! Euer Leben hängt daran und Ihr werdet’s mir danken!“ Werner ließ sich erbitten, obwohl ihn seine Begleiter warnten und hieß diese nach Schloß Homburg vorausgehen, indessen er dem Waldbruder folgte. Als Beide aber in die Tiefe des Waldes gekommen waren, riß der heuchlerische Waldbruder den arglosen Werner unversehens zu Boden und stieß in ein Hüfthorn. Aus diesen Ruf stürzte Ritter Wolf mit seinen Begleitern aus einem Verstecke hervor, ließ seinen Bruder festpacken und tauchte ihm seinen Dolch in die Brust. Kaum war aber diese gräßliche That vollbracht, so überfiel den Knecht, welcher in der Hülle als Einsiedler den armen Werner in den Wald gelockt hatte, ein plötzlicher Wahnsinn, so daß er, wie von unsichtbaren Geistern gehetzt, umherrannte und das schwarze Verbrechen überallhin verkündete. Allgemein war das Entsetzen, aber Niemand hatte Muth genug, gegen den gefürchteten Ritter von Hohenkrähen aufzustehen, bis endlich der edle Ritter Otto von Bodmann seine Bestrafung übernahm. Er versammelte seine Vasallen und schickte an Wolf einen förmlichen Fehdebrief. Bald kam es zu einem blutigen Gefechte, in dem lange der Sieg zweifelhaft blieb. Zuletzt gelang es doch dem Ritter von Bodmann, den Ritter Wolf vom Pferde zu rennen, worauf er ihm das Schwert in die Brust stieß, so daß der Verbrecher unter lauten Verwünschungen die tückevolle Seele aushauchte. Unmittelbar darnach wurde auch dessen Felsennest zerstört, daß kein Stein auf dem anderen blieb. Bald darauf fand Einer von Otto’s Knechten einen Dolch auf der Burgflur. Auf dessen Klinge waren die Worte eingegraben: „Dem Rächer von den Unbekannten!“ Um den Griff war ein Briefchen gebunden, [99] des Inhalts: „Du bist uns zuvorgekommen, als Rächer an Gottes Statt. So lange das Geschlecht der Bodmann fortblüht, soll deine wackere That nicht vergessen werden!“

Die schöne Barbara von Hornstein ging aber in’s Kloster zu Engen, wo sie den Schleier nahm und bald darauf an gebrochenem Herzen starb.