Ein Opfer des Winters

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Titel: Ein Opfer des Winters
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 3, S. 56
Herausgeber: Ernst Ziel
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1880
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Die Gartenlaube (1880) b 045.jpg

Ein Opfer des Winters
Originalzeichnung von G. Arnould


[56] Ein Opfer des Winters. (Mit Abbildung S. 45.) Die Jagd- und Waldfreunde – und deren zählen wir viele im Kreise unserer Leser – werden sich gern an einem Bilde erfreuen, welches einen Blick in das Thierleben im Winterwalde eröffnet und dabei, nach der Erzählung des Malers, den Vorzug hat, genau der Natur abgelauscht zu sein. Auf einer schneebedeckten Höhe des Hunsrück-Gebirges war es, wo die froststarre Erde dem Hochwild die Nahrung entzogen und besonders den schon altersschwachen Theil desselben dem Hungertod geweiht hatte. Ein Rudel alter Hirsche ist – so schreibt uns der Künstler – schon von einem Wechsel zum andern gezogen und hat jeden Grashalm, der noch verstohlen aus der Schneedecke sich hervorstreckte, jedes dürre Laub mit Mühe gefunden und abgeäßt. Immer höher steigt die Nahrungsnoth, immer schwächer werden die Kräfte der edlen Thiere. Ein prächtiger Zwölfender bleibt endlich, in mondklarer Winternacht, vom Rudel zurück. Mühsam schleppt er sich allein zwischen den Stämmen hin, bis er zusammenbricht, matt das gekrönte Haupt auf den vom Monde blau beschimmerten Schnee legend. Immer schwerer werden die Athemzüge; immer matter blicken die „Lichter“ wie flehend zum Sternenzelt empor. Da – noch einmal ein Aufflackern der letzten Lebenskraft – das stolze Haupt sinkt zurück – die „Lichter“ sind erloschen. So findet der heranbrechende Tag den todten König der Wälder. Soeben zieht nicht fern von diesem Todtenbette ein Rudel Sauen vorüber. Der vorderste Keiler zieht an; er nimmt eine unerwartete Witterung auf, und bald schlägt das ganze Rudel den Weg des Führers ein, der in wenig Augenblicken die Todtenstätte erreicht hat und hier unverhofft ein leckeres Frühstück findet. Zugleich aber huscht jenseits Etwas geduckt über den Schnee heran, wie unschlüssig dann und wann Halt machend und verdrießlich auf die herbei trottenden Wildschweine schielend: auch Reinecke ist schon auf guter Fährte und sieht mit mißgünstigem Auge, daß Stärkere ihm zuvorgekommen.

So sah ich das Bild im Walde. Zogen sich auch Fuchs und Sauen, als sie mich gewahrten, scheu zurück, so hatten die letzteren doch, als ich den Förster nach zwei Stunden auf den Platz führte, den Hirsch schon „angeschnitten“.