Die unfehlbare Bowle

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Autor: Hermann Oelschläger
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Titel: Die unfehlbare Bowle
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 22, S. 361–362
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[361]
Die unfehlbare Bowle.
Die Gartenlaube (1871) b 361.jpg

Schwerer Klosterdienst.
Originalzeichnung von Vincent St. Lerche in Düsseldorf.

Pfingsten, das liebliche[WS 1] Fest, ist gekommen,
Festliche Züge durchwallen den Hain
Und in die Lieder, vom Flusse vernommen,
Hallen die andern vom Walde darein.

Glückliche Menschen auf Wiesen und Auen –
Aber geschützt vor dem sonnigen Strahl
Ist hoch dort oben das Kloster zu schauen,
Schauet aus Gärten herab in das Thal.

Stille ringsum. Nicht Schuh und nicht Sohle
Wird in den Gängen, den schweigenden, laut
Während ein Bruder die duftende Bowle
Kundiger Hand für die Möchlein dort braut –

Die, an der Tafel vergnüglicher Runde,
Kuttenumhüllt und das Käppchen von Sammt
Auf dem geheiligten Haupte, zur Stunde
Ruh’n von des Festtags beschwerlichem Amt.

[362]

Schon blitzt der Schalk aus den Augen der Zecher –
Sieh da, umflossen vom sonnigen Licht,
Hebt der Prälat den getriebenen Becher,
Klopft sich auf’s rundliche Bäuchlein und spricht:

„Pfingsten, das liebliche Fest, ist gekommen,
Aber, ehrwürdige Väter im Herrn,
Schwer ist das geistliche Herz mir beklommen,
Ach, denn die Tage des Glückes sind fern.

Mitten in Aufruhr und tosender Brandung
Schwanket St. Petri geheiligtes Schiff
Und statt der Rettung, der glücklichen Landung,
Dräuen vernichtend nur Felsen und Riff.

Keck, auch ihr Letztes der Kirche zu rauben,
Naht der Empörer. Den Bann ihm auf’s Haupt!
Warum auch will er das Neue nicht glauben,
Da er bisher doch das Alte geglaubt?

Doch nichts vom Streit mehr! Beim vollen Pokale
Bin ich den Geist mir zu loben geneigt,
Der aus der lichten, krystallenen Schale
Duftenden Kräutern und Blüthen entsteigt.

Pfingsten! Die Botschaft ist richtig erklungen:
Zückt ob dem Haupt euch nicht da schon und dort
Feurig ein Flämmchen? Von feurigen Zungen
Hört’ ich im Flug manch’ verwegenes Wort.

Und seht, dort naht schon aus dämmriger Halle
Wieder der Bruder, die Bowle im Eis –
Sie ist unfehlbar –: in jeglichem Falle
Macht sie die Köpfe und Herzen euch heiß.

Sie ist unfehlbar! Ihr habt es vernommen!
Wer widerspricht – meinen Bann ihm auf’s Haupt!
Pfingsten, das liebliche Fest ist gekommen:
Hebt denn die Becher und trinket und glaubt!“

Hermann Oelschläger.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: geliebte. Korrigiert gemäß Berichtigung.