Ein alter Mitarbeiter der Gartenlaube

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Titel: Ein alter Mitarbeiter der Gartenlaube
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 2, S. 36 d
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1898
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[36 d] Ein alter Mitarbeiter der „Gartenlaube“, der „Achtundvierziger“ Theodor Kirchhoff in Sän Franzisko, hat in diesen Tagen seinen 70. Geburtstag gefeiert. Am 8. Jannar 1828 zu Uetersen in Holstein geboren – sein Vater war nachher Bürgermeister in Kiel – wurde er in früher Jugend von der nationalen Bewegung ergriffen, welche 1848 zu dem Aufstand der Elbherzogtümer gegen Dänemark führte. Er hatte noch nicht lange das Gymnasium beendigt und seine Studien als Polytechniker in Hannover begonnen, da bestimmte ihn der Ausbruch des Kriegs, als Freiwilliger an der bewaffneten Erhebung für die „ungeteilte“ Selbständigkeit Schleswig-Holsteins teilzunehmen: er wurde Lieutenant und bewährte sich tapfer bis ans Ende des Kriegs. Nach dem Siege der Dänen wanderte er nach Amerika aus, wo er anfangs ein unruhiges Wanderleben führte und mancherlei Abenteuer bestand, bis er in Clarksville (Texas) festen Fuß faßte und ein Geschäft gründete, das anfangs florierte, durch den Bürgerkrieg aber wieder zerstört ward. 1862 kehrte er auf ein Jahr in die Heimat zurück, bereiste Deutschland, England, Schottland, die Schweiz und Frankreich und begann, sich als Schriftsteller zu bethätigen. Aus Oregon, wo er sich in The Dalles als Kaufmann niederließ, schrieb er seine ersten Landschaftsschilderungen aus dem „Westen“ für die „Gartenlaube“. 1869 siedelte er nach San Franzisko über, wo er noch jetzt in voller Rüstigkeit lebt.

Wiederholt hat er inzwischen die alte Heimat besucht, allezeit aber zu ihr lebhafte geistige Beziehungen unterhalten. Seinen früheren Dichtungen und Reisebildern hat Kirchhoff eben jetzt ein neues Werk folgen lassen, das uns sein reiches buntbewegtes Leben in einem poetischen Spiegelbild zeigt: die episch-lyrische Dichtung „Hermann, ein Auswandererleben“. Wir wünschen dem wackeren Mitarbeiter einen reich gesegneten Lebensabend!