Die drei Brüder (1815)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor: Brüder Grimm
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die drei Brüder
Untertitel:
aus: Kinder- und Haus-Märchen Band 2, Große Ausgabe.
S. 197-199
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1815
Verlag: Realschulbuchhandlung
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: old.grimms.de = Commons
Kurzbeschreibung:
seit 1815: KHM 124
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
Begriffsklärung Andere Ausgaben unter diesem Titel siehe unter: Die drei Brüder.


[197]
38.
Die drei Brüder.

Es war ein Mann, der hatte drei Söhne und weiter nichts im Vermögen, als sein Haus, worin er wohnte. Nun hätte jeder gern nach seinem Tod das Haus gehabt, dem Vater war aber einer so lieb, als der andere, da wußt er gar nicht, wie er’s anfangen sollte, daß er keinem zu nahe thät; verkaufen wollt’ er das Haus auch nicht, weil’s von seinen Voreltern war, sonst hätte er das Geld unter sie getheilt. Da fiel ihm endlich ein Rath ein und er sprach zu seinen Söhnen: „geht in die Welt und versucht euch und lerne jeder ein Handwerk, wenn ihr dann wiederkommt, wer das beste Meisterstück macht, der soll das Haus haben.“

Das waren die Söhne zufrieden und der ältste wollte ein Hufschmied, der zweite ein Barbier, der dritte aber ein Fechtmeister werden. Darauf bestimmten sie eine Zeit, wo sie wieder nach Haus zusammenkommen wollten und zogen fort. Es traf sich auch, daß jeder einen tüchtigen Meister fand, wo er was rechtschaffenes lernte; der Schmied mußte des Königs Pferde beschlagen und dachte: „nun kann dir’s nicht fehlen, du kriegst das Haus;“ der Barbier rasirte lauter vornehme Herrn und meinte auch, das [198] Haus wär’ sein; der Fechtmeister kriegte manchen Hieb, biß aber die Zähne zusammen und ließ sich’s nicht verdrießen, denn er dachte bei sich: „fürchtest du dich vor einem Hieb, so kriegst du das Haus nimmermehr.“ Als nun die gesetzte Zeit herum war, kamen sie zusammen nach Haus, sie wußten aber nicht, wie sie die beste Gelegenheit finden sollten, ihre Kunst zu zeigen, saßen beisammen und rathschlagten. Wie sie so saßen, kam auf einmal ein Haas über’s Feld daher gelaufen. „Ei, sagte der Barbier, der kommt wie gerufen,“ nahm Becken und Seife, schaumte, bis der Haas in die Nähe kam, dann seifte er ihn in vollem Laufe ein und rasirte ihm auch im vollen Laufe ein Stutzbärtchen und dabei schnitt er ihn nicht und that ihm an keinem Haare weh. „Das gefällt mir, sagte der Vater, wenn sich die andern nicht gewaltig angreifen, so ist das Haus dein.“ Es währte nicht lang, so kam ein Herr in einem Wagen daher gerennt in vollem Jagen. „Nun sollt ihr sehen, Vater, was ich kann,“ sprach der Hufschmied, sprang dem Wagen nach, riß dem Pferd, das in einem fort jagte, die vier Hufeisen ab und schlug ihm auch im Jagen vier neue wieder an. „Du bist ein ganzer Kerl, sprach der Vater, du machst deine Sachen so gut, wie dein Bruder, ich weiß nicht, wem ich das Haus geben soll.“ Da sprach der dritte: „Vater, laßt mich auch einmal gewähren,“ und weil es anfing [199] zu regnen, zog er seinen Degen und schwenkte ihn in Kreuzhieben über seinem Kopf, daß kein Tropfen auf ihn fiel; und als der Regen stärker ward und endlich so stark, als ob man mit Mulden vom Himmel göß, schwang er den Degen immer schneller, und blieb so trocken, als säß er unter Dach und Fach. Wie der Vater das sah, erstaunte er und sprach: „du hast das beste Meisterstück gemacht, das Haus ist dein.“

Die beiden andern Brüder waren damit zufrieden, wie sie vorher gelobt hatten, und weil sie sich einander so lieb hatten, blieben sie alle drei zusammen im Haus, trieben ihre Profession und da sie so gut ausgelernt hatten und so geschickt waren, verdienten sie viel Geld. So lebten sie vergnügt bis in ihr Alter zusammen und als der eine krank ward und starb, grämten sich die zwei andern so sehr darüber, daß sie auch krank wurden und bald starben. Da wurden sie, weil sie so geschickt gewesen und sich so lieb gehabt, alle drei in ein Grab gelegt.

Anhang

[XXXIII]
38.
Die drei Brüder.

Aus der Schwalmgegend, doch auch sonst vielfältig gehört, hier am vollständigsten. Es ist ein altes Scherz- und Lügenmärchen und wahrscheinlich sehr verbreitet. Im 16. Jahrh. kam eine Sammlung davon in Frankreich heraus von Philipp d' Alcripe (Picard) Herr von Neri (rien) in Verbos (Verbois) wo dieses sich auch unter andern findet. In der neu eröffneten Schaubühne menschlicher Gewohn- und Thorheiten s.l. ct a (wahrscheinlich bald nach dem 30 jähr. Krieg) werden S. 88 – 92 solche Aufschneidereien zusammengestellt, darin heißt es: „damit ich allhier jenes vierjährigen Kindes, welches mit einem schweren breiten Säbel so meisterlich fechten können, daß ihm in vollem Regen kein einziger Tropfen aufs Haupt gefallen, keine Meldung thue.“ – „Item–jener Goldschmidt, welcher einer Mücken unter jeden Fuß ein güldenes Hufeisen mit 24 Nägeln angeheftet.“