Die weibliche Kleidung

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Carl Ernst Bock
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die weibliche Kleidung
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 16, S. 213-215
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1855
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[213]
Gesundheitsregeln.
Die weibliche Kleidung.


Die Gartenlaube (1855) b 213.jpg

Die gesunde Leber.

Die Frauen verdanken eine Menge von beschwerlichen und gefährlichen Krankheiten ihrer theils unzweckmäßigen, theils ungenügenden Kleidung, und zwar deshalb, weil diese entweder selbst als Krankheitsursache wirkt oder den krankmachenden Einflüssen leichten Zutritt zum Körper gestattet. Um dies erklärlich zu finden, erinnere man sich nur an Das, was der Körper zu seiner regelmäßigen Erhaltung verlangt (s. Gartenl. Jahrg. III. Nr. 6). Er braucht zuvörderst ein gutes Blut, welches flott durch alle Organe des Körpers hindurch läuft, sodann bedarf er aber auch noch des gehörigen Wärmegrades und des zweckmäßigen, mit gehöriger Ruhe abwechselnden Thätigseins aller seiner Theile. Die Bereitung eines guten Blutes ist nur bei guten Verdauungs- und Athmungsorganen [214] durch Aufnahme passender Nahrung und Luft zu bewerkstelligen; nebenbei ist dann aber auch noch die Reinigung des Blutes (von alten, abgestorbenen und unbrauchbaren Stoffen) durch Lungen, Nieren, Milz und Haut ganz unentbehrlich. Der Mehrzahl dieser zur Erhaltung der Gesundheit erforderlichen Processe tritt nun bei den meisten Frauen die jetzige Kleidung hindernd in den Weg; vorzüglich sind es der Athmungs-, Kreislaufs-, Verdauungs- und Blutreinigungsproceß, welche dadurch gestört werden. Diese Störung geht aber ebensowohl von der Oberkörper- wie Unterkörperbekleidung aus und wird theils vom Kleide und Schnürleibchen, theils von den Unterröcken und der Fußbekleidung veranlaßt.

Die Gartenlaube (1855) b 214 1.jpg

Die verkrüppelte Frauenleber.

Das Corset oder Schnürleibchen, welches immer nur erst von dem Jungfrauenalter an, niemals schon von dem Schulmädchen getragen werden sollte, verlangt eine solche Einrichtung, daß die am Körper wichtigste und bei der jetzigen Construction der meisten Corsets am übelsten behandelte Körpergegend, die dicht oberhalb des Nabels befindliche Oberbauchgegend nämlich, freien Spielraum behält. Diese Gegend, an welcher äußerlich zu beiden Seiten die untern Rippen (Hypochondrien) und vorn in der Mitte die Magen- oder Herzgrube wahrzunehmen ist, birgt in ihrem Innern oberhalb des Zwerchfells das Herz und die untere Portion der Lungen, dicht darunter aber Leber, Magen und Milz, sonach die lebenswichtigsten Organe. Wird diese Gegend fest zusammengeschnürt, so werden alle die genannten Organe eingezwängt und in ihrer Thätigkeit behindert; ja an der verkleinerten, mißgestalteten Leber, bisweilen auch an der Milz, zeigen sich dann sehr oft tiefe Eindrücke der Rippen und des spitzen Endes des Brustbeins (des Schwertfortsatzes).

Die Gartenlaube (1855) b 214 2.jpg

von vorn.

Die Gartenlaube (1855) b 214 3.jpg

von der Seite und

Die Gartenlaube (1855) b 214 4.jpg

von hinten.

Eine solche verkrüppelte, mit Schnürstreifen versehene Leber, welche schon im I. Jahrg. der Gartenlaube (Nr. 26) neben einer gesunden nach der Natur abgebildet wurde, sieht der Leser hier vor sich. – Sollen nun die großen Nachtheile, welche das Zusammenschnüren der Oberbauchgegend nach sich zieht, wegfallen, dann muß das Corset so eingerichtet werden, daß es nur unterhalb dieser Gegend und oberhalb der Hüften den Leib zusammenschnürt, wodurch auch die Taille verbessert und dem Unterlebe ein sicherer Halt gegeben wird. Deshalb dürfte das hier abgebildete Schnürleibchen empfehlenswerth sein. Es wird nur an einer kleinen Stelle (b) geschnürt, darüber (c) und darunter (d) locker gebunden; am Hüftausschnitte (a) läßt sich nach Belieben eine künstliche Hüfte ansetzen, um die Unterkleider tragen zu helfen. Das Planschet (f) könnte recht gut wegfallen; an jedem Seitentheile ist ein breiter elastischer Streifen (e) eingesetzt, um das Ausdehnen der Oberbauchgegend zu erleichtern.

Die Unterkleider, Unterröcke, bringen wie die Corsets ebenfalls der Oberbauchgegend Nachtheil, wenn sie hier blos mittels einfacher Bänder festgebunden werden. Es zeigt sich dies deutlich an der Leber, welche dadurch einen tiefen Quereindruck bekommt. Um dies zu verhüten, sollten die Unterkleider entweder an das Corset angeheftelt, oder durch Trag- (Achsel-) Bänder gehalten werden, oder mittels eines breiten Bundes auf den Hüften aufruhen.

Das Oberkleid kann insofern eine unzweckmäßige Construction haben, als es den Oberkörper theils einengt, theils der Erkältung (besonders des Rückens und der Achselhöhle) aussetzt. Ausgeschnittene, enge, die Schultern, Arme und den obern Theil des [215] Brustkastens (mit dem gerade die Frauen am meisten athmen) einzwängende Kleider sind ebenso unschön wie nachtheilig.

Die Fußbekleidung ist bei den meisten Frauen, zumal bei kalter und nasser Witterung, viel zu leicht. Daher kommt es denn aber auch, daß viele Frauen neben kalten Füßen sogenannten Congestionen oder Blutstockungen in diesem oder jenem Theile ihres Körpers haben, welche recht leicht unheilbare und sehr beschwerkliche Leiden veranlassen können. Ueberhaupt verlangt die untere Körperhälfte bei der Frau weit mehr Schutz vor Erkältung, als ihr gewöhnlich geboten wird und deshalb sind

Beinkleider ganz unentbehrliche Kleidungsstücke für das erwachsene weibliche Geschlecht. Es können dieselben übrigens kurz (bis zum Knie reichend), im Winter von dünnem Wollen- oder Baumwollenzeuge, im Sommer von Leinewand sein. – Strumpfbänder, wenn sie zu tief unten und fest gebunden werden, schaden nicht nur der schönen Form der Wade, sondern stören auch den Blut- und Lymphlauf im Beine, und verdienen deshalb ebenfalls eine Beachtung. – Nur leichtsinnige, ihres Berufes unwürdige Frauen können einer Mode huldigen, welche nicht blos ihren eigenen Körper ruinirt, sondern auch den Grund zur Verkümmerung ihrer ganzen Nachkommenschaft legt.
(Bock.)