Dr. Airys Naturheilmethode

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Dr. -a-
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Dr. Airys Naturheilmethode
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 12, S. 206
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[206] Dr. Airy’s Naturheilmethode. Haben sich unsere Leser schon einmal überlegt, was unter diesem Prachtworte zu verstehen ist? Wohl nicht! Sonst würde nicht eine so große Anzahl von Gläubigen, nur durch die Reclame bewogen, diesem Schwindel zum Opfer fallen. Ein naturgemäßes Heilverfahren soll den Weg, welchen die Natur bei der Heilung der Krankheiten einschlägt, genau nachahmen. Nun ist aber die Natur nur in den seltensten Fällen so gütig, vorzüglich bei der Schwäche der jetzigen Generationen, selbst eine Krankheit zu einem glücklichen Ausgange zu führen; sie muß, und manchmal recht energisch, von Menschenseite unterstützt werden. Die Bekämpfung einer Erkrankung geschieht auf doppelte Weise. Erstens sucht man die Ursache zu entfernen, bringt z. B. bei Kinderdiarrhöen die in Gährung geratenen Massen vor Allem aus dem Darme heraus, weil sonst die frisch genossenen Speisen gleichfalls sofort in Fäulniß übergehen, zweitens sind die Symptome der Krankheit, hier also Schmerz, öftere dünne Ausleerungen, Fieber etc., zu beseitigen. Der Grundpfeiler einer derartigen vernunftgemäßen Behandlung ist aber selbstverständlich die richtige Erkennung des Uebels. Jeder, der es wagt, ohne eine genaue Kenntniß des gesunden und kranken Baues und Lebens des menschlichen Körpers selbst durch die scheinbar unschuldigsten Mittelchen in den verwickelten Organismus handelnd einzugreifen, ist ein Frevler, der allein von maßlosem Ehrgeize und Selbstüberschätzung, oder öfter noch von schnöder Gewinnsucht geleitet wird. -

Schon bei Ueberlesung des Titels der Airy’schen Broschüre tritt klar zu Tage, daß ihr nichts, als die erbärmlichste Geldschneiderei zu Grunde liegt. „Anleitung zu sicherer und schneller Heilung der am meisten vorkommenden Krankheiten des Menschen durch einfache und bewährte Mittel; Schwindsucht, Krebs, Cholera, Bruchübel, Blattern etc.“ - Betrachten wir nun diese Mittel nach der Analyse von Dr. Hager. In denselben sind hauptsächlich enthalten:

1) Pain-Expeller. Spanische Pfeffertinctur 35 Theile, verdünnter Spiritus 20 Theile (wohl Kampherspiritus, Dr. –a–), Salmiakgeist 20 Theile. Durch Hinzufügung von einem Farbstoff und ätherischer Oele kann Geruch und Farbe beliebig verändert werden. Preis 1 Mark 80 Pfennig. Werth 30 Pfennig.
2) Sarsaparillian. Eine braune, klare Flüssigkeit von süßlichem Geschmack; ein mit etwas Weingeist und Honig versetzter 1 Procent Jodkalium enthaltender Auszug aus Sarsaparilla und Chinawurzel. Kostet 4 Mark 50 Pfennig!! Wirklicher Werth 60 Pfennig.
3) Airy’sche Pillen bestehen aus: Eisenpulver, Jalapenharz, Jalapenpulver, Althäpulver und irgend einem bitteren Extract. Eine Schachtel mit 60 Pillen kostet 1 Mark. Wirklicher Werth 25 Pfennig.

Und diese Stoffe sollen Krebs heilen, Brüche zurückbringen und den Schwindsüchtigen von seinen Leiden befreien? Befreien allerdings, aber in entgegengesetzter Richtung als gesagt. Während der Sarsaparillian wenigstens gar keine Wirkung ausübt, können die beiden anderen Medicamente dem Leidenden großen Schaden zufügen.

Aeußerlich wirkt Pain-Expeller hautreizend, innerlich dagegen sind, vorzüglich bei schwachem Magen, heftige Katarrhe eine häufige Folge; größere Dosen, von dreißig bis vierzig Tropfen an, müssen durch den Ammoniakgehalt bedenkliche Erscheinungen des Nervensystems, sogar Krämpfe hervorrufen. Also ein nichts weniger als unschädliches Präparat. Die Pillen enthalten Abführstoffe, welche bei gereizter Darmschleimhaut streng zu vermeiden sind, abgesehen davon, daß sie durch zu starke Entleerungen bei erschöpfenden Krankheiten, wie gerade Krebs, dem Kranken die letzte Widerstandsfähigkeit rauben. Dieser körperlichen Schädigung vollständig gleich steht der nachtheilige moralische Einfluß. Es liegt etwas Verlockendes in dem Gedanken sich selbst zu helfen, man versucht wenigstens, ob die Versprechungen wahr sind, und - verpaßt den rechten Zeitpunkt, wo schnelles Einschreiten nothwendig war. Freilich gesteht nur in den seltensten Fällen der Patient dem Arzte, wie er noch zum Schluß seine Gesundheit gänzlich zerstörte. Möge daher endlich die Erlösungsstunde schlagen, in welcher das Reichsgesundheitsamt diesem verderblichen Treiben der Pfuscher und dem Geheimmittelschwindel eine feste Schranke entgegensetzt!

Dr. -a-