Ein Affenstreich

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Titel: Ein Affenstreich
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aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 675
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[675] Ein Affenstreich. Es war in schwüler Mittagsstunde unter der brennenden Sonne Indiens, als ein junger Engländer auf der Jagd zufällig an das stille Ufer eines abgelegenen Sees kam, wo seiner ein merkwürdiges Schauspiel harrte. Ein Patriarch des Urwaldes breitete seine mächtigen Aeste weit über das Wasser hinaus, und auf einem der untersten und stärksten lag in sich zusammengerollt eine Riesenschlange in sanftem Mittagsschlafe, während hoch über ihr ein kräftiger Pavian mit gespanntester Aufmerksamkeit das Nahen eines gewaltigen Krokodils beobachtete, das schlafend von der langsamen Strömung dem Baume zugetrieben wurde. In dem Augenblicke, wo das Krokodil gerade unter dem Aste durchkam, warf sich der Affe plötzlich auf die Schlange und stürzt mit ihr hinab auf den Saurier. Im Nu jedoch war er wieder am Ufer und auf dem Baume, von wo er in Sicherheit den weiteren Erfolg seines Streiches abwartete. Die beiden Ungeheuer, so heftig aus ihrem Schlafe aufgeschreckt, begannen sogleich einen Riesenkampf. Der Saurier hatte seine scharfen Zähne mitten in den Leib der Boa geschlagen, während diese den Gegner in ihren mächtigen Windungen zu erdrücken suchte und beide das bisher so stille Wasser in hohe schaum und blutbedeckte Wogen aufpeitschten. Je wilder der Kampf tobte, um so toller und freudetrunkner sprang der Affe auf dem Baume herum, kletterte herab bis dicht über die Feinde und weidete sich an dem Anblick ihrer Wuth und ihrer Schmerzen. Endlich ward es ruhig; die Schlange trieb zerrissen und leblos dahin, und auch den Krokodils Unbeweglichkeit ließ erkennen, daß es nicht minder besiegt als Sieger sei.

Mit Staunen und nicht ohne einiges Herzklopfen hatte der Jäger den ganzen Auftritt mit angesehen. Die fast teuflische List und Schadenfreude des Pavians reizte ihn jetzt, sich zum Rächer der beiden Opfer seiner Bosheit auszuwerfen und er sandte ihm daher zum Schlusse des Spieles eine Kugel zu; allein er fehlte, und höhnisch schnatternd entsprang der unverletzte Affe in den Wald. Wer weiß, ob er nicht selbst hier nur eine hochheilige Vehme an den Mördern seiner Verwandten geübt hatte?