Ein Besuch auf Caprera (Die Gartenlaube 1861/7)

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Autor: Unbekannt
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Titel: Ein Besuch auf Caprera (Die Gartenlaube 1861/7)
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aus: Die Gartenlaube, Heft 7, S. 108–111
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1861
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Ludwig Mieroslawski, polnischer General, zu Besuch bei Garibaldi
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Ein Besuch auf Caprera.

Unweit der nordöstlichen Küste der Insel Sardinien, nahe bei der Insel Maddalena, liegt das vielgenannte Felseneiland Caprera, auf welchem der Eroberer zweier Königreiche, Garibaldi, sich in sein ländliches Besitzthum zurückgezogen hat und, ein zweiter Cincinnatus, nachdem er die höchsten Ehren und Würden ausgeschlagen, wieder seine Felder bebaut oder der Gärtnerei, der Jagd und der Fischerei lebt. Als Garibaldi im Mai des Jahres 1855 zum ersten Male auf Caprera landete, fand er daselbst eine wüste Granitmasse, die nur spärlich und an wenigen Stellen mit einer dünnen Erdschicht bedeckt war und kaum einigen aromatischen Pflanzen und beerentragenden Stauden eine dürftige Nahrung zu reichen vermochte. Mit rastlosem Fleiße gelang es ihm jedoch, das störrische Land in einem weiten Umkreise urbar zu machen und sich inmitten desselben ein ganz einfaches Wohnhaus zu errichten, das den bescheidenen Ansprüchen des ehemaligen Dictators von Sicilien vollkommen genügt.

Die Insel selbst hat eine Länge von fünf und einen Umkreis von fünfzehn Miglien (die Miglie ungefähr so groß wie eine deutsche Viertelmeile) und kann sicher noch an vielen Stellen urbar gemacht werden, wenn anders Fleiß und Ausdauer sich vereinigen, um das vulkanische Felsengerölle zu beseitigen. Das einzige stattliche Gebäude auf der ganzen Insel ist bis jetzt jenes Haus Garibaldi’s, von welchem zwar französische und italienische Blätter fabelten, daß König Victor Emanuel, um „dem besten seiner Freunde“ eine angenehme Ueberraschung zu bereiten, es durch eine prächtige Villa auf Caprera habe ersetzen lassen. Das Haus selbst besteht aus einem Erdgeschoß mit neun Räumen, über welches sich nach südamerikanischem Styl ein flaches, mit einer Kuppel gekröntes, nicht zu sehr gegen Wind und Regen geschütztes Dach erhebt. Rechts von dem Flure, der zugleich als Speisezimmer dient, tritt man in das Zimmer Garibaldi’s, das seiner feuchten Lage wegen über der Cisterne äußerst ungesund, aber dem General so lieb und theuer ist, daß keine Macht ihn bewegen kann, dasselbe zu verlassen. Links vom Speisezimmer sind verschiedene Schlafkammern mit Betten. Durchschreitet man sie, so gelangt man in das Zimmer des Pachters oder vielmehr seiner Familie, welche aus diesem, seiner Frau und zwei Söhnen besteht. Hinter dem Zimmer des Pachters liegt die Küche, neben ihr die Speisekammer; aus dieser gelangt man in das hinten hinausgelegene Zimmer Basso’s und anderer Gäste. In der Mitte, hinter dem Flur, befindet sich eine dunkle Kammer mit einer Wendeltreppe, auf welcher man zur macadamisirten Terrasse hinaufsteigt; sie dient zur Aufbewahrung von Kartoffeln und Bohnen. Die Möbel im Zimmer des Generals bestehen aus einer hölzernen Bettstelle mit zwei Matratzen, einem lahmen, mit einem alten grünwollenen Tuche bedeckten Tischchen, welches nächst dem Bette als Nachttisch dient, und einem äußerst reducirten Lehnstuhl vor diesem Nachttisch. Dazu kommen noch zwei Kästen und eine historisch-militairische Bibliothek, in welcher eine Deutsche, die im Jahre 1858 Caprera besuchte, die bedeutendsten Werke, die England über die Nautik und Taktik geliefert, neben den Werken Shakespeare s, Byron’s und Young’s fand; neben älteren naturwissenschaftlichen Schriften den „Kosmos“ des deutschen Denkers; neben der „Ethik“ Plutarch’s die „Reden“ eines Bossuet und die in die liebenswürdigste Form eingehüllte Moral eines Lafontaine. Diese Bibliothek soll nächstens durch das „Manuale del Coltivatore“ von sieben oder acht illustrirten Bänden vermehrt werden. Ein Bild der Tochter Garibaldi’s im Alter von vier Jahren ist der Hauptschmuck des Zimmers. In einem Medaillon über dem Kopfkissen des Generals befinden sich die Haare Anita’s und seiner Mutter. Daneben das Bild von Vecchi; ein alter Nagel aus irgend einem Kasten trägt zugleich mit diesem Bilde die Taschenuhr Garibaldi’s. Neben dem Fenster hängt ein Spiegel, der noch aus dem Haushalt seiner Mutter herstammt. In den beiden Kästen liegen durcheinander Leintücher, Servietten, Handtücher, von Kugeln durchlöcherte Fahnen, alle Andenken verschiedener Regimenter. Die

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Die Gartenlaube (1861) b 109.jpg

Garibaldi und Mieroslawski auf Caprera.

andern Zimmer sind lediglich mit eisernen Bettstellen möblirt. Der Viehstand der Insel ist gering; er besteht aus einem Stier, acht Kühen mit ihren Kälbern, fünf Eseln und zwei Pferden.

Bis jetzt zählt Caprera nur sechs Grundeigenthümer: den General Garibaldi, einen Mr. C … und vier Hirten, während sich neuerdings noch eine misanthropische Engländerin neben Garibaldi angesiedelt hat. Die Hirten begnügen sich mit einer Art natürlicher Höhle, und so ist Garibaldi’s Wohnhaus das Einzige, was von Gebäuden auf Caprera in Betracht kommt.

In diesem Hause, das neuerdings mehrfach von Gästen des Generals besucht ward, empfing Garibaldi am Ende des verflossenen Jahres einen polnischen General, dessen Name zu seiner Zeit vielfältig in ganz Europa genannt wurde. Es war Ludwig Mieroslawski, welcher Garibaldi einen Besuch abstattete. Sicher genügt es, nur mit wenigen Worten das vielbewegte Leben dieses Mannes zu schildern, um sein Bild in den Augen unserer Leser wieder aufzufrischen.

Im Jahre 1814 zu Nemours in Frankreich von einer französischen [110] Mutter geboren, ging er mit seinem Vater, der unter Davoust ehrenvoll in der Armee des Großherzogthums Warschau gedient, nach den Verträgen von 1815 in sein Vaterland zurück, trat in seinem zwölften Jahre in die Militairschule von Kalisch und hatte im Jahre 1830 kaum seine Studien beendigt, als der große polnische Aufstand ausbrach und ihn in seine wilden Strudel hineinzog. In der Nacht des 29. Novembers 1830 trug er durch seinen Muth zur Einnahme des Arsenals bei, wie er sich überhaupt während des riesigen Kampfes für die Freiheit und Unabhängigkeit seines Vaterlandes rühmlich auszeichnete, endlich aber mit seinen Waffengefährten unterlag und ein Asyl in Frankreich suchen mußte. Um sein Leben zu fristen, veröffentlichte er jetzt in Paris mehrere Werke in französischer Sprache, namentlich eine „Geschichte der polnischen Revolution“ (1835>, welche seinen Namen in weiteren Kreisen bekannt machten und seine Ernennung zum Mitgliede des Centralcomité’s der polnischen demokratischen Gesellschaft herbeiführten. Er wurde als einer der Insurrectionschefs von 1848 bezeichnet; aber das Unglück, das sich an alle seine revolutionairen Unternehmungen anheftete, verfolgte ihn auch auf seinem neuen Posten, und kaum war er im Großherzogthum Posen angekommen, als er von den preußischen Behörden verhaftet und alsbald zum Tode verurtheilt wurde.

Mit Talent, Energie und Würde vertheidigte er vor dem Gerichtshof die Rechte seines zerrissenen und zu Boden getretenen Vaterlandes, ja in dem Augenblicke, wo sein Leben auf dem Spiele stand, ließ er in Leipzig eine französische Broschüre unter dem Titel: Débat entre la révolution et la contrerévolution“ erscheinen. Am 19. März 1848 befreite ihn der Sieg des Berliner Volkes über die königlichen Truppen mit seinen Gefährten aus der Gefangenschaft; kurz darauf erhob sich der größte Theil des Großherzogthums Posen gegen die preußische Regierung, und Mieroslawski eilte jetzt, sich an die Spitze der Bewegung zu stellen. Unter seiner Anführung drängten die polnischen Bauern in den Tagen des 1. und 3. Mai mit ihren Sensen zu Miloslaw und Wrzesnia die viermal überlegenen Truppen der Generale Blumen und Hirschfeld zurück. Aber durch die eigenen Erfolge erschöpft mußten die Posener in einem ungleichen Kampfe capituliren, und ihr Führer wurde zum zweiten Male gefangen genommen. Seiner Freiheit zurückgegeben, ging er wieder nach Paris; kaum war er aber daselbst angelangt, als ihn die sicilianischen Patrioten an ihre Spitze riefen, um ihren Widerstand gegen den König von Neapel zu leiten. Wieder heftete sich das Unglück an seine Fersen, und wie tapfer er auch das feste Catanea vertheidigte, so war die verzweifelte Sache Siciliens nicht mehr zu retten, und schwer verwundet sah sich Mieroslawski gezwungen, das schöne Land am 6. März 1849 zu verlassen. Allein er gönnte sich nur eine kurze Ruhe. Die provisorische Regierung des republikanischen Baden bot ihm jetzt den Oberbefehl über die Insurrectionsarmee vom Rhein und Neckar an. Zunächst handelte es sich darum, weit überlegene Streitkräfte zurückzuwerfen. Mit Hülfe von Siegel und Oborski warf er am 16. Juni das Corps Peucker’s bei Leutershausen über den Neckar und am 20. Juni das des Generals Hirschfeld bei Waghäusel über den Rhein zurück. Allein der Mangel an Cavallerie, das Ausbleiben der gehofften Unterstützung anderer deutschen Volksstämme und mehrere andere Ursachen zwangen ihn, sich auf Rastadt zurückzuziehen. Noch hier, auf die Murg gestützt, hielt er 60,000 Mann in Schach, die von den Generalen Peucker, Hirschfeld und Gröben unter dem Oberbefehl des Prinzen von Preußen geführt wurden. Leicht vorherzusehende Niederlagen endigten diesen Feldzug, und Mieroslawski, an seinem Glück verzweifelnd, legte die Waffen nieder und eilte wieder nach Frankreich. Nachdem er drei Armeen unter seinem Oberbefehl gehabt, lebte er zu Paris, wie früher, in bescheidener Zurückgezogenheit, getheilt zwischen Unterricht, der ihm seinen Lebensunterhalt verschaffte, und gelehrten Forschungen über Militärkunst, Geschichte und Politik. Seine strategischen Kenntnisse, sein schriftstellerisches Talent, die Heftigkeit seiner Ueberzeugungen haben ihm einen Platz unter den Führern der Partei gesichert, die trotz aller Niederlagen noch immer auf die Wiedererhebung Polens hofft und sie vorbereitet.

Solche Pläne mögen es wohl auch gewesen sein, welche den General Mieroslawski zu Garibaldi führten. Der Empfang war ein überaus herzlicher. Oeffentliche Blätter meldeten, der Befreier Italiens habe in seiner Anrede an Mieroslawski unter andern geäußert: „Italien hat Ihnen, General, eine große Schuld abzutragen: Sie waren der Vorkämpfer des sicilianischen Befreiungskriegs, und als Sie bei Palermo schwer verwundet vom Pferde sanken, da riefen Sie wie ein Römer Ihren Legionen zu: „Achtet nicht auf mich; achtet auf den Sieg!“ Italien wird diesen Muth, diese Aufopferung der Polen nicht vergessen; die Freiheit ist ein gemeinsames Gut für alle Völker, für den Süden, wie für den Norden! Die Auferstehung Italiens ist die Vorläuferin der Freiheit Polens!“ –

Wir können nicht bestimmcn, ob diese Anrede wirklich in dieser Weise gehalten worden ist, alle Anzeichen deuten aber darauf hin, daß sich neue Bewegungen in Polen, wie in Ungarn vorbereiten und daß das Beispiel Italiens ansteckend auf die beiden genannten Völker wirkt. Man thäte in der That dem Selbstherrscher der Franzosen zu viel Ehre an, wollte man ihn, wie von einigen Seiten her geschieht, zum Erfinder des Strebens der „Nationalitäten“ nach Freiheit und Unabhängigkeit stempeln. Dieses Streben ist so alt, wie die Unterdrückung, und das kostbarste Blut edler Jünglinge und Männer ist für die Verwirklichung jener Ideen in Schlachtfeldern wie auf Schaffoten reichlich, aber noch immer vergebens geflossen. Die Zerreißung Polens, eine der größten Schandthaten, welche die Geschichte aller Völker und Zeiten aufzuweisen vermag, wird deshalb immer und immer Wehe über die schreien, welche damals die gierige Hand ausstreckten nach dem willkommenen Raube.

Auch wir Deutschen haben eine schwere Sünde an den Polen begangen, als wir mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln versuchten, sie zu entnationalisiren; denn es giebt für ein Volk nichts Heiligeres zu verlieren als seine Nationalität. Und Polen war Jahrhunderte hindurch die Vormauer gegen die barbarischen Horden des Ostens; es hat unsere deutschen Grenzen treu behütet, und zum Dank dafür haben Oesterreich, Preußen uuk Rußland es in drei Theilungen nach und nach aus der Liste der Nationen gestrichen. Man wirft den Polen nicht ganz mit Unrecht vor, daß sie es nicht verständen, sich in ruhiger Entwickelung zu einem freien Staatsleben zu gestalten! Aber just als sie es wollten im Jahre 1791, als sie die friedliche Lösung des großen Räthsels gefunden, fielcn deutsche und russische Truppen in ihr Land und vernichteten allen Verträgen und allem Völkerrechte zum Hohn die garantirte Verfassung vom 3. Mai 1791, welche nichts weiter als eine gemäßigte Erbmonarchie mit erweiterter Volksvertretung erzielen sollte.

Es dürfte, wie gesagt, andererseits wohl in Frage gezogen werden, ob das polnische Volk, auch wenn es wieder zu einem Volke vereinigt wäre, sich in einem freien Staatsleben zu gestalten und geordnet in die Staatenreihe Europas einzutreten vermöchte, da ihm der nothwendigste Bestandtheil, der kräftigste Träger der Freiheit, ein tüchtiger Bürgerstand, großentheils noch mangelt. Was der polnische Adel unter Freiheit versteht, ist allerdings noch weit entfernt von Gleichberechtigung und jener bürgerlichen politischen Freihcit, die jedem Einzelnen das Recht einer ungehinderten Existenz und gleichen Antheil an der politischen Gestaltung seines Vaterlandes giebt. Bis jetzt kennt der dortige Adel nur seine Rechte, keine Pflichten, und für seine Rechte namentlich – nicht für das allgemeine Landeswohl – hat er gestritten und geblutet. Auch ist die Erscheinung, daß sich, wie in Posen, das polnische Element dem deutschen gegenüber in keiner Weise zu halten versteht, nicht unwichtig. Deutscher Fleiß und deutsche Rührigkeit haben dort in wenigen Jahren mehr Cultur unter die Polen getragen, als es polnische Lehrer in Jahrhunderten vermocht, und deutsche Intelligenz und Rechtspflege sind es, die die Masse der polnischen Bevölkerung gehoben und die Knechte zu Staatsbürgern gebildet haben.

Aber alle diese Fragen mögen sich die Polen selbst stellen; uns ziemt es nicht, das polnische Volk als solches für geistig unmündig auszugeben und es in seinem Streben nach nationaler Entfaltung großsprecherisch zurückzuhalten.

Eine ähnliche Berechtigung zu nationaler Gestaltung steht auch den Ungarn zu, denen Garibaldi ebenfalls von Caprera aus ermuthigende Worte zugerufen haben soll, als sein treuer Waffengefährte, General Dürr, ihm den Diamantenstern überbrachte, welchen ihm die übriggebliebenen Tausend verehrt hatten, die mit ihm im vergangenen Jahre zu Marsala landeten. Auch Ungarn hat ein wohlbegründetes Recht, seine alte Verfassung, seine beschworenen und garantirten Gesetze zurück zu verlangen. Nur allzu oft hört man ja von gewissen Seiten die Worte erklingen: das historische [111] Recht verjährt nicht; soll dies nur so viel heißen, daß es bei den Regenten nicht verjährt, wohl aber bei den Regierten? Auch Ungarn hat eine glorreiche Geschichte hinter sich und thut wohl daran, sich seiner zu erinnern und die an sich guten Gesetze seiner alten Verfassung aufrecht zu halten, resp. sie den Anforderungen der Neuzeit anzupassen. Wenn aber Böhmen, wie es in der neuesten Zeit vielfach geschehen, seine slavischen Agitationen wieder hervorsucht und in ungezügelter Wuth auf deutsche Art und deutsches Wesen schmäht, so möge es doch eingedenk sein, daß es – wir glauben nicht zu viel zu sagen – das meiste Gute, was es überhaupt besitzt, einzig und allein den Deutschen verdankt. Um 806 wurde es bereits von Karl dem Großen abhängig, am 15. Juli 895 trat es zu Regensburg freiwillig in den deutschen Reichsverband, und schon zu jener Zeit fing deutsche Cultur an, sich in Böhmen auszubreiten; die Abhängigkeit von Deutschland dauert durch lange Jahrhunderte fort, und vergebens suchte sich Ottokar der Oberlehnsherrlichkeit Rudolph’s von Habsburg zu entziehen. All seine Blüthe und seinen Wohlstand verdankt es Deutschland, und es gehört ein starker Uebermuth dazu, dies abzuleugnen oder zu verkennen. Einst trug Böhmen als deutsche Kur dem Kaiser das Schwert voran, und jetzt will es Miene machen, sich „dem Kaiser und dem Reich“ zu entziehen! Böhmen kann nicht auf eigenen Füßen stehen, daher schließe es sich mit all seinen Kräften, wie früher, an Deutschland an, das seine starke Tochter mit mächtigen Armen zu schützen wissen wird.

Was aber auch die kommenden Zeiten bringen mögen, der herzinnige Wunsch schließe diesen Artikel: Möge bei den kommenden Kämpfen jeder Deutsche stets bereit sein zu Rath und That, so oft es gilt des Vaterlandes Ehre und Unabhängigkeit. Deutschland über Alles! das sei jedes Ehrlichen Wahlspruch.



Anmerkung WS:

Ein weiterer gleichnamiger Artikel Ein Besuch auf Caprera aus „Die Gartenlaube“ 1863 schildert den Besuch von Wilhelm Rüstow bei General Garibaldi.