Die deutsche Expedition nach Inner-Afrika und M. v. Beurmann

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Autor: Henry Lange
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Titel: Die deutsche Expedition nach Inner-Afrika und M. v. Beurmann
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aus: Die Gartenlaube, Heft 43, S. 682–685
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1862
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Expedition Moritz von Beurmanns zur Auffindung Eduard Vogels (1862–1863)
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[682]

Die deutsche Expedition nach Inner-Afrika und M. v. Beurmann.

Von Dr. Henry Lange.

Die deutsche Expedition nach Inner-Afrika hat, wie bekannt, den Zweck, das Schicksal unseres vielgenannten Landsmannes Dr. Eduard Vogel aufzuhellen und seine wissenschaftliche Mission – nämlich die Erforschung des Gebiets zwischen dem Nil und dem Tsad-See – zu vollenden.

Die Expedition wurde früher nach dem Führer derselben auch die Heuglin’sche Expedition genannt. Seit indeß Herr von Heuglin instructionswidrig, anstatt von Massaua aus nach Chartum, nach Abyssinien gegangen ist und in Folge dieser unerklärlichen und von seiner Seite nicht motivirten Handlungsweise von der Leitung der Expedition entbunden wurde, konnte fortan nur von der „deutschen Expedition“ die Rede sein.

Mit Herrn von Heuglin schieden aus der Expedition auch Dr. Steudner und der Gärtner Schubert, weil Beide Herrn von Heuglin folgten. Herr M. L. Hansel war von Keren am 23. Oct. 1861 aufgebrochen, um über Chartum nach Europa zurückzugehen. Hr. W. Munzinger und Hr. Th. Kinzelbach trennten sich im November vorigen Jahres in dem Dorfe Mai-Schecha in allem Frieden von Herrn von Heuglin und den andern Mitgliedern der Expedition, um, ihrer Aufgabe treu bleibend, ihrem fernern Ziele zuzuwandern. Sie erreichten im März d. J., also ein Jahr später, als sie den afrikanischen Boden betreten hatten, Chartum.

Beide Herren, Munzinger und Kinzelbach, werden von Chartum aus über El-Obed, Tendelti, Kobbeh nach Besché,[1] dem Ort, wo Dr. E. Vogel’s Spur verschwand, vorzudringen suchen.[2] Nur in großen Zeitabschnitten dürfen von diesen beiden braven und unverzagten Menschen Nachrichten zu erwarten sein. – Diese wenigen Worte vorauszuschicken schien mir nothwendig, bevor ich Herrn von Beurmann als Mitglied der Expedition einführe.

Es ist von verschiedenen Afrikakundigen lebhaft gewünscht worden, daß sich ein Reisender finden möchte, der geneigt wäre, den Versuch zu machen, von der Nordküste von Afrika und zwar von Bengasi aus nach Wara vorzudringen. Alex. Ziegler war vor einigen Jahren nahe daran, diesen Weg einzuschlagen, wurde aber [683] durch den Ausbruch der Pest daran verhindert. Herr v. Heuglin wollte sich nicht dazu verstehen, von Bengasi aus auf Wara vorzudringen, um so erwünschter kam das Anerbieten des Herrn M. von Beurmann, von Bengasi aus eine afrikanische Mission anzutreten.

Viele Leser dieser Zeilen werden es wünschen, ehe sie von der Reise des gedachten Herrn hören, etwas über seine Vergangenheit zu vernehmen. Moritz von Beurmann, geb. 1835 zu Potsdam, ist der einzige Sohn eines hohen und sehr geachteten preußischen Beamten, der bis zum Jahre 1850 den Posten eines Ober-Präsidenten bekleidete und seit seinem Ausscheiden als Gutsbesitzer in der Nähe von Halle an der Saale, in Oppim, lebt. Vor Kurzem wurde er zum Curator der Universität Halle erwählt. Nach vollendeten Schulstudien widmete sich M. v. B. dem Militärstande, trat bei den Garde-Pionieren in Berlin ein, um zunächst den praktischen Dienst kennen zu lernen. Nachdem er demnächst drei Jahre die Königl. Preuß. Artillerie- und Ingenieur-Schule zu Berlin besucht, inzwischen zum Officier befördert worden, ging er 1857 zur activen Armee und zwar zur vierten Pionier-Abtheilung nach Erfurt, später nach Luxemburg. Im J. 1859 trat er aus dem Militärdienste, um in Breslau Collegien in den orientalischen Sprachen, der Astronomie und den Naturwissenschaften zu hören. So ausgerüstet trat er, seinem inneren Drange folgend, 1860 eine Reise nach Afrika an. Er besuchte Aegypten, Nubien und besonders die Länder zwischen dem in neuerer Zeit oft genannten Massaua und Chartum, Sauâkin (Suakin) am rothen Meere und Abu Harâs, einen Ort am Bahr el Azrek (blauen Fluß). In den bekannten und weit verbreiteten Mittheilungen von A. Petermann in Gotha sind diese Reisen von Beurmann mitgetheilt; wir wollen hiermit nur angedeutet haben, daß unser Reisender kein Neuling aus afrikanischem Boden ist. Durch große Umsicht und seltenen Takt wußte er Schwierigkeiten zu überwinden, die andern Reisenden unter ähnlichen Verhältnissen das Fortkommen erschwert, ja unmöglich gemacht hätten.

Im Jahre 1861 kehrte Herr von Beurmann nach Europa zurück. Beseelt von jugendlichem Eifer und begeistert für die edlen Zwecke der deutschen Expedition theilte er Petermann seinen Entschluß, auf’s Neue nach Afrika zu gehen, mit und erklärte sich gleichzeitig bereit, von Bengasi aus auf Wara zu gehen, wofern ihm die Casse der deutschen Expedition die Mittel dazu gewähren könne.

Ich weiß nicht, wer bei diesem edlen Entschluß mehr zu bewundern ist, der Sohn, der sich aus den angenehmsten Verhältnissen von liebenden Eltern und Schwestern losreißt, um eine edle und große, der Menschheit würdigere Aufgabe, als dem Soldaten der Jetztzeit blüht, lösen zu helfen, oder der Vater, der seinen einzigen geliebten Sohn nicht zurückhält, dem Drange seines Innern zu folgen.

Am 1. September vorigen Jahres fand bei mir in Leipzig die erste Besprechung über die Reise statt. Es waren außer v. Beurmann Professor Dr. Petermann aus Gotha, Professor Dr. Bruhns, Director der Leipziger Sternwarte, und Dr. Otto Ule aus Halle zugegen. Die Reiseroute wurde im Allgemeinen beschlossen, über die Reisemittel berathen und die mitzunehmenden Instrumente bestimmt. Herr Bruhns übernahm zuvorkommend die Besorgung der nöthigen Instrumente. Als spätesten Termin zur Abreise bestimmte von Beurmann die Weihnachtszeit. Die Zeit bis dahin wurde mit neuen Vorbereitungen zur Reise ausgefüllt; dahin gehörten unter Andern fortgesetzte Uebungen im Bestimmen von geographischen Längen- und Breitenmessungen, die zum Theil hier auf der neuen Sternwarte ausgeführt wurden. Auch begab sich Herr von Beurmann nach Berlin, um mit unserem erfahrensten und berühmten Afrikareisenden Herrn Dr. Heinrich Barth sein Vorhaben zu besprechen. Später werde ich Gelegenheit haben zu zeigen, wie mit bekannter Thatkraft und großem Eifer dieser Gelehrte sich dem Unternehmen zuwandte. In der geographischen Gesellschaft zu Berlin und der ersten ordentlichen Sitzung des Vereins von Freunden der Erdkunde zu Leipzig hielt Herr von Beurmann Vorträge über seine oben angedeuteten Reisen. So verging die Zeit bis zur Abreise. Das Weihnachtsfest kam, und mit militärischer Pünktlichkeit war Alles zur Abreise, die denn auch am 26. December 1861 erfolgte, vorbereitet.

Am 27. Abends erreichte unser Reisender bereits Mühlhausen. Ein deutscher Kaufmann aus Trier, Herr Vogelsang, den Herr von Beurmann auf dem letzten Theil des Weges kennen gelernt, gab ihm einen Brief an Herrn Trouchet in Marseille mit, in Folge dessen er bei seinen Einkäufen wesentlich unterstützt wurde. Dieser Herr, der lange als Schiffscapitain in Madagaskar und Zanzibar stationirt gewesen, war mit den Erfordernissen zu einer solchen Reise genügend vertraut.

Von Marseille ging es mit der französischen Messagerie impériale über Civita-Vecchia nach Neapel, wo der Reisende gerade so viel Zeit hatte, einen Ausflug auf den noch rauchenden Vesuv zu machen. Am Abend schon setzte er die Reise auf dem Archimède über Catania nach Syracus, woselbst er am 5. Jan. 1862 gegen Mittag eintraf, fort; denselben Abend lief das Schiff auf Malta steuernd wieder aus, hatte aber das Unglück, in der Höhe von Malta von einem heftigen Unwetter überfallen zu werden, das den Vordermast brach und den Capitain zwang, nach Syracus zurückzugehen. Am 7. war der Schaden beseitigt, die Reise wurde nun fortgesetzt und am folgenden Tage La Valetta glücklich erreicht. Da sich hier nicht gleich Gelegenheit fand nach Bengasi weiterzureisen, so wurde Herr von Beurmann hier bis zum 21. zurückgehalten. Er machte indeß für die Expedition günstige Bekanntschaften. Am 26. betrat er in Gesellschaft des englischen Consuls für Bengasi Mr. Tulin den afrikanischen Boden. Unser Reisender fand hier in zuvorkommendster Weise im Hause des englischen Consuls Aufnahme.

Am 13. Februar verließ v. Beurmann Bengasi in Begleitung zweier Diener, Abu Bekr und Mohammed Tibbaui, um auf die Oase Udjila (Udschila) seinen Marsch fortzusetzen. Die Reise ging zunächst einige Tage hindurch in nicht zu großer Entfernung vom Meere durch mehr oder weniger fruchtbares Land, bis am Abend des 18. die Wüste betreten wurde. Ueber die kleinen Oasen Resam und Marag gehend, wurde am 22. die Oase Udschila erreicht, da aber der Gouverneur Halil und die Schechs, an welche Herr von Beurmann besonders empfohlen war, nicht hier, sondern zur Zeit in Dschalo sich befanden, begab er sich am folgenden Tage ohne Zögern nach dieser nach seiner Berichtigung südwestlich von Udschila liegenden Oase, die nach sechsstündigem Marsch auch glücklich erreicht wurde.

Hätte Herr von Beurmann seinem ursprünglichen Plane folgen können, so würde er von hier direct nach Süden über die Oase Kebabo oder Kufarah durch die Landschaften Wadschanga und Borgu nach Wadai vorgegangen sein. Da aber, wie früher schon angedeutet, durch einen räuberischen Ueberfall der Karawane des Sultans von Wadai durch die Malteser nicht nur jede Verbindung mit Wadai unterbrochen, sondern absolut unmöglich gemacht worden, mußte sich unser Reisender zu einer Abschwenkung von dem directen Wege entschließen und war durch die Verhältnisse gezwungen auf Mursuk zu gehen.

In den ersten Tagen des März konnte Herr von Beurmann endlich seinen Weg fortsetzen, den er nun auf Maradeh, eine westlich von Udschila gelegene Oase, nahm. Maradeh, der kleine gleichnamige Ort, besteht aus 50 meist baufälligen Häusern. Nicht eine menschliche Seele ließ sich blicken, bis etwa eine Stunde nach unserer Ankunft, so berichtet der Reisende, ein Sclave, der einzige, permanente Bewohner von Maradeh, herbeikam, um uns zu begrüßen. Nur zur Zeit der Dattelnernte kommen die Araber von der benachbarten Meeresküste herbei.

„Der Sclave war für mich,“ sagt von Beurmann, „insofern eine interessante Persönlichkeit, als er aus Wadai gebürtig und erst vor drei Jahren von dort geraubt war. Er erzählte mir, daß in Wara vier Christen sich befänden, die zwar gut gehalten würden, denen man aber nicht erlaube, in ihre Heimath zurückzukehren. Jeden Sonntag schickte ihnen der Sultan eine Kuh zum Schlachten, und auch sonst bekämen sie hinreichende Nahrung. Einer derselben sei aus Constantinopel und ein anderer aus Kairo, wo die beiden andern her waren, wußte er nicht anzugeben.“

Ohne weiteren Aufenthalt wurde die Reise auf Zala oder Sella fortgesetzt. Der Weg geht, einige Oasen abgerechnet, fortwährend durch die Wüste, und wie gefährlich es ist, in diesen Gegenden eines erfahrenen Führers zu entbehren, zeigte sich auch hier. Der bezahlte Führer leitete die kleine Karawane auf dieser Strecke oft stundenlang irre, so daß von Beurmann mehr als einmal mit Hülfe des Compasses und der ihm von Herrn A. Petermann mitgegebenen Karten den rechten Weg zeigen mußte.

Der 16. März hätte fast verhängnißvoll für von Beurmann werden können. Das Terrain war inzwischen etwas bergig geworden, [684] und der Führer hatte sich wieder vollständig verlaufen. „Nach einem zweistündigen Marsche waren wir nämlich an eine Bergwand gekommen, von der kein Weg herunterzuführen schien. Vergeblich wurde stundenweit rechts und links nach einem Abstieg gesucht, nichts wollte sich finden, und unser Wasservorrath war bereits so auf die Neige gegangen, daß, wenn wir nicht spätestens den folgenden Tag Sella erreichten, uns der sichere Tod durch den Durst bevorstand. Endlich wurde beschlossen, in südöstlicher Richtung an der Felswand entlang zu marschiren, in der Hoffnung einen Ausweg zu finden. Zwei Stunden darauf kamen wir auch an eine Stelle, wo der Sand rampenförmig an die Felswand heraufgetrieben war, so daß die Kameele zur Noth hinunter kommen konnten. Einzeln, indem ein Mann das Thier am Schwanz hielt und gleichsam als Hemmschuh diente, während zwei Andere es vorn am Zaum hielten, wurden so die Kameele hinuntergeschafft und in fröhlicher Stimmung die nordwestliche Richtung wieder eingeschlagen. Bald aber zeigte es sich, daß sie abermals an einem Abgrund standen; es blieb nichts weiter übrig, als entweder Thiere und Gepäck im Stich zu lassen und das Leben zu retten, oder die Thiere den gekommenen Pfad wieder zurückzuschaffen. Nach einem kleinen Imbiß entschied man sich für das Letztere, und oben glücklich wieder angekommen, suchte man in einer andern Richtung über höchst unwegsames Terrain einen Ausweg, den man denn auch nach harten Kämpfen fand.“ Am 16. März endlich wurde Sella erreicht.

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Moritz v. Beurmann.

Die Oasengruppe von Sella besteht aus drei, je zwei Stunden in der Richtung von Norden nach Süden zu liegenden Inseln, Namens Tirsa, Sella und Tlissem. Sella liegt nach von Beurmann’s Messung unter 28° 32′ 9″ nördl. Breite und 17° 18′ 30″ Länge von Greenwich. Der Reisende wurde hier, da nicht gleich Kameele zur Weiterreise zu haben waren, zehn Tage aufgehalten, dann aber erzwang er seine Weiterreise, die er über Fugga, Temissa und Tuila nach Mursuk bewerkstelligte.

Am 15. April hielt Herr v. Beurmann seinen Einzug in die schon bekannte Hauptstadt Fessan’s. Der Pascha hatte dem Reisenden, als er von seiner Ankunft Kunde erhalten, eine Suite von 20 Reitern, die ihn in feierlichem Zuge nach der Stadt geleiteten, entgegen geschickt und sein Nichterscheinen, als durch ein Unwohlsein veranlaßt, entschuldigen lassen. Am Morgen des folgenden Tages schickte der Gouverneur zu der Zeit, die Herr v. Beurmann bestimmt hatte, ein reich aufgezäumtes Pferd, das ihn in den Müdschlis (Rath) trug. Später erhielt unser Reisender einen Besuch vom Pascha; nachdem derselbe fort war, begab sich Herr v. Beurmann zum Hadsch Mohammed Ben Alua, dem Präses des Raths, um seine Wünsche behufs der Reise nach Wadai zu betreiben. In dem Bericht[3] vom 28. April heißt es: „Ich veranlaßte ihn, zum Pascha zu gehen und die sofortige Herbeirufung des Sultans von Tibu-Reschade, der sich gegenwärtig in Gatron befand, zu bewirken. In der That ging noch denselben Abend der Bote ab.[4] Auch behufs meines Eintritts in Wadai kam die Sache zu einem vorläufigen Abschluß, indem als der einzige ausführbare Plan von den Müdschlis anerkannt wurde, mittelst eines Schreibens vom Pascha von Tripolis an den Sultan von Wadai zu fordern: 1) die sofortige Herausgabe aller noch in Wadai befindlichen Effecten und Papiere des Dr. Vogel, 2) die Erlaubniß zu meiner Reise und 3) zu diesem Behufe die Hersendung eines Mannes mit einem Firman vom Sultan. Unterstützt wird diese Forderung durch ein entsprechendes Geschenk von meiner Seite. Ein blindes Drauflosgehen ward aber von Allen, die hier mit den Verhältnissen jener Länderstriche bekannt sind, für die größte Thorheit erklärt.“

Aus dem Vorstehenden ist zu ersehen, daß v. Beurmann mit großer Energie, Umsicht und Verstand seine so schwierige Aufgabe behandelt, und wenn überhaupt ein Erfolg möglich ist, so glauben wir, daß v. Beurmann der rechte Held ihn zu erringen ist. Um so unwürdiger würde es sein, wenn man die braven drei deutschen Männer v. Beurmann, W. Munzinger und Kinzelbach nicht mit den nöthigen Geldmitteln unterstützen wollte.

Herr v. Beurmann hat im Eifer der Sache und im Glauben, daß es möglich sei in directer Richtung nach Wadai vorzudringen, die Reise mit der geringen Summe von 1500 Thalern, die ihm [685] vom Comité der deutschen Expedition in Gotha mitgegeben wurden, angetreten. Daß diese Mittel bei der sich in die Länge ziehenden Reise nun längst erschöpft, ist natürlich, und schon ist der Reisende genöthigt gewesen, einen Wechsel von 700 Thalern auf seinen Vater zu ziehen. Ist es nicht genug, daß der Vater großherzig genug ist, dem wahrhaft edlen Zweck den einzigen Sohn zu opfern? soll er auch noch Geldopfer bringen? Das, sollte ich meinen, wird die deutsche Nation nicht verlangen, namentlich da sie die Lösung der Aufgabe zu der ihrigen gemacht hat, wie sie durch die erste Opferbereitwilligkeit bewiesen hat. Offen und ehrlich ist der Fehltritt des früheren Leiters der Expedition, des Herrn v. Heuglin, bekannt worden. Durch den Eintritt des Herrn v. Beurmann in die deutsche Expedition ist aber hinreichend nachgeholt, was Heuglin versäumt hat.

Herr Dr. Heinrich Barth hat in edlem Eifer für die Sache, als er erfuhr, daß Geld nöthig war, Herrn v. Beurmann durch den englischen General-Consul Major Hermann in Tripoli einen Credit bis 200 Pfd. Sterl. (1350 Thlr.) in Mursuk eröffnet. Das Comité der deutschen Expedition hat, so viel wir hören, 1000 Thaler bewilligt, die deutsche morgenländische Gesellschaft hat aus ihrer Casse neuerdings wieder 100 Thaler bewilligt, und die Leipziger Carl-Ritter-Stiftung hat bei ihrem Alter von kaum einem Jahr 150 Thaler für die Expedition beigesteuert. Der für jede reine und große nationale Handlung unermüdlich wirkende Alexander Ziegler in Dresden hat der Expedition große Dienste geleistet, ebenso Dr. Otto Ule. Ich habe versucht, in Leipzig, dem Wohnorte der Familie des verschollenen Dr. Ed. Vogel, den Sinn für das Unternehmen einigermaßen rege zu halten, eine noch nicht geschlossene Geldsammlung veranstaltet und wende mich schließlich an die zahlreichen Leser und Leserinnen der Gartenlaube mit der Bitte, der deutschen Expedition nach Inner-Afrika zu gedenken.

Die neuesten, am 22. August durch Dr. A. Petermann veröffentlichten Nachrichten, nach denen laut Bericht von W. Munzinger aus El-Obed unser braver Dr. Eduard Vogel in Besché, 16 Stunden südlich von Wara, ermordet worden sein soll, können an unserer Bitte, unsere braven deutschen Männer v. Beurmann, Munzinger und Kinzelbach nicht durch Mangel zu Grunde gehen zu lassen, nichts ändern.

Das Ziel der deutschen Expedition ist und bleibt, den Ort zu erreichen, wo Eduard Vogel lebend oder seine irdischen Ueberreste gefunden werden.

Herr v. Beurmann wird jetzt bereits in Kuka, der Hauptstadt von Bornu, wo H. Barth, Overweg und Vogel gelebt haben, angekommen sein und in derselben Richtung, die Vogel nach Wara eingeschlagen hatte, seinen Weg nehmen. In einigen Wochen können Nachrichten von v. Beurmann aus Kuka erwartet werden. Aber auch neue Mittel für die Weiterreise von Kuka nach Besché und Wara werden aufzubringen sein.

Sollten Freunde der Expedition mir Beiträge zusenden, so werde ich in der Gartenlaube darüber quittiren.


  1. Residenz des Sultans von Wadai.
  2. Hr. W. Munzinger hatte schon im Juli seine Ankunft in El-Obed mit der Aussicht auf die Erlaubniß, Darfur betreten zu dürfen, Hrn. Dr. H. Barth, der mich freundlichst davon benachrichtigte, mitgetheilt.
  3. Ergänzungsheft Nr. 8 zu Dr. A. Petermann’s Mittheilungen aus Justus Perthes’ Anstalt.
  4. So eben erhalte ich schon die Nachricht, daß wegen zu hoher Geldforderung die Reise nach Wadschanga erschwert wird. Nachdem der Tibu-Sultan Herrn v. Beurmann für die Summe von 80 Thalern nach Wadschanga zu geleiten versprochen hatte, steigerte er nach drei Tagen seine Forderung auf 500 Thaler. Die Forderung ist allerdings sehr hoch. Die Entfernung aber beträgt etwa 150 Meilen. Hätte der Reisende zu Anfang Juni schon mehr Mittel gehabt, so würde er möglicher Weise eine Vereinbarung erzielt haben. So aber mußte er die Forderung einfach zurückweisen und seinen Weg auf Bornu nehmen.