Donna Clara

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
« Ratcliff Buch der Lieder (1827) Almansor »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern) am linken Seitenrand.
Textdaten
Autor: Heinrich Heine
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Donna Clara
Untertitel:
aus: Buch der Lieder, Die Heimkehr, S. 267–271
Herausgeber:
Auflage: 1
Entstehungsdatum: 1823–1824
Erscheinungsdatum: 1827
Verlag: Hoffmann und Campe
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Hamburg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans der Ausgabe 1827 auf den Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]

[267]

Donna Clara.

      /kill @eIn dem abendlichen Garten
Wandelt des Alkaden Tochter;
Pauken- und Trommetenjubel
Klingt herunter von dem Schlosse.

5
     

/kill @e„Lästig werden mir die Tänze
Und die süßen Schmeichelworte,
Und die Ritter, die so zierlich
Mich vergleichen mit der Sonne.

      /kill @e„Ueberlästig wird mir Alles,

10
Seit ich sah, bei’m Strahl des Mondes,

Jenen Ritter, dessen Laute
Nächtens mich an’s Fenster lockte.

      /kill @e„Wie er stand so schlank und muthig,
Und die Augen leuchtend schossen

15
Aus dem edelblassen Antlitz,

Glich er wahrlich Sanct Georgen.“
 
      /kill @e[268] Also dachte Donna Clara,
Und sie schaute auf den Boden;
Wie sie aufblickt, steht der schöne,

20
Unbekannte Ritter vor ihr.


      /kill @eHändedrückend, liebeflüsternd,
Wandeln sie umher im Mondschein,
Und der Zephyr schmeichelt freundlich,
Mährchenartig grüßen Rosen.

25
     

/kill @eMährchenartig grüßen Rosen,
Und sie glüh’n wie Liebesboten.
Aber sage mir, Geliebte,
Warum du so plötzlich roth wirst?

      /kill @e„Mücken stachen mich, Geliebter,

30
Und die Mücken sind, im Sommer,

Mir so tief verhaßt, als wären’s
Langenas’ge Judenrotten.“

      /kill @eLaß die Mücken und die Juden,
Spricht der Ritter, freundlich kosend.

35
Von den Mandelbäumen fallen

Tausend weiße Blüthenflocken.

      /kill @e[269] Tausend weiße Blüthenflocken
Haben ihren Duft ergossen.
Aber sage mir, Geliebte,

40
Ist dein Herz mir ganz gewogen?


      /kill @e„Ja, ich liebe dich, Geliebter,
Bei dem Heiland sey’s geschworen,
Den die gottverfluchten Juden
Boshaft tückisch einst ermordet.“

45
     

/kill @eLaß den Heiland und die Juden,
Spricht der Ritter, freundlich kosend.
In der Ferne schwanken traumhaft
Weiße Liljen, lichtumflossen.

      /kill @eWeiße Liljen, lichtumflossen,

50
Blicken nach den Sternen droben.

Aber sage mir, Geliebte,
Hast du auch nicht falsch geschworen.

      /kill @e„Falsch ist nicht in mir, Geliebter,
Wie in meiner Brust kein Tropfen

55
Blut ist von dem Blut der Mohren

Und des schmutz’gen Judenvolkes.“

      /kill @e[270] Laß die Mohren und die Juden
Spricht der Ritter, freundlich kosend;
Und nach einer Myrthenlaube

60
Führt er die Alkadentochter.


      /kill @eWie mit weichen Liebesnetzen
Hat er heimlich sie umflochten;
Kurze Worte, lange Küsse,
Und die Herzen überflossen.

65
     

/kill @eUnd ein schmelzend süßes Brautlied
Singt im Laub’ ein Zaubervogel;
Wie zum Fackeltanze hüpfen
Feuerwürmchen auf dem Boden.

      /kill @eIn der Laube wird es stiller,

70
Und es schweigen die Verborgnen;

Nur die heimlich klugen Myrthen
Hört man flüstern, wie verstohlen.

      /kill @eAber Pauken und Trommeten
Schallen plötzlich aus dem Schlosse,

75
Und erwachend hat sich Clara

Aus des Ritters Arm gezogen.

      /kill @e[271] „Horch! da ruft es mich, Geliebter,
Doch, bevor wir scheiden, sollst du
Nennen deinen lieben Namen,

80
Den du mir so lang verborgen.“


      /kill @eUnd der Ritter, heiter lächelnd,
Küßt die Finger seiner Holden,
Küßt die Lippen und die Stirne,
Und er spricht die langen Worte:

85
     

/kill @e„Ich, Sennora, Eu’r Geliebter,
Bin der Sohn des vielbelobten,
Großen, schriftgelehrten Rabbi
Israel von Saragossa.“