Ein Erquickungsapparat

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Autor: unbekannt
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Titel: Ein Erquickungsapparat
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aus: Die Gartenlaube, Heft 28, S. 380
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Rezept zur Herstellung kohlensäurehaltigen Wassers
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[380] Ein Erquickungsapparat. Unter den mancherlei Annehmlichkeiten, mit denen Wissenschaft und Technik in neuerer Zeit unser häusliches Leben beschenkt haben, sind die künstlich bereiteten kohlensäurehaltigen Wässer gewiß eine der schätzenswerthesten. Sie bilden nicht nur ein angenehm erfrischendes, ganz unschädliches Getränk, sondern äußern in manchen Fällen selbst heilsame Wirkungen, und es fehlt nicht an Beispielen, daß lediglich durch fortgesetzten Gebrauch des kohlensauren Wassers eine zerrüttete Verdauung völlig wiederhergestellt wurde. Füllt man seinen Apparat statt des Wassers mit leichtem Wein, oder setzt dem Wasser eine der jetzt überall käuflichen Fruchtessenzen zu, so erhält man obendrein sehr wohlschmeckende Luxusgetränke, die bei manchen Gelegenheiten den echten und unechten Champagner ganz wohl vertreten können.

Der Gebrauch und die Selbstbereitung des kohlensauren Wassers, obwohl schon ziemlich verbreitet, könnte doch noch viel allgemeiner werden, wenn nicht die Herstellungskosten immer noch etwas zu hoch wären; denn nicht nur der Apparat will angeschafft sein, sondern auch die jetzt gebräuchliche Füllung erheischt noch so manchen Groschen. In dieser letztern Beziehung ist nun aber eine bedeutende Ersparniß nicht nur möglich, sondern auch ganz wohl ausführbar, wie gleich gezeigt werden soll.

Die jetzige Füllung besteht aus doppeltkohlensaurem Natron, einem ganz wohlfeilen, und Weinsäure, einem beträchtlich theuren Stoffe, denn das Pfund kostet mindestens einen Thaler. Das Natron ist der Inhaber der gewünschten Kohlensäure, die Weinsäure, indem sie sich mit dem Natron verbindet, treibt dieselbe aus. Nun wird aber die Kohlensäure durch jede andre Säure aus ihren Verbindungen ausgetrieben, warum hat man gerade die Weinsäure für diesen Zweck gewählt? Ohne Zweifel weil man glaubte, zur Entwickelung der Kohlensäure eine trockene (krystallinische) Säure in Anwendung bringen zu müssen, wie es denn in der That gefährlich sein würde, das Natron ohne weiteres mit einer der von Natur flüssigen Säuren in Berührung zu setzen. Die Entwickelung der Kohlensäure würde in solchem Falle in so stürmischer Weise vor sich gehen, daß kein Apparat stark genug wäre dem zu widerstehen, während bei Anwendung einer krystallinischen Säure die allmälige Entwickelung dadurch gesichert ist, daß die Theilchen desselben nur in dem Maße auf das Natron wirken können, wie sie selbst nach und nach im Wasser flüssig werden. Von diesem Gesichtspunkte aus ist die Wahl der Weinsäure gerechtfertigt, denn die wenigen andern Säuren, welche in Krystallform vorkommen, wie Citronen-, Phosphor-, Kleesäure sind noch theurer.

Nach dieser Darlegung nun soll gezeigt werden, wie dennoch eine der wohlfeilsten Säuren, die Schwefelsäure, auf ganz gefahrlose Weise zur Entwickelung der Kohlensäure benutzt und der Kostenpunkt dadurch so günstig gestellt werden kann, daß die einmalige Füllung eines Apparates kaum auf ein paar Pfennige zu stehen kommt. Die zu verwendende Schwefelsäure (englische) muß zunächst entsprechend verdünnt werden, und zwar im Verhältniß von 5 Maß Wasser auf 1 Maß Säure. Das Wasser bringt man in ein irdenes Gefäß und setzt die Säure nach und nach in kleinen Portionen zu, wobei man mit einem Glas- oder Holzstäbchen fleißig umrührt. Ist die Flüssigkeit erkaltet, so hebt man sie in Flaschen zum Gebrauch auf.

Um den Apparat in Thätigkeit zu setzen, füllt man zunächst die untere Abtheilung desselben zur Hälfte mit der verdünnten Säure, und bringt dann unter folgenden nothwendigen Vorsichtsmaßregeln die dem Apparat angemessene Portion Natron hinein. Dieses Salz darf nämlich aus dem schon erwähnten Grunde nicht in freie Berührung mit der Säure kommen, sondern muß vorher in eine oder nach Erforderniß zwei etwa fingerlange papierne Hülsen eingeschlossen werden. Man wickelt zu dem Ende ein entsprechend geschnittenes Stück Schreib- oder festes Briefpapier um das Ende eines fingerdicken Stockes derart, daß es zweimal herumgeht und unten ein wenig hervorsteht. Das vorstehende Ende bricht man, wie der Kaufmann die Düte, sauber ein, so daß ein guter Verschluß hergestellt wird, schüttet dann das Natron in die Hülse, legt sie in die Säure und schließt den Apparat. Den oberen Theil der Hülse, welcher über die Säure herausragt, könnte man ganz offen lassen; man knickt ihn jedoch lieber auch ein wenig ein, des besseren Zusammenhaltes halber. Da die Sättigung des Wassers mit der Kohlensäure bei dieser Einrichtung merklich langsamer geht als in der gewöhnlichen Weise, so hat man zwar hinsichtlich der Zeit hierauf Rücksicht zu nehmen, doch liegt hierin auch zugleich die Gewähr völliger Gefahrlosigkeit.