Die weiße Frau zu Guttenberg

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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Die weiße Frau zu Guttenberg
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 606–607
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons, Google
Kurzbeschreibung:
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[606]
Die weiße Frau zu Guttenberg.

Auf dem Schloß Guttenberg am Neckar ist vor etlichen und achtzig Jahren die weiße Frau vielen Leuten erschienen, besonders dem Hausgesinde. Sie schlich umher wie der Wind; [607] wenn eine Magd backen wollte, so sprang ihr die weiße Frau auf das Genick, doch war sie leicht, und man hielt sie oftmals für den Alp. Zuweilen stand sie auch am Waschzuber und half den Mägden; sie war gewöhnlich weiß, auch grau, ihr Gesicht voller Falten, ihre Gestalt lang, auch war sie, wie die Leute sagten, die sie gesehen, wohl über hundert Jahre alt. Winters schlich sie aus dem neuen Bau in das neue Schloß, das auf dem Platze des alten erbauet ist, und kehrte alle Sachen um. Ein herzhafter Diener des Burgherrn sah ihr oft nach, wenn sie davon schlich, dafür nahm sie ihm seine Kleider und sein Deckbett, wann er schlief, und trug sie in eine andere Stube. Der Schloßherr hat sie niemals gesehen, hörte sie wohl aber in den Gängen, wenn sie eine starke Tracht Brennholz vor den Oefen niederwarf. Allein sobald er sie ertappen wollte, war sie verschwunden und er fand kein Holz auf dem Gang. Morgens schlich sie dann gewöhnlich in das Backhaus, wo sie sich versteckte, wie das Gesinde oft gesehen hat. Sie that fast Niemand etwas zu Leide; wo sie Einem aber bei der Arbeit half, da mußte er fleißig seyn, dann sah sie ihm zu, und verschwand wieder, ohne ihn zu beleidigen. Als einmal zwei Kammermädchen im Waschhaus ein Bad nahmen, öffnete die weiße Frau die verschlossene Thüre, so daß die Mädchen erschrocken davon liefen. Da ließ der Burgherr an der Ecke des Waschhauses, wo die weiße Frau zu verschwinden pflegte, aufgraben, und man fand die Gerippe eines großen Menschen und eines Kindes. Letzteres war von der weißen Frau, denn sie soll in ihrem Leben ein Kammermädchen gewesen seyn, die ihr Kind umgebracht und verscharrt hat. Sie konnte nicht sterben, bis sie die Mordthat gestanden hatte, und sie verlangte, daß der Burgvogt sie zu ihrem Kinde in die Ecke des Waschhauses begraben sollte. Das geschah, und so entstand die weiße Frau. Als man ihre Gebeine wieder gefunden hatte, ließ sie der Burgherr auf dem Kirchhof ehrlich bestatten und seitdem hat die weiße Frau Ruhe und geht nicht mehr zu Guttenberg.

(Siehe Mone’s „Anzeiger etc.“ Jahrg. 1834.)