Ein Redactionsbureau in der Wildniß

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Titel: Ein Redactionsbureau in der Wildniß
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 1, S. 16
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1861
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[16] Ein Redactionsbureau in der Wildniß. Ein Amerikaner, der mit einer nach den Goldminen des Frazer-River bestimmten Expedition die Reise durch die ungeheuern Prairien machte, welche sich pfadlos jenseit St. Paul im Staate Minnesota ausdehnen, schreibt in seinem Reiseberichte: „Als den letzten Posten der Civilisation in nordwestlicher Richtung des nordamerikanischen Festlandes muß ich St. Cloud, eine etwa 1000 Einwohner zählende Stadt bezeichnen, denn hier, mitten in der Wildniß, fanden wir das letzte Gasthaus und die letzte Zeitung, die um so mehr Interesse erregt, da der Herausgeber, Redacteur und Drucker derselben eine Dame ist. Wir machten Mrs. Swißhelm, als Collegen, unsern Besuch und fanden eine hübsche, junge, kleine Frau mit großen klugen Augen und einer ungewöhnlich hohen und breiten Stirn. Sie trug die braune Kleidung der Quäkerin, saß am Fußboden und nähete ruhig an einem Teppich für ein neuangebautes Zimmer, eine Beschäftigung, in der sie sich auch durch unser Kommen nicht stören ließ. Für alle Neuigkeiten, die wir ihr mitzutheilen vermochten, war sie uns vielleicht eben so sehr als Zeitungsschreiber, wie als liebenswürdige Frau dankbar. Sie fragte viel und lebhaft, aber sie that nicht eine einzige müßige Frage, sondern berührte immer den Kern und das wirkliche Wesen der Dinge, die sie zu wissen wünschte. Alle ihre Gegenbemerkungen waren treffend und nicht selten witzig. Nach längerem Gespräch führte sie uns endlich in ihr Allerheiligstes, in das Redactionsbureau. Es war ein kleiner, gangähnlicher Raum, der zugleich als Arbeits-, Speise- und Kochzimmer diente. In der einen Ecke stand ein Schreibpult mit der unerläßlichen Scheere und dem Kleistertopfe, in der andern ein gedeckter Tisch und nicht weit davon der eiserne Kochofen, auf welchem ein Kessel, eine Theekanne und eine Schmorpfanne sichtbar waren. In einem anstoßenden größern Raume befand sich die Druckerei. Sie enthielt zwei Handpressen, einige Setzkasten etc. Die wackere Frau erzählte uns, daß sie, ehe sie ihr Unternehmen begann, erst selbst Setzen und Drucken lernen und in der ersten Zeit Tag und Nacht arbeiten mußte, weil sie Niemanden zur Hülfe hatte. Später gelang es ihr, sich einige Knaben zur Stütze heranzubilden, und gegenwärtig, nach fünfjähriger geistiger und körperlicher Anstrengung, hat sie endlich eine sorgenfreie Stellung, wenn auch in sehr bescheidenen Verhältnissen, errungen. An einen Setzkasten gelehnt, erzählte sie uns, wie ihr Leben unter den halsstarrigen, rohen, ja gewaltthätigen Pionieren, unter die ein feindliches Schicksal sie verschlug, für sie, die feingebildete Frau, ein wahres Martyrthum gewesen war, und welche Schwierigkeiten, Anfeindungen und Vorurtheile sie überwinden mußte, ehe es ihr gelang, festen Fuß zu fassen. „Es hat mir fast das Leben gekostet, meinen Lebensunterhalt zu gewinnen,“ schloss sie ihre einfache Erzählung und wir schieden mit wahrer Hochachtung von der eben so muthigen wie liebenswürdigen Frau.“