Du füllst mit lichtem Schimmer

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Textdaten
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Autor: Rudolf Lavant
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Titel: Du füllst mit lichtem Schimmer
Untertitel:
aus: Eichenlaub und Fichtenreis
Herausgeber: Wilhelm Achilles
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1901
Verlag: Verlag von Wilhelm Achilles
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Erscheinungsort: Leipzig-Eutritzsch
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Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons,
S. 55–56
Kurzbeschreibung:
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[55]

39.


     Mel.: Am Brunnen vor dem Thore etc.

     1. Du füllst mit lichtem Schimmer den wohlig warmen Raum, du prangst in Glanz und Flimmer, geliebter Weihnachtsbaum! Wie sich in dem Geäste der Kerzen Fülle drängt! Wie haben sie auf’s Beste mit Früchten dich behängt!

     2. Doch glücklich dich zu nennen – nein, ich vermag es nicht. Es wird herunter brennen zu früh nur Licht um Licht. Der Flämmchen Strahlen wandern unstet umher im Saal, und eines nach dem andern zuckt auf zum letzten Mal.

     3. Und wie die Lichter starben am grünen Tannenbaum, verbleicht die Pracht der Farben, der Gold- und Silberschaum, bis eine Hand von unten in’s Astgewirre greift und all’ den Schmuck, den bunten, von schwanken Reisern streift.

     4. Dann ist vorbei das Funkeln, betrog’ner, armer Thor! Du stehst allein im Dunkeln und kommst dir elend vor. Vergessen dann von Allen, wehrst du dem Welken nicht, und von den Zweigen fallen die Nadeln still und dicht.

[56]

     5. Dem Manne, der die Mitte des Lebens schon erreicht und nun mit trägem Schritte vom Gipfel abwärts schleicht, leicht mag es ihm erscheinen in trüber Träumerei, als ob verwandt dem seinen das Los des Baumes sei.

     6. Es prangt in fremden Schmucke das jugendliche Herz, eh’ es zermürbt vom Drucke und von geheimem Schmerz; doch was es träumt und dichtet, ist all’ ein holder Wahn – er wird verweht, zernichtet und trauernd abgethan.

     7. Weh ihm, der dann verlassen, allein im Dunkeln steht, indeß auf lauten Gassen der Weltlauf weiter geht! Weh ihm, der, einsam immer, in’s Stromgetriebe sieht, das immer neue Schwimmer in seine Strudel zieht!

     8. Wohl ihm, der dann in seiner umschließt des Freundes Hand, den er in rascher, reiner, glücksel’ger Jugend fand, der in des Busens Weite mit ihm die Welt umfing und neben ihm zum Streite wie zum Gelage ging.

     9. Den Freund aus Jugendtagen, o halt’ ihn innig wert – du möchtest später klagen, daß er nicht wiederkehrt! Dem Freund auf Tod und Leben, der mit dir weint und lacht, ihm bleibe treu ergeben, ihm sei dein Hoch gebracht!