Die verhexte Kuh (Meier)

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Textdaten
Autor: Ernst Meier
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Titel: Die verhexte Kuh
Untertitel:
aus: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben.
S. 178–180, Nr. 196
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: Metzler’sche Buchhandlung
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung: Hexensage in schwäbischer Mundart
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[178]
196) Die verhexte Kuh.

Vor etlich Woche bin i von Eßlinge bis Göppinge z’Fueß durs Neckartal gloffe; do hot mi en alts Weib ummen Almosen [179] ang’sprochen und i haun-er a paar Kreuzer gea; dernah sind mer älsg’mach mittenander gangan und hent von ällerloi disk’rirt, von de schlechte Zeite, vom Krieg und Friede, vom Wetter und was mer sust so schwätze duet. Dui alt Frau hat grausig daun und jomert, daß der Verdinst so ring und ’s Geld so rar und d’Leut so bais seiet. „Was haunt ui d’Leut denn Bais's daun?“ haun i se g’fragt. „Was se mer daun hent?“ hat se g’sait; – o Herr, loset! i will ui a G’schicht verzählen und dui ist grundmäßig. Do ist im letzte Sommer so um Johanni rum mei Ma z’Eßlinge ’s Morges vorm Haus g’standen und hat in Kuhstall guckt. „Jergfrieder, sait der Nachber, was fehlt dir?“ „Ach i mag neks sage, sait er; mei Kuh ist mir fast hin,“ sait er. „Ha, was hast denn?“ sait der Nachber. „Narr, anstatt Milch geit se Bluet.“ „So? ha Narr, gang du zum Schmidmichel und sags em no, der ka dir glei helfe!“

Da ist mei Ma zum Schmidmichel ganga, hat en aber nit antroffen und hat zu seim Weib g’sait: „mo ist dein Ma?“ „In der Kelter!“ seit se. „I muoß naus zu em!“ hat mei Ma g’sait und gaht glei wieder furt zum Schmidmichel naus in d’Kelter. „Was suchst?“ sait der Michel. „Was i vor mir sieh!“ sait mei Ma. „Ja was witt denn?“ sait der Michel. „Ach denk dir no, mei Kuh ist mir fast hin; anstatt Milch geit se Bluet!“ „So? sait der Michel; hast am letzte Freitig ebben an ebber ebbes ausg’lehnt?“ „Ja Himmelsakerment mein Zuber,“ sait mei Ma. „Laß guet sein! sait der Michel; uf de Mittag will i num komme.“ – Und do ist er au kommen und hat zu mir g’sait, i soll de Melkkübel bringe; und wie-n-i-n bracht hau, hat er g’sait: i soll nunter sitzen und melke. „Narr, haun i g’sait, dees dur i it; se stampft als so.“ „Was stampft so? wart du Himmelsakermenter du! sait der Michel und schläht dui Kuh an d’Seit na, daß ich glaubt hau, d’Ripp brechet-er älle nei. Und do haun i g’molken und der Michel hat älleweil ärger zueg’schlage, und gucket: d’schönst Milch is komme; [180] en ganze Kübel voll haun i kriegt; ’s hätt Naut daun, i hätt ausg’leert.“ – Z’letzte hat der Michel ufg’hairt z’schlagen und is furtgange.

Am andern Tag hats g’hoaße, der alt Ziegler lieg im Bett und sei krank; der Arm sei em agschla, und er sei ganz blo an der Seit.

Seither is dui Kuh im Zuenehme, geit viel Milch, und ganz guete Milch. Jetz gucket, so gahts!

(Mündlich aus Eßlingen.)