Die früheren Brandkatastrophen im Oberharz

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Autor: Heinrich Morich
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Titel: Die früheren Brandkatastrophen im Oberharz
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aus: Allgemeiner Harz-Berg-Kalender 1939
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Die früheren Brandkatastrophen im Oberharz.
Von Rektor i. R. H. Morich, Clausthal-Zellerfeld.


     Die Bergstädte des Oberharzes sind in früheren Jahrhunderten von großen Feuersbrünsten heimgesucht worden, daß wir uns heute kaum noch eine Vorstellung davon machen können. Die Ursache haben wir wohl hauptsächlich in der Bauart der Häuser zu suchen, die durchweg nur aus Holz mit Schindelbehang oder Dielenbeschlag und Schindelbedachung aufgeführt waren. Deshalb stand man einem ausbrechenden Feuer, sobald es eine Häusergruppe ergriffen hatte, derart machtlos gegenüber, daß man es in der Richtung des Windes zur Stadt hinaus brennen lassen mußte.

     Über die Clausthaler Feuersbrünste rühren die ältesten Nachrichten aus dem dreißigjährigen Kriege her. Das Jahrzehnt von 1630 bis 1640 ist besonders verhängnisvoll für diese Stadt gewesen, die kurz nacheinander dreimal von großen Bränden heimgesucht wurde, nämlich 1631, 1634 und 1639. Am 18. Juni 1631 schlug bei einem heftigen Gewitter der Blitz in Simon Dornstrauchs Haus an der Sorge ein[WS 1], wodurch eine Feuersbrunst entstand, die binnen 3 Stunden 43 Wohnhäuser und Ställe in Asche legte. Etliche Wochen vorher war es so trocken gewesen, daß das Bergwerk und die Mühle stille standen.

     Am 20. September 1634 kam in Steffen Plapperts Hause an der Goslarschen Straße ein Schadenfeuer auf, welches so stark um sich griff, daß innerhalb 6 Stunden 162 bürgerliche Wohnhäuser, Neben- und Hintergebäude ungerechnet, eingeäschert wurden. Dazu das Rathaus mit fast allen öffentlichen Schriften und Nachrichten, die erst kurze Zeit vorher mit herrlichen Malereien ausgeschmückte Marktkirche, sowie die Schule nebst der Geistlichen und Schulbedienten Häuser. Die Münze und das Amthaus blieben verschont, weil der Wind aus Südwesten kam.

     Kaum hatte man eine Reihe von Bürgerhäusern wieder aufgebaut, während andere noch im Bau begriffen waren, da entstand am 15. April 1639, am 2. Ostertage nach der Mittagspredigt, Schon wieder ein Brand im Hause des Holzhauers Martin Fiedel, der sich gerade auf einer Hochzeitsfeier befand. Er soll an der Osteröderstraße gewohnt haben. Das Feuer konnte bei dem starken Winde nicht gelöscht werden und nahm so so schrecklich überhand, daß binnen 3 Stunden 53 Wohnhäuser, ohne die Hintergebäude, abermals ein Raub der Flammen wurden. „Die gute Bergstadt wurde so erbärmlich zugerichtet, daß sie sich nicht mehr ähnlich sah,“ schreibt Honemann[WS 2].

     Clausthal erholte sich von diesen Unfällen und all der Not, die der Krieg sonst mit sich brachte, nur langsam. Um so mehr muß es unsere Bewunderung erregen, daß man den Mut fand, noch während der Kriegszeit den Neubau der Marktkirche zu unternehmen. Er wurde 1639 in Angriff genommen, während der Glockenturm schon 1637 wieder aufgebaut war. Die Marktkirche soll Pfingsten 1642 eingeweiht sein. Ermöglicht wurden diese Bauten nur dadurch, daß der Bergbau auch während des Krieges in gutem Betrieb war und beträchtliche Überschüsse abwarf, wodurch man in den Stand gesetzt wurde, die Bauten aus öffentlichen Mitteln zu unterstützen.

     Im Jahre 1654 zählte die Stadt 360 Wohnhäufer, 1664 475, und da sie in den folgenden Jahrzehnten von größeren Bränden verschont blieb, wuchs sie bis 1725 allmählich zu einem Bestande von 862 Wohnhäusern heran Die günstige Entwicklung wird durch einen reichen Silbersegen gefördert sein, der sich von 1709 ab in ganz besonderem Maße in den Gruben Dorothea und Karoline auf dem oberen Burgstädter Zuge zeigte. Mitten in diese Zeit des glücklichen Aufschwunges fiel in Clausthal am 25. März 1725 eine gewaltige Brandkatastrophe, durch die die Hälfte der Stadt in Asche gelegt wurde.

     Das Feuer entstand in der Nacht zwischen 11 und 12 Uhr oben in der Goslarschen Straße in dem Haus des Schichtmeisters Rabius und nahm beim Nordostwinde so fürchterlich überhand, daß dadurch die Goslarsche Straße, die Sorge, die Bader- und Silberstraße, sowie die Osteröder- und Sägemüllerstraße samt den Quergassen gänzlich zerstört wurden. In etwa 12 Stunden brannten 400 [43] Wohnhäuser nieder, darunter das Amthaus, das Rathaus, die Münze, die Predigerhäuser und das Physikathaus. Wie durch ein Wunder blieb die Marktkirche erhalten, obgleich sie aufs äußerste gefährdet war. Mit eigener Lebensgefahr löschten zwei Brüder Ey, die am Glockenturm schon emporzüngelnden Flammen und retteten so die Kirche vor dem Verderben. Es blieben bei diesem Brande nur noch 462 Wohnhäuser stehen.

     Der Wiederaufbau der Stadt wurde mit aler Tatkraft in Angriff genommen, so daß 1726 schon die Münze, bald darauf das Rathaus und 1730 das Amthaus wieder bezogen werden konnten. Aber noch lange litten die Bewohner unter dem großen Schaden, den dieser Riesenbrand angerichtet hatte. Um solche klägliche Stadtverwüstung für die Folge abzuwenden, erließ König Georg II., der 1729 Clausthal besucht hatte, am 7. Mai 1760 eine „verbesserte Feuerordnung“ die in 118 Paragraphen in einer für die damalige Zeit vorbildlichen Weise alles, was für die Verhütung und Löschung von Bränden von Nutzen sein konnte, verordnete.

     Unter der Geltung der neuen Feuerordnung blieb Clausthal lange von größeren Bränden verschont. Erst nach Beginn des neuen Jahrhunderts stellten sich solche wieder ein. So wurden durch Feuer zerstört 1805 am Zellbach 8 Häuser, 1818 daselbst 29 Häuser, 1820 an der Sorge 12 Häuser, 1822 daselbst 28 Häuser, 1823 an der Silberstraße 17 Häuser, 1833 an der Buntenböckerstraße 9 Häuser und 1842 an der Osteröderstraße 7 Häuser. Klingen diese Angaben schlimm genug, so treten sie aber doch an Bedeutung völlig zurück gegenüber dem großen Brande am 15. September 1844, dem 213 Wohnhäuser zum Opfer fielen.

     Das Feuer entstand abends 11½ Uhr im Stalle des Kaufmanns Hecht an der Kollstraße und verbreitete sich bei heftigem Südwestwinde so unglaublich schnell, daß in kurzer Zeit die Koll- und Schulstraße, die Bergstraße, der Kronenplatz, der obere Teil der Goslarschen Straße und der Zellbach bis zum Bäcker Dellwigschen Hause in Flammen standen. Bis morgens 6 Uhr Tagen 213 Wohnhäuser und 235 Hintergebäude in Schutt und Asche, darunter die Apotheke und das Physikathaus, die Höhere Töchterschule und die Generalsuperintendentur, das Gymnasium und die Bürgerschule, die Gottesackerkirche und die Hospitäler. Das Feuer hatte diesmal den alten Stadtteil vernichtet, der bei dem großen Brande von 1725 verschont geblieben war Drei Personen, die ihre Habe zu retten versuchten, kamen in den Flammen um, nämlich die Lehrerin Amalie Klingsöhr, die Frau des Bergmanns Ruhstein und der Bergmann Peschau.

     Nach 10 Jahren brach am 18. April 1854, dem 3. Ostertage, ein neuer Brand aus, bei dem an der Osteröder Straße und Sägemüllerstraße 101 Wohnhäuser mit 114 Nebengebäuden eingeäschert wurden. Viele Häuser konnten damals nicht wieder aufgebaut wereden. Die letzten größeren Brände in Clausthal waren am 6. Juli 1874, als das städtische Brauhaus und 4 Nachbargebäude an der Sägemüllerstraße in Flammen standen, und am 26. August 1883, da 10 Wohnhäuser an der Buntenböckerstraße in Schutt und Asche sanken. Noch einmal kam am 29. Dezember 1924 an der Goslarschen Straße ein Feuer auf, dem 5 Wohnhäuser zum Opfer fielen.

     Über die Brände in Zellerfeld stammt die älteste Nachricht aus dem Jahre 1626, wo am 23. März, wenige Tage nach der Erstürmung der Stadt durch Tilly, infolge von Unachtsamkeit des Kriegsvolkes 43 Wohnhäuser niederbrannten. Die folgende Feuersbrunst am 12. Mai 1671 zerstörte 16 Häuser. Aber es war erst das Vorspiel, denn schon im Jahre darauf ereignete sich am 18. Oktober 1672 das größte Brandunglück, das der Oberharz je gesehen hat, und das auch das Clausthaler Unglück von 1725 an Bedeutung noch übertroffen hat. In 4 Stunden wurden damals von 563 Wohnhäusern 465 in Schutt und Asche gelegt.

     Das Feuer kam des Nachts um 1 Uhr im Hause des Predigers Georg Walter auf und vernichtete mit rasender Schnelligkeit fast die ganze Stadt; nur 98 kleine Häuschen blieben an den Ausgängen der Stadt stehen. An öffentlichen Gebäuden gingen dabei verloren die St. Salvatoriskirche, die Obere Kirche, das Juliusstift genannt, die Pfarrhäuser, drei Schulgebäude, das Rathaus, das Amtshaus, das Zehnthaus und die Münze. Das Brandunglück wurde dadurch verschärft, daß eine Seuche ausbrach, der die durch Hunger und Kummer geschwächten Leute wenig Widerstand entgegen zu setzen vermochten. Auf Vorschlag des Clausthaler Bergarztes Dr. Ramlow wurden die Kranken besonders gut verpflegt, von den Gesunden abgesondert und teilweise in einem zu diesem Zwecke auf Kosten der Knappschaft und Kämmerei bei dem Spittel angebauten Hause untergebracht.

     Der unglückliche Prediger Walter, der den Brand verschuldet haben sollte, begab sich in seiner Not nach Braunschweig zum Herzog Rudolf August, der den Fall untersuchen ließ und dem Walter nach Feststellung seiner Unschuld ein Schreiben an den Berghauptmann von Heimburg mitgab, worin dieser beauftragt wurde, Walter wieder in sein Amt einzusetzen und darin zu schützen. Dies geschah, und Walter ist dann 1676 noch Superintendent in Zellerfeld geworden.

     Der Wiederaufbau der Stadt konnte mit Hilfe der bedeutenden Unterstützungen, welche Städte und Fürsten, selbst das Ausland beisteuerten, schon bald in Angriff genommen werden. Man stellte ohne Rücksicht auf die alten Straßen einen völlig neuen Bauplan auf, der eine weiträumige Anlage der Stadt mit breiten, geraden und rechtwinklig zueinander [44] verlaufenden Straßen vorsah. Diese Anordnung mit der Vorschrift, bei Neubauten die Schindeln durch Ziegeln und Schiefer zu ersetzen, wird dem Aufkommen großer, weit ausgedehnter Brände oft entgegengewirkt haben.

     Trotzdem entstand wieder am 6. Juni 1737 im Hause bes Bergmanns Wagener an der Bergstraße durch Blitzschlag ein größerer Brand, dem 196 der besten, neuerbauten Wohnhäuser, etwa ein Drittel der Stadt, zum Opfer fielen. Mehrere Personen fanden in den Flammen ihren Tod. Etwa 15 Jahre danach sind am 15. Februar 1753 noch einmal 53 Häuser an der Unteren Marktstraße und deren Umgebung niedergebrannt. Das Feuer soll durch ein Mädchen aus Wildemann angelegt worden sein.

     Im folgenden Jahrhundert sind dann noch in Zellerfeld durch Brände vernichtet worden 1812 an der Unteren Marktstraße 63 Häuser, 1820 an der Schützenstraße 10 Häuser, 1820 an der Schützenstraße 10 Häuser, 1820 an der Goslarschen Straße 45 Häuser, 1835 an der Treuerstraße 7 Häuser, 1837 an der Goslarschen Straße 12 Häuser, 1842 an der Oberen Marktstraße 6 Häuser und 1869 an der Unteren Marktstraße 20 Häuser. Zuletzt entstand während der Kriegszeit am 15. Juni 1915 ein Brand an der Teichstraße, dem 6 Wohnhäuser zum Opfer fielen.

     Von der Bergstadt St. Andreasberg wird uns nur ein großer Brand berichtet, der aber einer der entsetzlichsten im Oberharz war. Er entstand am 8. Oktober 1796 durch einen Blitzstrahl in der Nähe des Rathauses und legte binnen 17 Stunden fast das ganze „Oberland“, die Kirche mit der eben fertig gewordenen Orgel, die Pfarrhäuser und Schulen, das Amthaus und das Rathaus samt 249 Bürgerhäusern in Schutt und Asche. Die verschont gebliebenen 174 Wohnhäuser, die Gaipel, Zechenhäuser, Rinderställe und sonstigen Wohngelegenheiten in der Nähe konnten die Obdachlosen nicht fassen; viele Familien mußten einstweilen nach Lauterberg und Altenau auswandern. Der Plan, die Stadt auf die „Dorothee“ zu verlegen, zerschlug sich leider an dem Widerspruch der Abgebrannten, die ihre Keller nicht aufgeben wollten. Die Stadt wurde deshalb in ihrer ursprünglichen Form wieder aufgebaut.

     Unter den Bränden in den kleineren Bergestädten steht die Einäscherung Grunds am 10. Februar 1626 durch spanische Kriegsvölker obenan. Sie wurde von den wilden Horden so gründlich betrieben, daß damals nur noch ein Haus stehen geblieben sein soll. Nicht ganz so schlimm war es 1553 in Wildemann, wo Mansfeldische Kriegsvölker die Häuser ansteckten. Später brannten hier am 22. Juli 1739 in der Hauptstraße 60 Häuser ab, wobei außer 80 fetten Hammeln 3 Menschen in den Flammen umkamen. Bei den folgenden Bränden gingen am 23. Juli 1748 21 Häuser, am 31. Januar 1873 = 7 Häuser, am 8. September 1913 wieder 7 Häuser und endlich am 1. März 1914 die Kirche in Flammen auf. In Altenau war der größte Brand am 6. Juli 1794, der an der Breitenstraße 29 Wohnhäuser eineäscherte. In Lautenthal hat am 8. Oktober 1846 eine größere Feuersbrunst stattgefunden, doch ist die Zahl der abgebrannten Häuser nicht bekannt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. fehlendes Wort ergänzt.
  2. Rudolph Leopold Honemann: Die Altertümer des Harzes, Vierter Theil, Kap. 28. § 43