Ein Prachtwerk

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Titel: Ein Prachtwerk
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aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1863
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[688] Ein Prachtwerk. Die Eiche, das Sinnbild der Kraft und Dauer, ist, ebenso wie die Palme, der heilige Baum seit Jahrtausenden, nicht blos den alten Germanen, die in Eichenhainen ihren Wodan verehrten, auch den Griechen, welche die Eiche ihrem Zeus geweiht hatten, und uns, die wir mit dem Eichenblatte die Bürgertugend krönen und unsere Turner und Schützen kränzen. Ja, wir sprechen vorzugsweise gern von der deutschen Eiche und dem deutschen Eichenwalde, und dennoch wächst von den dreihundert verschiedenen Arten von Eichen, die man heute kennt, nur eine verschwindend kleine Anzahl bei uns in Deutschland; in ganz Europa und im Oriente zählt man blos 58 Arten, alle übrigen kommen auf die Neue Welt, namentlich auf Nordamerika, das man recht eigentlich das Land der Eichen nennen könnte.

So schön unsere Steineiche mit ihrem knorrigen Riesenstamme und ihren weit schattenden Aesten ist, die schönsten Eichengattungen sind doch nicht bei uns einheimisch. Dies zeigt uns ein Blick in ein im verflossenen Jahre im rührigen Verlage von Eduard Hölzel in Wien und Olmütz erschienenes Prachtwerk: „Die Eichen Enropa’s und des Orients. Beschrieben von Dr. Theodor Kotschy, Custos-Adjunct des k. k. botanischen Hofcabinets.“

Auf vierzig Foliotafeln bringt das Buch in mit der wissenschaftlichsten Genauigkeit und technisch meisterhaft ausgeführtem Oelfarbendrucke die Blätter und Früchte von vierzig verschiedenen Eichenarten vor Augen, welche der Verfasser, der Mehrzahl nach, auf seinen Reisen in Kleinasien, im cilicischen Taurus, im Libanon und Antilibanon gesehen und zum Theile selbst entdeckt hat. Es gereicht der deutschen Wissenschaft und dem deutschen Buchhandel zur höchsten Ehre, und weder Frankeich noch England haben bis jetzt dem Werke ein ähnliches über denselben Gegenstand zur Seite zu stellen.

Als ein wesentliches Verdienst des Buches müssen wir es hervorheben, daß es auf die Culturfähigkeit der beschriebenen fremdländischen Eichen für unsere Klimate immer ein besonderes Augenmerk richtet und somit neben der scientistschen auch eine praktische und national-ökonomische Bedeutung anstrebt. Wir lernen durch Bild und Text eine Reihe überaus prachtvoller Eichen kennen, wie z. B. die vielleicht herrlichste ihres gesammten Geschlechtes, die in Kurdistan gefundene Königseiche, die bei uns recht gut gedeihen und unseren Wäldern und Parks einen neuen landschaftlichen Reiz zuführen würde.

Die genannte Verlagshandlung ist übrigens bekanntlich auch die erste gewesen, welche in Wien eine Anstalt für Oelfarbendruckbilder errichtet und auf diese Weise bereits mehrere bekannte Gemälde vaterländischer Künstler in verhältnißmäßig billigen Copien auch dem minder bemittelten Publicum zugänglich gemacht hat, neuerdings u. A., nach einem Originale von A. Hansch in Wien, die Gegend von Salzburg in Abendbeleuchtung und Mozart am Dominikanerchore in Wien, nach einem Oelbilde von F. S. Schams.