Ein Besuch bei Alexander von Humboldt

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Autor: Max Ring
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Titel: Ein Besuch bei Alexander von Humboldt
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 67-70
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1857
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Ein Besuch bei Alexander von Humboldt.

Durch die Empfehlung eines jungen Naturforschers, der sich schon längere Zeit der Gunst und Theilnahme des berühmte Gelehrten erfreute, gelang es auch mir, Zutritt bei Alexander von Humboldt zu erhalten. Bei den zahlreichen Besuchen, mit denen der große Mann täglich beschwert wird, ist derselbe genöthigt, eine gewisse Ordnung zu beobachten. Jeder Fremde, der die Bekanntschaft Humboldt´s zu machen wünscht, hat sich deshalb schriftlich an denselben zu wenden. In dem Falle, daß der Besuch angenommen wird, erhält er eines jener kleinen Billets von der eigenthümlichen Hand des Gelehrten, deren Hieroglyphenschrift keineswegs so leicht zu enträthseln ist. Von seinen Reisen schreibt sich Humboldt die Gewohnheit her, auf einer über seinen Knieen ausgebreiteten Mappe sowohl Briefe wie größere Arbeiten zu schreiben; er bedient sich der lateinischen Lettern. Die Zeilen beobachten nicht immer die gerade Linie, die einzelnen Buchstaben schwanken hin und her, und manches Wort bleibt selbst für die eingeweihten Freunde und Verehrer eine unlösbare Aufgabe, die schon Manchen zur Verzweiflung gebracht hat. Die charakteristische, aber keineswegs kalligraphische Handschrift umschließt aber wie ein unscheinbares Gefäß den köstlichsten Inhalt. Jedes dieser Briefchen, selbst das unbedeutendste, legt ein Zeugniß für den Geist und die humane Bildung des Absenders ab. Es sind Reliquien, die der Empfänger sorgfältig zu bewahren pflegt.

Ein solches Briefchen beglückte auch mich, und lud mich zu Alexander von Humboldt ein. Zur bestimmten Stunde stand ich in der Brandenburger Straße vor dem Hause, welches der berühmte Gelehrte schon seit langer Zeit bewohnt. Das Gebäude gehört dem reichen Banquier Alexander Mendelssohn, mit dessen Familie Humboldt seit Jahren schon befreundet ist. Als Humboldt die ihm lieb gewordene Wohnung verlassen sollte, kaufte Herr Mendelssohn das Haus, und sicherte so seinem Freunde und jetzigen Miether den behaglichen Aufenthalt. Dieser Zug einer liebenswürdigen Pietät von Seiten des Banquier verdient gewiss die vollste Anerkennung.

Mit klopfendem Herzen stieg ich die Treppe hinauf, welche nach der Belle-Etage führt. Ein Gefühl von Ehrfurcht überkam mich plötzlich, als ich in das Vorzimmer trat; mir war zu Muthe, als sollte ich mit dem Könige sprechen. Im Reiche des Geistes ist Alexander von Humboldt sicher ein geborener Fürst von Gottes Gnaden, seine Herrschaft erstreckt sich über die ganze Erde, und sein Name wird in den fernsten Weltgegenden mit Bewunderung und Verehrung genannt. Er erschien mir in diesem Augenblicke als ein Welteroberer im höchsten Sinne. Ich dachte an seinen wissenschaftlichen Siegeszug durch das spanische Amerika, durch die Hochebenen Asiens, wie er die Anden bestieg, auf dem Chimborasso die Fahnen der Wissenschaft wehen ließ, die Krater der feuerspeienden Vulkane durchforschte, das Senkblei des Geistes an die Tiefen des Meeres und an die höchsten Gipfel der Erde legte, die Naturkräfte und ihre Gesetze maß und bestimmte, und magnetische Kreise von einem Punkte zum andern zog. Er war mir wie Napoleon Eroberer, Sieger und Gesetzgeber zu gleicher Zeit. Die Nähe eines solchen Mannes hat für uns zugleich etwas Erhebendes und Demüthigendes. Wir werden uns der eigenen Kleinheit und der Größe der Menschheit bewußt. Ich hatte vollkommen Zeit, diesen Gedanken nachzuhängen, und zugleich einen Blick auf meine nächste Umgebung zu thun. Das Vorzimmer war mit ausgestopften Vögeln, mit Fischen und Seethieren einer fremden Zone erfüllt; rings umher standen verschiedene physikalische und astronomische Instrumente, der gelehrte Apparat, mit welchem der Naturforscher die Wunder der Schöpfung enthüllt. An den Wänden hingen einige Gemälde, meist landschaftliche Ansichten ferner und exotischer Gegenden. Das Ganze stimmte zu dem Charakter und Beruf des Eigenthümers, und bereitete den Gast in würdiger Weise vor.

Nachdem ich einige Augenblicke hier verweilt, erschien der Kammerdiener, Herr Seifert, der bereits länger als dreißig Jahre in Humboldt’s Diensten steht, und dessen Begleiter auf der Reise durch die Steppen Hochasiens gewesen war. Seifert genießt im vollsten Grade das Vertrauen seines Herrn, dem er mit unerschütterlicher Treue anhängt. Seine ganze Erscheinung, welche einen gewissen preußisch militärischen Anstrich trägt, erinnert an den ehrlichen Paul Werner in Lessing’s „Minna von Barnhelm“ und ruft uns das Bild jener alten Diener zurück, welche man fast Freunde nennen kann, und deren Gattung in unserer schnell dahin lebenden und wechselnden Zeit bald nicht mehr gefunden werden dürfte. Der Kammerdiener öffnete mir die Thür, und führte mich durch die Bibliothek, welche der geniale Hildebrandt erst kürzlich in seinem trefflichen Bilde abgeschildert hat, in das eigentliche Empfangszimmer des berühmten Gelehrten. Diesmal richtete sich meine ganze Aufmerksamkeit ausschließlich auf die Erscheinung Humboldt’s selbst. Ein freundlicher Greis in gebückter Haltung trat mir entgegen, und empfing mich mit der humansten und zuvorkommendsten Höflichkeit. Meine schüchtern vorgebrachte Entschuldigung wegen meiner Zudringlichkeit beantwortete er mit einem aufmunternden Lächeln, und bald verlor sich meine Befangenheit im Laufe einer Unterhaltung, die für mich ewig unvergeßlich bleiben wird. Während derselben unterließ ich nicht, das Bild des berühmten Mannes meinem Gedächtnisse für immer einzuprägen.

Die Figur ist nicht groß, eher untersetzt zu nennen, Füße und Hände klein von echt aristokratischer Bildung. Silberweißes Haar umgibt das ehrwürdige Haupt, welches an der hohen und breiten Stirn, dem Tempel des Geistes, den deutlich ausgeprägten Stempel des Genius trägt. Seine Augen sind blau und trotz des hohen Alters ausdrucksvoll und lebendig. Um den fein geformten Mund schwebt ein eigenthümliches Lächeln, halb sarkastisch, halb wohlwollend, voll geistiger Ueberlegenheit und Feinheit, welche nur das Resultat des Wissens und der Erfahrung sind. Während Humboldt spricht, sitzt er gebückt mit auf den Boden gerichteten Blicken vor sich hinsehend; nur von Zeit zu Zeit erhebt er das Haupt, den Hörer freundlich und aufmunternd anlächelnd. In der Unterhaltung

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Alexander von Humboldt.

[69] vergißt man vollständig, daß der berühmte Mann bereits sein siebenundachtzigstes Jahr zurückgelegt hat, so jugendlich frisch, so anregend fließt seine Rede im wunderbaren Wechsel von Scherz und Ernst. Er ist im wahrsten Sinne und in der vollsten Bedeutung Meister des Wortes, der beste Erzähler, der klarste Redner. Ein unermeßliches Wissen steht ihm zu Gebot und trotz des hohen Alters bemerkt man auch nicht die geringste Abnahme eines Gedächtnisses, das wohl kaum seines Gleichen hat. Thatsachen, Namen und Zahlen lassen ihn nie im Stich und er erinnert sich oft der unbedeutendsten Kleinigkeit mit derselben Schärfe, wie der größten und wichtigsten Begebenheit. Um dieses Wunder zu erklären, behauptet zwar die böswillige Fama, daß Humboldt sich auf seine Besuche förmlich vorbereiten soll und oft den staunenden Gast, besonders wenn derselbe Schriftsteller ist, durch Citate aus den kurz zuvor gelesenen Werken desselben überrascht. Wir führen dies Gerücht nur an, ohne demselben den geringsten Glauben zu schenken. Wäre diese Behauptung aber selbst wahr, so könnten wir auch dann nur darin eine zu weit getriebene Nachsicht gegen die Schwäche und die Eitelkeit der ihn besuchenden Autoren finden, denen die geringste Anerkennung aus seinem Munde unendlich schmeicheln muß. – Der Grundzug seines ganzen Wesens ist eine seltene, fast bis zur Selbstvergessenheit weit getriebene Humanität gegen Andere. Es ist eine nur seinen genauesten Freunden bekannte Thatsache, daß Humboldt den größten Theil seines Einkommens zu Wohlthaten und zur Unterstützung junger und strebender Gelehrten verwendet. Sein Privatvermögen soll nur unbedeutend sein, aber er bezieht vom Könige von Preußen einen ansehnlichen Gehalt für seine Stellung am Hofe, und außerdem zahlt ihm Cotta für die Herausgabe seiner Werke jährlich eine entsprechende Summe. Bei der Einfachheit seiner Bedürfnisse würde dies Einkommen nicht allein hinreichen, sondern auch noch Ersparnisse gestatten, aber Humboldt glaubt einen besseren Gebrauch davon zu machen, wenn er das unverdiente Geschick so manches Unglücklichen dadurch lindert. Ueberhaupt verwendet er den Einfluß, den er bei dem Könige besitzt, lediglich zur Förderung der Wissenschaft. Es gibt keine Erscheinung, keine Persönlichkeit, welche sich einigermaßen hervorthut, die er nicht beachtete. Fern von jedem Neide, von kleinlicher Eifersucht verschafft er dem verdienstvollen Gelehrten oft nicht nur die gebührende Anerkennung, sondern Anstellungen, Brot und Auszeichnungen aller Art.

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Schloss Tegel, Familiensitz der Humboldt’s.

Humboldt’s Verhältniß zum Könige und zum Hofe ist somit in jeder Beziehung ein segensreiches. Viele seiner Freunde und Verehrer sind allerdings überrascht, wenn sie den berühmten Gelehrten bei einem öffentlichen Feste oder im Theater als preußischen Kammerherrn in der fast livréeähnlichen Uniform eines solchen zum ersten Male sehen. Ich gestehe, daß auch mir der Anblick nicht eben wohl that, wie ich den großen Mann hinter dem Stuhle irgend eines fremden Prinzen in der königlichen Loge aufwartend erblickte. Humboldt genießt jedoch durch diesen Posten das Glück, stets in der nächsten Umgebung des Königs zu verweilen und somit einen bei weitem größeren Einfluß auszuüben, als dies in jeder anderen Stellung für ihn möglich wäre. Dabei weiß er sich eine geistige Freiheit zu wahren, die er mehr als einmal öffentlich bethätigt hat. Er besitzt im reichsten Maße jenen „Muth der Meinung“, die er vor aller Welt auszusprechen sich nicht scheut. Religiöse und bürgerliche Freiheit finden stets an ihm einen beredten Vertheidiger und er nimmt keinen Anstand, die übertrieben pietistische Richtung, wo sie ihm entgegen tritt, mit den Waffen des ihm zu Gebot stehenden Witzes zu bekämpfen. – Als die erste Kritik über den Kosmos so eben in einer Berliner Zeitung erschienen war, frug ein hochgestellter Würdenträger Humboldt in Gegenwart des Königs, ob er die Recension schon gelesen hätte. Als dieser verneinte, setzte der Redner hinzu: Ihr „Kosmos“ wird von dem Beurtheiler ein wahres „Erbauungsbuch“ genannt. „Das kann mir jetzt nur nützen,“ entgegnete Humboldt mit einem Seitenblick und feinem Lächeln auf seine Umgebung. So weiß er die sich widersprechenden Elemente des gewandten Hofmanns und des Wahrheit suchenden Gelehrten in seiner Person zu verbinden, mit Feinheit zu belehren und mit Grazie auch zu tadeln, wo er anderer Ueberzeugung ist. – Ein Räthsel bleibt allerdings noch zu lösen, wie der berühmte Mann den Zeit raubenden Ansprüchen des Hofes und den Forderungen der Wissenschaft zugleich genügen kann; bedenkt man noch dabei, daß Humboldt bereits sein siebenundachtzigstes Jahr zurückgelegt hat, so muß man allerdings an Wunder glauben. Selbst mancher junge Mann müßte nach unserer Meinung den doppelten Anstrengungen des Vergnügens und der Arbeit erliegen.

[70] Es dürfte deshalb gewiß interessant sein, die Tagesordnung des großen Naturforschers kennen zu lernen, die sich mit wenig Ausnahmen stets wiederholt. Durch die gütige Mittheilung jenes Freundes habe ich darüber folgenden Aufschluß erhalten. Humboldt steht gegen halb neun Uhr des Morgens auf; beim Frühstück liest er die eingegangenen Briefe, welche er auch sogleich zu beantworten pflegt. Es gibt wohl keinen pünktlicheren Briefschreiber als ihn, obgleich wenig Menschen eine so ausgebreitete Korrespondenz nach allen Weltgegenden führen mögen. Hierauf zieht er sich mit Hülfe seines Kammerdieners an, um die angemeldeten Besuche zu empfangen, oder selber welche bis zwei Uhr Mittags abzustatten. Um drei Uhr geht er zur königlichen Tafel, woran er für gewöhnlich speist, wenn er sich nicht in irgend einer befreundeten Familie, meist bei Alexander Mendelssohn selbst zu Tische ladet. Erst um sieben Uhr Abends kehrt er in seine Wohnung zurück, wo er bis neun Uhr lesend oder arbeitend verweilt. Von Neuem eilt er an den Hof oder in die Gesellschaft, aus der er gegen halb zwölf Uhr des Nachts wiederkommt. Erst jetzt beginnt seine eigentliche und liebste Arbeitszeit, in der tiefsten, nächtigen Stille schreibt er an seinen unsterblichen Werken, oft bis der helle Tag im Sommer durch die Fenster scheint. Drei Uhr des Morgens ist es schon geworden, wenn dieser jugendliche Greis seinem fast neunzigjährigen Körper eine kurze Ruhe gönnt, um die nöthige Kraft zum neuen Tagewerke zu sammeln. Man glaubt in der That ein Märchen zu lesen und doch ist diese Lebensweise Humboldt’s buchstäblich wahr. So sehr herrscht der Geist über den Körper, daß er kaum der Erholung gewöhnlicher Sterblicher zu bedürfen scheint. – Humboldt besitzt keine eigene Familie; seine nächsten Anverwandten sind die Söhne und Töchter seines Bruders Wilhelm, dem er eine rührende Pietät bewahrt. Als ich im Laufe der Unterhaltung den Namen des berühmten Bruders und die großen Verdienste desselben um den Staat und um die Wissenchaft erwähnte, glänzte das Auge Alexander’s in jugendlichem Schimmer und ein Lächeln der Erinnerung umschwebte verklärend das edle Gesicht des Greises. „Sie hätten meinen Bruder kennen sollen,“ sagte er mit liebenswürdiger Bescheidenheit, „er war immer von uns Beiden der begabteste.“ Die Verehrung für den Hingeschiedenen ist zu einem wahren Kultus geworden, der den Ueberlebenden am meisten ehrt. Zusammen glänzten einst diese Heroen der Wissenschaft als das unsterbliche Dioskurenpaar an dem geistigen Himmel der deutschen Literatur. Diese Pietät hält indeß Humboldt nicht ab, den kleinen Schwächen seines großen Bruders in schonender Weise im vertrauten Kreise zu gedenken. Als der bekannte „Briefwechsel Wilhelm von Humboldt’s mit einer Freundin“ erschienen war, äußerte Alexander in seiner feinen Weise: „Mein Bruder hätte der guten Frau weniger schreiben und mehr geben sollen.

Die Familie verehrt in Alexander Humboldt ihr berühmtes Oberhaupt und sein Geburtstag, der 14. September, wird auf dem Schlosse Tegel, welches gegenwärtig seine Nichte, Frau von Bülow, bewohnt, besonders festlich begangen. Dann erscheinen in den gastlichen Räumen, die von jeher die edelsten und bedeutendsten Männer Deutschlands bewirtheten, die Freunde aus Berlin, Meister Rauch, der größte Bildhauer unserer Zeit, die genialen Maler Kaulbach und Eduard Hildebrandt, der in Humboldt einen väterlichen Beschützer seines Talents gefunden hat, und noch manche andere Zierden der Kunst und Wissenschaft, um den schönen Tag in würdiger Weise zu begehen. Heiterer Scherz wechselt mit sinnigen Reden ab und wenn Alexander von Humboldt neben der erhabenen Gestalt seines Freundes Rauch, begleitet von seinen Jüngern und Verehrern, durch den schönen Schloßpark, von den Strahlen der untergehenden Herbstsonne beleuchtet, hinwandelt, so glaubt der Wanderer, der ihnen begegnet, sich in die schöne Zeit der Blüthe Griechenlands versetzt, wo Plato in der Akademie mit süßem Munde Philosophie lehrte und Phidias unsterbliche Bilder der Götter mit dem Meisel schuf. - Außer den genannten Freunden gehört noch Ehrenberg, der durch seine mikroskopischen Forschungen die Welt der Infusorienbildung erschlossen hat und besonders Varnhagen van Ense, der berühmte Biograph und Geschichtsschreiber im schönsten Sinne, zu dem näheren und vertrauteren Umgange des berühmten Mannes. Von jüngeren Gelehrten erfreut sich Professor Du Bois-Reymond, der geniale Nachfolger Humboldt’s auf dem Gebiete der thierischen Elektrizität und Doktor Brugsch, welcher die egyptischen Alterthümer mit rastlosem Eifer aufzudecken versucht, seiner ehrenden Gunst und Anerkennung.

Humboldt wird von einem wahrhaft antiken Gefühl für Freundschaft beseelt; seine Aufopferungsfähigkeit und Dienstwilligkeit sind in unserer egoistischen Zeit wahrhaft bewunderungswerth und fast ohne Beispiel. Durch diese Eigenschaft und seine vielfachen Verbindungen mit den hervorragendsten Persönlichkeiten aller Länder und Völker, wir gedenken nur seiner ausländischen Freunde Arago, Bonpland und Faraday, ist er im eigentlichsten Sinne der geistige Mittelpunkt unserer heutigen europäischen Kultur und jedes wissenschaftlichen Fortschrittes geworden. Durch ihn angeregt dringen kühne Reisende nach den fernsten Gegenden und entdecken neue, unbebaute Ländergebiete, welche so der Civilisation und der Bildung gewonnen werden; junge Naturforscher beschäftigen sich unter seinem Einflusse mit den Räthseln der Schöpfung und den geheimen Kräften der Natur, der Physiker, der Astronom, der Botaniker und der Chemiker legen ihm die Entdeckungen, die sie zum Theil seinen Vorarbeiten zu verdanken haben, huldigend zu Füßen. Er belebt ihren Eifer, sein Lob ist ihr Sporn und höchster Lohn, seine Anleitung zeigt ihnen meist den richtigen Weg, den sie einzuschlagen haben. Alle blicken nur auf ihn wie auf einen Fürsten, alle Kanäle und Ströme münden in dies Meer des Wissens, welches den ganzen Schatz unserer heutigen Kenntnisse in sich schließt. Wahrlich, ein solcher Mann hat noch nie zuvor gelebt und in ihm kommt der schöne Traum, den Goethe von einer Weltliteratur und einer universellen Bildung geträumt hat, zur vollsten Wahrheit und schönsten Anerkennung. Einem Deutschen ward das große Loos zu Theil, die Weltherrschaft des Geistes zu begründen, und das ganze Volk muß mit Stolz und Ehrfurcht zu dem geborenen Fürsten emporschauen, der aus seiner Mitte hervorgegangen ist und die Krone des Genius für ewige Zeiten trägt.

Max R.