Ein deutsches Fest im Ausland

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Titel: Ein deutsches Fest im Ausland
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aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 452
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1858
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[452] Ein deutsches Fest im Ausland. An einem Maiabende 18S7 war in Gothenburg, der zweitgrößten Stadt Schwedens, eine muntere Gesellschaft junger Deutscher versammelt, die einem scheidenden Freunde das letzte Lebewohl brachten. Ein Theil derselben war zwar früher schon an besondern Tagen zu geselligen Vergnügungen zusammengekommen, aber erst an diesem Abend, wo die geweckte Erinnerung an das gemeinsame Vaterland sie enger zusammenführte, beschlossen sie, in größerer Anzahl einen deutschen Verein zu gründen. An demselben Tag noch, wo früh in der Nacht ihr Landsmann abgesegelt, den 19. Mai, wurde der Verein constituirt, in wenigen Tagen zählte er bereits vierzig Mitglieder, und in stetem Fortschreiten erfreut er sich gegenwärtig trefflichen Gedeihens, An seiner Spitze stehen ein junger Kaufmann, Sohn eines Hamburger Senators, ein Dr. philos. und Privatlehrer, der, wenn auch in England geboren, doch stolz daraus ist, in Deutschland seine Erziehung erhalten zu haben, und ein Ingenieur, der bereits im dänischen Kriege Gelegenheit hatte, als schleswig-holsteinischer Lieutenant seine deutsche Gesinnung zu bethätigen. Wenn die Zusammenkunft des Vereins auch hauptsächlich dem geselligen Vergnügen geweiht, zeigt doch die bereits ganz stattliche Bibliothek, daß auch noch andere Zwecke verfolgt werden. Nicht der geringste davon ist wohl der, allen ankommenden Deutschen eine Zufluchtsstätte zu bieten, wo sie freundliche Aufnahme, bereitwilligen Rath, und im Fall der Noth auch kräftige Unterstützung finden. Vor Kurzem feierte der Verein sein erstes Stiftungsfest und zwar, wegen Abwesenheit des Vorstandes, einen Monat später. Der dazu bestimmte Saal war mit Eichenkränzen festlich geschmückt; über der reichbekleideten Rednerbühne wehete neben der schwedischen die schwarz-roth-goldene Fahne, die, in Deutschland selbst verpönt, hier im Ausland lautes Zeugniß für den der Versammlung innewohnenden deutschen Geist ablegt. Als Ehrenmitglieder waren mehrere Consuln, angesehene Kaufleute, der Pfarrer der dortigen deutschen Gemeinde, sowie der Director der Handelsschule gegenwärtig. Die Festreden der Herren Vorstände wechselten mit ganz tüchtig ausgeführten Quartettgesängen ab, worauf noch der Herr Director Dr. Heinemann eine herrliche Ansprache hielt. Für Erfrischungen war auch bestens gesorgt, und erst spät in der Nacht trennte sich die fröhliche Gesellschaft, voll Freude über das schön gelungene Fest.

Wir haben mit Vergnügen Anlaß genommen, auf diesen Verein hinzuweisen, und überhaupt auf das Verhalten unserer Landsleute im Ausland, wo sie ja überall zerstreut sind, und meistens auch gern gesehen werden. Wenn der Verein auch jetzt noch klein ist, und meistens nur jüngere Mitglieder bat, so bleibt doch ein großer Theil dort fest, und bildet einen älteren Stamm, an den sich die andern Nachkömmlinge anschließen können. Zählt doch gegenwärtig die dortige deutsche Gemeinde schon fünfhundert Seelen. In einer Zeit, wo Schweden in der dänischen Frage eine deutsch-feindliche Stellung inne hat, wo die mächtige scandinavische Partei jede Vermischung mit deutschen Elementen stolz zurückweist, kann es uns nur mit Freude erfüllen, wie unsere Landsleute im Auslande ohne mächtige Kriegszüge ruhig und still Eroberungen machen, wie sie als echte Pioniere deutschen Geistes ihm immer weitere Strecken zugänglich machen, und deutsche Sitte überall weithin verpflanzen. Möge auch der deutsche Verein in Gothenburg, dem wir fröhliches Gedeihen wünschen, das Seinige dazu beitragen, eingedenk der herrlichen Worte unsers Schiller:

An’s Vaterland, an’s theure, schließ Dich an,
Das halte fest mit Deinem ganzen Herzen!