Ein Tag auf dem Schellfischfang

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Titel: Ein Tag auf dem Schellfischfang
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aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 809–811
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[809]
Ein Tag auf dem Schellfischfang.

Sämmtliche bei uns in Deutschland consumirten Schellfische kommen aus der Nordsee; sie erscheinen dort im October in großen Zügen und verweilen ebenda bis zum Eintritt der wärmeren Jahreszeit. Während dieser Zeit wird der Fang mit größeren oder geringeren Unterbrechungen betrieben, je nach der Beschaffenheit des Wetters. Man bedient sich dazu fast ausschließlich der Angel; seltener des Netzes, weil der Fang mit letzterem in noch höherem Grade als der Fang überhaupt Glückssache ist. Wohl kommt es vor, jedoch selten, daß der Fischer mit dem Netz einen überreichen Zug thut, aber nur dann, wenn [810] das Grund- oder Schleppnetz in eine Vertiefung am Boden der See gelangt, wo Schellfische, Schutz gegen Strömung suchend, zufällig in Masse vorhanden sind.

Ueber die Zahl der in der Nordsee gefangenen Schellfische kann ich leider keine genaueren Angaben machen, sie muß aber eine ungeheuere sein. Ist die See nur einigermaßen ruhig, so fahren die Schaluppen jeden Tag aus. Das Ergebniß des Fanges schwankt beträchtlich; oft kommen die Fahrzeuge ganz leer nach Hause; ein andermal fangen sie dreißig bis vierzig, dann aber kommen Tage, wo sie mehrere hundert, ja, wie es in früheren Jahren hier wiederholt vorgekommen, tausend bis zweitausend Stück nach Hause bringen. An der ganzen ostfriesischen Küste stellt wohl jeder Ort eine oder mehrere Schaluppen, desgleichen die Inseln; von Norderney fahren deren allein fünfzig bis sechszig aus.

Tags vor Ausfahrt der Schaluppe sieht man die Frauen zur Zeit der Ebbe auf das Watt hinausgehen, um die neben Granaten vorzugsweise als Köder benutzten „Wattwürmer“ zu suchen; sie erhalten dafür, außer einer Entschädigung an Geld, sämmtliche Fische von gewissen Arten, die sich an dem von ihnen besorgten Tau fangen. Ein mühseliger und anstrengender Weg, bei welchem sie bisweilen knietief in den zähen Wattschlamm einsacken! Sie müssen oft über eine halbe Stunde weit hinausgehen, um an einen Ort zu gelangen, wo sie auf genügende Ausbeute rechnen dürfen. Ihr Costüm ist einer solchen Excursion entsprechend; sie tragen alle Männerkleidung, dazu große Wasserstiefeln.

Einen komischeren Anblick kann man sich nicht leicht denken, als zehn bis zwölf meist ältere Frauen, in angedeuteter Weise gekleidet. Auf dem Kopfe eine riesige Dormeuse, in der einen Hand ein Körbchen, mit der anderen gravitätisch eine große Harke schulternd – so ziehen sie zum Fange aus, eine hinter der anderen, im Gänsemarsch. An einer günstigen Stelle auf dem Watt angelangt, graben sie tiefe Löcher, um die Würmer, die an Größe und Aussehen den allbekannten Regenwürmern nahe kommen, zu Tage zu fördern. Haben sie nach ein- bis anderthalbstündigem Suchen eine genügende Anzahl beisammen, so geht es nach Hause, um die Angelhaken damit zu versehen, eine unangenehme Arbeit, die indeß mit viel Sorgfalt abgethan werden muß. Damit die ganze Angel nicht in Unordnung gerathe, hat man Tafeln von Holz in der Größe etwa einer kleinen Tischplatte zur Hand; diese Tafeln sind mit erhabenem Rande versehen und durch eine Querleiste in zwei Hälften getheilt; auf der einen Hälfte wird das Tau aufgerollt, in dem Maße, wie die Haken gespickt sind, auf die andere werden die Haken gelegt, einer genau neben den anderen, und zwar, um den Köder möglichst frisch zu erhalten, auf eine Schicht feuchten Sandes.

Es war Morgens sechs Uhr, als ich, zur Fahrt gehörig ausgerüstet, an der Küste anlangte, wo unsere Schaluppe lag, ein Fahrzeug von achtundzwanzig Fuß Länge. Ich traf den Besitzer derselben, ferner seinen Bruder, seinen Sohn und noch einen andern Fischer an, Alle zur sofortigen Ausfahrt bereit. Eine frische Brise brachte uns bald aus dem Hafen in freies Fahrwasser und gab uns gute Fahrt, neun bis zehn Knoten pro Stunde. Leider hatte der Himmel kein sonderlich freundliches Gesicht aufgezogen; stark bewölkt, sandte er uns einen feinen Sprühregen, eine unangenehme Zugabe bei nüchternem Magen, doppelt unangenehm bei einer Fahrt, während welcher wir ohnedies nicht eben über Wassermangel zu klagen hatten. Nach einer guten halben Stunde erreichten wir Spiekeroog und fuhren zwischen dieser Insel und Langeroog durch das Seetief der offenen See zu, die sich bald durch das starke Stampfen unserer Schaluppe bemerkbar machte, und kurz darauf näherten wir uns den Fischgründen; es war Zeit, Alles vorzubereiten. Die Luken zum Raum wurden geöffnet, die Tafeln mit den Angeltauen – wir hatten deren fünfzehn an Bord – bereit gelegt und sonstiges Fanggeräth, wie Tonnen, große Haken etc., hervorgeholt. Nachdem Alles so weit vorgerichtet, hieß es: Beten! Alle entblößten die Köpfe und beteten lange und leise, mit den lautgesprochenen Worten schließend: „Herr, segne unsern Fang!“ Ich gestehe, es hatte diese Scene etwas überaus Ergreifendes für mich – diese großen, kräftigen, wettergebräunten Gestalten so ernst, so andächtig beten zu sehen, dazu in einer solchen Umgebung, auf schwankendem, verhältnißmäßig kleinem Boote, ringsum bis weit hinaus an den Horizont, der von man sich klärenden Himmel in leicht geschwungener Linie sich abhob, die herrliche, aber auch so heimtückische See, über uns der Himmel mit der leicht verschleierten Sonne – fürwahr, eine solche Umgebung verfehlt wohl auf kein Gemüth ihren Eindruck.

Das nunmehr häufiger ausgeworfene Loth zeigte uns bald den Ort, wo die Angel „ausgeschossen“ werden konnte; neuneinhalb bis zehn Faden ist die hierzu geeignetste Tiefe. Die Schaluppe wurde „bei dem Wind gebracht“; die Segel wurden gekürzt, sodaß wir, nur wenig Fahrt machend, in gerader Linie abtrieben. Der Fischer nahm seinen Sitz am hintern Theile des Fahrzeugs, die Angel, die ihm von den Anderen gereicht wurde, auszuwerfen. Zuerst wurde eine kleine Tonne, roth und schwarz angestrichen, mit zehn bis fünfzehn Faden Tau verbunden, in See geworfen, an das andere Ende desselben, mit Eisenstücken beschwert, das Angeltau befestigt, und dieses nun in dem Maße, als das Schiff Fahrt machte, „nachgegeben“, wobei mit großer Sorgfalt jede Verwickelung von Tau und Angeln vermieden ward. Von Zeit zu Zeit, von je zwei zu zwei Tauen, wurde eine Tonne, in gleicher Weise wie die erste, mit der Angel verknüpft und ausgeworfen. Diese Tonnen haben lediglich den Zweck, die Lage des Taues zu markiren, nicht, wie oft fälschlich angenommen wird, dasselbe schwimmend zu erhalten; man beschwert im Gegentheile die Angel mit Steinen und Eisenstücken, um sie auf dem Grunde zu erhalten, da nur hier die Schellfische sich aufhalten.

Die Angel, der gewöhnliche Fangapparat, besteht zunächst aus einer starken Leine von fünf bis sechs Millimeter Durchmesser und dreiunddreißig Faden Länge (der Faden umfaßt sechs Fuß), welche aus bestem Hanf gedreht, der größeren Haltbarkeit wegen mit Lohbrühe getränkt und nach dem Trocknen mit Theer bestrichen ist. Sie trägt, in Abständen von je drei Fuß, die Angelhaken an zweieinhalb Fuß langen, drei Millimeter dicken Schnüren. Diese Schnüre, meist von den Fischern selbst an langen Winterabenden verfertigt, sind ebenfalls mit Lohbrühe getränkt, jedoch ohne Theerüberzug. Die Angelhaken, von vier bis fünf Centimeter Länge, bestehen aus bestem Schmiedeeisen, beziehentlich Draht und sind mit starken Widerhaken versehen. Stahl würde sich dazu nicht eignen; daraus gefertigte Haken würden, zumal wenn größere Fische, wie Kabeljaus beispielsweise, anbeißen, zu leicht brechen, was bei den eisernen nicht vorkommt. Häufiges Verbiegen ist aber auch bei diesen unvermeidlich. Die Haken sind mittelst Oesen und starkem Garn an den Schnüren befestigt. Sechs solcher Leinen bilden ein sogenanntes „Angeltau“; zehn bis fünfzehn solcher Taue führt jede Schaluppe.

Nachdem das letzte Tau ausgeschossen und das Ende ebenfalls mit einer Tonne verknüpft worden, warf man auch diese in See, so jede Verbindung mit Schiff und Fangapparat aufhebend. Das ausgeschossene Tau hatte eine Totallänge von einer guten Stunde und enthielt viertausend Haken.

Wir ließen nun den Fischen Zeit zum Anbeißen, ihnen guten Appetit wünschend, uns suchten mittlerweile den unsrigen durch ein tüchtiges Frühstück zu stillen; die frische Seeluft hatte denselben nicht wenig gereizt, sodaß es uns trefflich mundete. Wir segelten im Kreise einher, uns möglichst in der Nähe der letzten Tonne haltend. Tags zuvor gefangene Kabeljaus wurden noch zerlegt und zum Einsalzen vorbereitet, in welcher Form sie als Laberdan sehr gesucht sind. Dann veranstalteten wir noch eine Jagd auf Seemöven, welche, durch die als Köder ausgeworfene Kabeljauleber angelockt, aus weiter Ferne herbeikamen.

Nach dreiviertelstündigen Einhersegeln suchten wir das Ende des Angeltaus, die letzte Tonne auf; mit einem Haken an Bord geholt, wurde die Angel aufgehoben, ein Vorgang, den ich mit großer Spannung entgegensah. Das Boot fuhr inzwischen mit schräger Stellung in der durch die Tonnen angezeigten Richtung des Taues hin. Der Fischer stand am hinteren Theil des Fahrzeugs an der beim Ausschießen eingenommenen Stelle; ein anderer war ihm mit einem Netz zur Seite, um die Fische, sobald sie an der Oberfläche des Wassers waren, aufzunehmen und auf Deck zu werfen. Es dauerte lange, bevor die erste Beute sich zeigte. Endlich, nachdem schon mehrere Faden Tau aufgenommen waren, erschien ein Fisch, in einer Tiefe von fünfzehn bis zwanzig Fuß schon sichtbar. Es sah prächtig aus, wie das Thier zu uns heraufblinkte in der krystallklaren blaugrünen Fluth und, die verzweifelten Anstrengungen zur Befreiung machend, bald hier- bald dorthin schoß - vergebliche Mühe, rasch war er heraufgeholt und mit dem Netz auf Deck geworfen.

[811] Wie ganz anders als im Binnenlande sehen die Schellfische frisch gefangen aus! Hier haben sie auf dem Rücken eine zarte, schön röthlich-violette Farbe und sind an der Seite und dem Bauch weiß, wie Silber glänzend. Dort haben sie diese schöne frische Färbung eingebüßt und ein tristes graues Gewand dafür angelegt. Merkwürdig ist das ungemein zarte Leben des Schellfisches. Kaum von der Angel abgenommen, ist er auch schon todt; selten – nur bei starker Kälte – lebt er noch einige Minuten; wogegen andere Fische, wie Kabeljau’s, vorzüglich aber Butte und sogenannte Hundshaie, oft nach Stunden noch leben, zum Theil noch lebend in den Hafen gelangen. Zum Tödten der Fische hat man keine Zeit; sie werden, eben gefangen, in den Raum geworfen und sterben dort allmählich.

Leider kamen die Fische, anfangs zumal, sehr spärlich; nur in größeren Pausen ertönte der Ruf des Fischers: ein Fisch, Kabeljau u. s. w. (unter Fisch versteht man den Schellfisch, alle übrigen werden speciell benannt). Der häufigere Ruf: Kabeljau brachte noch einen anderen Fischer in Thätigkeit, um die oft bis dreißig Pfund schweren Thiere mit einem großen Haken an langer Stange anzuhaken und herauszuziehen. Der Fischer spürt es schon am Zug im Tau, welcher Art der ankommende Fisch ist, noch ehe er dessen ansichtig wird. Einmal war ein solcher Zug im Tau, daß es der Hülfe noch eines Dritten bedurfte, um den Fisch anzuholen, welcher sich als ein Stachelrochen von ungewöhnlicher Größe erwies, ein ganz eigenthümlich geformtes, häßliches Thier; das von uns gefangene mochte vierzig bis fünfundvierzig Pfund wiegen, was bei der verhältnißmäßig geringen Dicke des Körpers eine bedeutende Größe bedingt.

Hundshaie hatten sich gleichfalls mehrere gefangen, scheußliche Thiere mit ekelhaften, grünlich schillernden Katzenaugen, deren Pupille senkrecht linsenförmig läuft, wodurch ihr heimtückisches Aussehen noch erhöht wird. Das Thier ist bei den Fischern sehr verhaßt, und zwar mit Recht, weil es nur zu häufig die an der Angel gefangenen Fische abfrißt. Da der Hundshai, gleichsam als Visitenkarte, die Köpfe der Fische an der Angel läßt, so weiß man immer, wann er da war. So zogen auch wir zu unserm Aerger die Köpfe von zehn bis zwölf Schellfischen hervor; daß sie nur von den Hundshai abgefressen sein konnten, sahen wir an den Spuren, welche seine Zähne zurückgelassen. Auffallend war die große Anzahl von Seesternen (hier Fieffouten. d. h. Fünffüße genannt), welche sich an dem Köder festgesogen hatten; sie saßen oft zu vier bis fünf an einer Angel, sodaß wir wohl fünf- bis sechshundert Stück fingen, welche alle, mit Ausnahme von etwa einem Dutzend der schönsten, die zur Bereicherung meiner Sammlung mit nach Hause wanderten, der See zurückgegeben wurden. Knurrhähne fingen wir gleichfalls mehrere, ausgezeichnet schöne Fische, auf dem Nacken chocoladenfarben mit weißen Punkten, schön feuerroth an den Seiten, nach dem Bauche zu in reines Weiß übergehend. Die Flossen, welche sehr groß, sind ebenfalls feuerroth, das vordere Paar mit reinblauem Rande. Die Fischer behaupten, der Fisch habe seinen Namen von einem eigenthümlichen dumpfen Ton, welchen er von sich gebe, sobald man ihn auf den Kopf drücke. Es scheint dies jedoch eine Fabel zu sein, denn von allen Knurrhähnen, welche ich in den Händen hatte, erwies sich keiner, trotz aller angestellten Experimente, als knurrig.

Nach etwa drei Stunden war das ganze Tau aufgenommen. Die gesammte Ausbeute betrugt hundertzehn Schellfische, zwölf Kabeljaus, ebenso viele Hundshaie und eine Anzahl anderer Fische. Der Fang mußte somit als ein „geringer“ bezeichnet werden.

Nachdem Ordnung und Reinlichkeit, worauf der Fischer große Stücke hält, auf Deck wieder hergestellt, das Fanggeräth und die Fische im Raume untergebracht waren, wandten wir uns zur Heimkehr. Der Wind war unterdessen eingeschlafen, sodaß wir nur langsam von der Stelle kamen. Mittag war schon vorüber; es war daher die höchste Zeit, daß Heinrich, der sechszehnjährige Sohn des Fischers, sein Amt als Koch antrat. Einige Fische wurden rasch gereinigt und nebst Kartoffeln in einem großen eisernen Topfe mit Seewasser beigesetzt. Ein eiserner Ofen in der Kajüte am Vorderteile des Schiffes that seine Schuldigkeit, sodaß Heinrich bald melden konnte, Fisch und Kartoffeln seien gar, die Butter in einer Kaffeetasse sei geschmolzen. Teller gab es nicht; der Topf mit seinem Inhalte wurde, einigermaßen zu meinem Entsetzen, einfach auf ein großes Brett, welches auf Deck lag, umgestülpt; zum Glück hatten sich inzwischen, nach einigen Suchen in Rücksicht auf den Gast, ein paar Gabeln zum Erscheinen bewegen lassen, wenigstens wurde mir gesagt, daß das alte Eisen, welches ich in der Hand hatte, eine solche vorstellen solle; der Fischer hatte sie vorher mit einem Steine abgerieben. Trotz der anspruchslosen Manier zu tafeln – Fisch, so frisch gefangen, und Kartoffeln, in Salzwasser gekocht, waren zu delicat, um nicht meinen Beifall zu finden. Heinrich hatte auf meine Bitte eine Hand voll Salz vor mir auf’s Deck gelegt, und so aßen wir denn ganz munter, während wir um das Brett herum hockten. Bald hatte ich mir auch einige technische Fertigkeiten angeeignet, wobei ich die Erfahrung machte, daß Hände auch gut als Teller zu gebrauchen sind. Meine Wirthe schoben mir aufmerksamer Weise die besten Brocken zu und konnten mich in ihrer Gutmüthigkeit nicht oft genug ermahnen, Kartoffel und Fisch fleißig in den gemeinsamen Buttertopf zu tauchen. Nach aufgehobener Tafel – vielmehr nach aufgehobenem Brette – ließ ich mir eine Cigarre zu einer Tasse schwarzen Kaffee, welcher an Bord sehr gebräuchlich, schmecken und labte mich dazu an dem herrlichen Anblicke der See, so eine Siesta haltend, von der ich mir lebhaft wünschte, daß sie in gleicher Weise noch öfter sich mir bieten möge.

Auf der Heimfahrt gab uns ein Zug mit dem Schleppnetze reiche Ausbeute an Krabben, Taschenkrebsen, Seesternen, See-Igeln, Muscheln, Einsiedlerkrebsen etc. und ich erhielt wiederholt Gelegenheit, den kolossalen Reichtum der See an den mannigfachsten Thieren zu bewundern, von dem man sich eine annähernde Vorstellung nur durch eigene Anschauung machen kann.

Mit eintretender Dunkelheit zu Hause angelangt, fanden wir eine Anzahl Fischhändler, welche uns mit Ungeduld erwarteten. In kürzester Zeit waren sämmtliche Fische verkauft, ebenso die zweier anderer Schaluppen, welche mit uns ausgefahren waren. Die Fische werden stückweise verkauft, ohne Rücksicht auf das Gewicht, zu fünfundzwanzig bis fünfzig Pfennig pro Stück, je nachdem der Fang ausfällt und je nach der Jahreszeit.

Dr. K.