Die beiden Bennigsen

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Textdaten
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Titel: Die beiden Bennigsen
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aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1863
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[256] Die beiden Bennigsen. Bald nachdem der schon durch seine Thätigkeit als Führer der Opposition in der hannoverschen Ständekammer rühmlichst bekannte Herr v. Bennigsen zum Präsidenten des Nationalvereins erwählt und damit zu einer politischen Celebrität ersten Ranges in Deutschland wurde, bemühten sich die illustrirten Blätter nicht nur darum, seines Portraits behufs einer xylographischen Nachbildung habhaft zu werden, sondern auch die Kunsthandlungen begannen männiglich auf diesen Artikel zu speculiren. Ein Berliner Bilderhändler war denn auch der erste, welcher ein sogenanntes „höchst gelungenes“ Portrait des Herrn v. Bennigsen ankündigte und bald darauf massenhaft verkaufte. Nun muß aber zunächst hier bemerkt werden, daß Herr v. Bennigsen trotz vielfachen Ersuchens nie war zu bewegen gewesen – eben weil seinem Wesen nichts mehr zuwider als jede Art von Ostentation – zu einem solchen Zwecke sich photographiren zu lassen; so soll z. B. auch die Zeichnung zu der ersten von ihm in der Illustrirten Zeitung erschienenen Abbildung, ohne sein Wissen, furtim durch einen Zeichner von der Gallerie des hannoverschen Ständesaals gemacht worden sein. Es giebt nun aber in Hannover noch einen zweiten Herrn v. Bennigsen, ein Name von ebenfalls gutem politischen Klang, nämlich den Grafen v. Bennigsen, 1848 unter dem Stüve’schen Ministerium Minister des Auswärtigen, nebenbei bemerkt, als getreuer Meinungsgenosse Stüve’s fortwährend mit diesem befreundet. Der Graf nun ist ein Vetter des Nationalvereins-Präsidenten, und so mochte es durch eine entschuldbare Personen-Verwechselung seitens des Berliner Kunsthändlers, ohne dolus und culpa desselben, gekommen sein, daß derselbe in Berlin angefertigte Kopien eines Bildes des Exministers Grafen Bennigsen (das in Hannover seit länger schon existirte) flottweg als Portraits des berühmten Nationalvereins-Präsidenten, des Freiherrn Rudolph v. Bennigsen, verkaufte. Eines Tages nun ward dem Grafen dies von einem Bekannten, der eben von Berlin kam, erzählt; der Graf B. schrieb also an den Kunsthändler, deckte ihm den Irrthum auf und erbot sich, ihm den Rest seiner Portraits lieber abzukaufen. Die Antwort lautete dahin, daß dieselben mit Vergnügen zu Kauf ständen, daß aber der Herr Graf – falls er Bilder seines Herrn Vetters dafür geben könne – gern für ein jedes solches zwei seiner eigenen in Tausch bekommen solle. Bald nachdem der Graf diesen Brief aus Berlin erhalten, traf er eines Tages seinen Vetter den Freiherrn und bemerke, ihm diese curiose Verwechslung und Offerte mittheilend, dann schließlich heiter: „Daraus kannst Du nun wieder sehen, daß Du doppelt so viel werth bist wie ich.“