Eine Frage (Tucholsky)

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Textdaten
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Autor: Kurt Tucholsky
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Titel: Eine Frage
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aus: Lerne lachen ohne zu weinen, S. 413-414
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1932 (EA 1931)
Verlag: Ernst Rowohlt
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Erscheinungsort: Berlin
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: ULB Düsseldorf und Scans auf commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck in: Weltbühne, 27. Januar 1931
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[413]

 Eine Frage
Da stehn die Werkmeister – Mann für Mann.
Der Direktor spricht und sieht sie an:
„Was heißt hier Gewerkschaft! Was heißt hier Beschwerden!
Es muß viel mehr gearbeitet werden!

5
Produktionssteigerung! Daß die Räder sich drehn!“

     Eine einzige kleine Frage:
 Für wen?

Ihr sagt: die Maschinen müssen laufen.
Wer soll sich eure Waren denn kaufen?

10
Eure Angestellten? Denen habt ihr bis jetzt

das Gehalt, wo ihr konntet, heruntergesetzt.

[414]

Und die Waren sind im Süden und Norden
deshalb auch nicht billiger geworden.
     Und immer noch sollen die Räder sich drehn …

15
 Für wen?


Für wen die Plakate und die Reklamen?
Für wen die Autos und Bilderrahmen?
Für wen die Krawatten? die gläsernen Schalen?
Eure Arbeiter können das nicht bezahlen.

20
Etwa die der andern? Für solche Fälle

habt ihr doch eure Trusts und Kartelle!
     Ihr sagt: die Wirtschaft müsse bestehn.
 Eine schöne Wirtschaft!
 Für wen? Für wen?

25
Das laufende Band, das sich weiterschiebt,

liefert Waren für Kunden, die es nicht gibt.
Ihr habt durch Entlassung und Lohnabzug sacht
eure eigne Kundschaft kaputtgemacht.
Denn Deutschland besteht – Millionäre sind selten –

30
aus Arbeitern und aus Angestellten!

Und eure Bilanz zeigt mit einem Male
     einen Saldo mortale.

Während Millionen stempeln gehn.
     Die wissen, für wen.