Ein Jubiläum der Polarforschung

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Textdaten
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Autor: Heinrich Noé
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Titel: Ein Jubiläum der Polarforschung
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 83,84
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Die Gartenlaube (1897) b 084.jpg

Abbildung des Hauses, in welchem der Seefahrer Barents 1596-97 auf Nowaja Semlja überwinterte.
Nach einer Zeichnung des Mitreisenden Gerrit de Beer.

[83] Ein Jubiläum der Polarforschung. (Zu dem Bilde S.84) Schon vor drei Jahrhunderten drangen kühne Seefahrer in die Eiswüsten des nördlichen Polarmeeres vor, um längs der Nordküste Asiens einen Seeweg nach China zu finden. Zu diesem Zwecke wurde auch von Amsterdamer Kaufleuten im Jahre 1596 eine Spedition von zwei Schiffen ausgerüstet. Die eigentliche Seele des Unternehmens war der Obersteuermann Willem Barents, ein mutiger, in Polarreisen bereits erfahrener Mann. Die Expedition entdeckte nicht die Durchfahrt nach China, aber in der Geschichte der Polarforschung nimmt sie eine hervorragende Stellung ein, denn vor gerade dreihundert Jahren mußte ein Teil ihrer Mannschaft zum erstenmal in Polargegenden überwintern. Im Sommer des Jahres 1596 trennten sich die beiden Schiffe voneinander. Dasjenige, auf dem sich Barents befand, geriet nach Nowaja Semlja und wurde unter 76° nördlicher Breite vom Eise festgehalten. Gewaltige Eispressungen nötigten die Mannschaft, das Fahrzeug zu verlassen und den Winter auf dem Lande zuzubringen. Glücklicherweise fand man an der Küste Treibholz in Menge, aus dem ein Blockhaus errichtet wurde und das als Feuerungsmaterial verwendet werden konnte. Ein Teilnehmer der Expedition, Gerrit de Beer, hat später einen Bericht über diese Erlebnisse niedergeschrieben und eine schlichte Abbildung des Blockhauses gezeichnet, die wir im verkleinerten Maßstabe unsern Lesern vorführen. Schon im Oktober war die Kälte unerträglich. Das Feuer, das beständig auf dem Herde in der Mitte des Hauses unterhalten wurde, schien seine Kraft, zu erwärmen, eingebüßt zu haben. Die Schlafstätten bedeckten sich mit zwei Finger dickem Eise, die Strümpfe verbrannten, bevor die Füße warm wurden. Am 4. November verschwand die Sonne vollends, und es verstrichen 81 Tage völliger Nacht. Willem Barents hielt aber den Mut der Mannschaft aufrecht. Es wurden Ausflüge veranstaltet und Füchse gejagt, deren Fleisch Nahrung und deren Felle Kleidung lieferten. Auch allerlei Kurzweil wurde getrieben und am 6. Januar 1597 bei einem nur aus Mehl und Thran gebackenen Kuchen der Dreikönigsabend nach altem holländischen Brauch gefeiert. Im großen und ganzen war der Gesundheitszustand gut. Zur Stärkung nahmen die Holländer warme Bäder in einem großen, dazu eigens hergerichteten Weinfasse, das im Hause aufgestellt war.

Als der Sommer kam, traten die mutigen Seefahrer auf Booten die Rückfahrt nach dem Süden an. Sie begegneten russischen Fischern und wurden gerettet, aber von den siebzehn sahen nur zwölf die Heimat wieder und zu den Toten, die in den Eiswüsten des Nordens ihr Grab fanden, zählte auch der mutige Führer Barents.

Fast dreihundert Jahre später wurde das Haus, in dem die Holländer überwintert hatten, am 9. September 1871, vom norwegischen Kapitän Elling Carlsen wieder aufgefunden. Vieles war noch ausgezeichnet erhalten; rings um das Haus standen Tonnen und lagen Bären- und Walroßknochen in Haufen umher, als ob das Winterquartier soeben verlassen worden wäre.