Die sieben Steine bei Preußlitz

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Textdaten
Autor: unbekannt
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Titel: Die sieben Steine bei Preußlitz
Untertitel:
aus: Anhalt's Sagen, Märchen und Legenden, S. 198-199
Herausgeber: Friedrich Stahmann, Ludwig Züllich
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1844
Verlag: Gröning
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Erscheinungsort: Bernburg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung: Sage über Tänzer, die während des Gottesdienstes tanzen und zu Stein verwandelt werden, Deutung des ehemaligen Großsteingrabs "Sieben Steine" bei Preußlitz
Siehe auch Die Mordgrube zu Freiberg
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[198]
198.
Die sieben Steine bei Preußlitz.

Der Sonntag kam mit seiner Feierstunde,
Und fromm zur Kirche rief des Küsters Lauten
Und Beter nah’ten weither aus der Runde.

Das Kirchlein, d’rin sie oft sich schon erbau’ten,

5
Schloß freundlich sie in seine heil’gen Arme,

Daß Manchem da die Augen überthauten.

Das kranke Herz ward frei vom ird’schen Harme,
Ein heil’ger Fried’ erhob’s auf Engelschwingen,
Nicht fleht’s umsonst: „O, Herr, dich mein erbarme“.

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Horch! durch der Orgel sanfte Töne dringen

Urplötzlich Klänge einer alten Fiedel
Und Lärm, als wenn im Tanz die Bursche springen.

Kam da in’s Land ein Mönch, ein greiser Siedel,
(Wer las nicht Frömmigkeit in seinen Zügen!)

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Und doch ist er’s, der draußen spielt die Fiedel.


O, nicht durch äußern Schein laßt Euch betrügen!
Er war verstoßen aus des Klosters Mauern
Ob seiner Zunge gottverfluchtem Lügen.

Doch ließ sich das der Bösewicht nicht dauern,

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Nein, Rache sann er tief im schwarzen Herzen,

Wie’n Eber dräut dem Waidmann mit den Hauern.

Begann ob heil’gem Gottesdienst zu scherzen,
(So ließ der Schwach’ vom Satan sich bethören!)
Und Gottes heil’ge Diener anzuschwärzen.

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Auch heute möcht’ er fromme Andacht stören!

Doch wie? – Er leiht sich eine alte Geige
Und schnell läßt er als Virtuos sich hören.

Der Zug der Beter geht schon auf die Neige,
Nur noch drei Pärchen, Bursch’ und blonde Mägde,

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Sie schlendern kichernd nach dem Himmelreiche.


„Halt, – denkt der Mönch, in dem die Höll’ sich regte -
Jetzt gilt’s! recht lust’ge Stückchen will ich geigen;“
Und flugs den Fiedelbogen er bewegte.

[199]
Die Pärchen steh’n und horchen, und bezeigen
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Gar große Lust, eh’ sie zur Kirche gehen,

Sich hier zu dreh’n im leichtgeschwung’nen Reigen.

Spricht da ein Bursch’: „Hör’t doch! „Gott in der Höhen
Wird erst gesungen! Vor des Pfarrers Rede
Ist unser Tänzchen abgemacht, geschehen.“

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Da thaten denn die Mädchen auch nicht spröde

Und hin im Walzer fliegen sie behende,
Und keines glaubt, daß Unrecht d’rum es thäte.

Und in der Kirch’ ist der Gesang am Ende.
Sie tanzen noch! „Ei, nur noch fünf Minuten!“

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Der Mönch geigt fort, als ob in Gluth er stände.


Doch plötzlich jetzt die wilden Tänzer ruh’ten,
Verstummt der Rede gottverfluchtes Lästern,
Und von den Wangen fliehen schnell die Gluthen.

Die Bursche rufen: „Tanzt doch, liebe Schwestern!“

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Und können selbst die Füße nicht mehr heben.

„Ach, – rief die Ein’ – ich schlief nicht aus von gestern!“

Und hin durch Alle zittert eis’ges Beben,
Ein Schatten ist an ihnen hingegangen
Und sie sind Stein und Keines mehr am Leben.

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Da rauscht’ die Orgel auf, die Frommen sangen:

 Requiescant in pace.“

(Ungenannter.)

Anmerkungen (Wikisource)

Requiescant in pace: Sie mögen in Frieden ruhen.