Zum Inhalt springen

Die ungetreue Frau

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor: Friedrich Lorentz
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die ungetreue Frau
Untertitel:
aus: Aus dem Märchenschatz der Kaschubei, S. 8–9
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1930
Verlag: Fuchs & Cie.
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Danzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Pomorska Digitale Bibliothek, Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[8]
Die ungetreue Frau.

Ein Mann liebte seine Frau sehr. Einmal beim Mittagessen hielt er ein Messer in der Hand und verwundete sie damit, ohne es zu wollen, am Finger. Als er das Blut an ihrem Finger erblickte, erschrak er so, daß er ohnmächtig wurde, erkrankte und am [9] nächsten Tage starb. Die Frau wußte gar nicht, was sie vor Leid tun sollte, denn er war sehr gut zu ihr gewesen und sie war auch die Ursache seines Todes. Um ihm immer nahe zu sein, ließ sie sich bei seinem Grabe auf dem Kirchhofe ein kleines Haus erbauen, in dem sie bis zu ihrem Tode wohnen und für seine Seele beten wollte.

Einmal erhängte sich auf dem Kirchhofe ein Mensch und die Leute mußten ihn bis zum Eintreffen der Kommission bewachen. In der Nacht war es sehr kalt und der junge Bursch, der den Erhängten bewachen sollte, fror sehr. Um sich zu erwärmen, ging er in das Haus, in dem die Frau wohnte. Während er sich bei ihr aufhielt, stahlen die Verwandten des Erhängten die Leiche. Als der Bursch sah, daß die Leiche fort war, kam er in große Angst, ging zu dem Hause und erzählte der Frau, was geschehen war. Sie sagte: „Aengstige dich nicht, wir werden schon Rat finden. Mein Mann ist erst vor kurzer Zeit begraben, wir wollen ihn ausgraben und aufhängen.“

Der Bursch war einverstanden, aber er sagte: „Gut, aber dem dort fehlten vorn zwei Zähne und dein Mann hatte sie.“

Sie wußte auch dafür Rat und sagte: „Dann können wir doch meinem Manne zwei Zähne ausschlagen!“

Wie sie geraten hatte, taten sie. Sie gruben den Mann aus, schlugen ihm zwei Zähne aus und hängten ihn auf. Als alles glückte, wollte die Frau, daß der Bursch sich mit ihr verheiratete. Aber er sagte:

„Da du es über dich gebracht hast, deinem Manne nach dem Tode zwei Zähne auszuschlagen, obgleich du ihn doch so sehr geliebt hast, könntest du mir auch so tun oder mich sogar töten, wenn dir ein anderer gefallen sollte!“

So heiratete er sie nicht, denn er hatte sich überzeugt, daß sie ihrem Manne untreu war.