Eine Scene beim König von Dahomey

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: unbekannt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Eine Scene beim König von Dahomey
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 40, S. 480
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[479] Eine Scene beim König von Dahomey. Man wird von diesem afrikanischen, schwarzen Sklavenhandelskönig mit seiner Armee von 25,000 Weibern gehört haben. Er lebte bisher blos davon, daß er von seinen Weibern Leute anderer Staaten rauben ließ, um sie als Sklaven nach Amerika zu verkaufen. Neuerdings haben die Engländer ihn auf bessere Gedanken gebracht und ihm gezeigt, daß er anständigere und sicherere Einkünfte haben werde, wenn er seiner Armee Palmöl auspressen und so nicht nur zur Civilisation seines Landes, sondern auch der Stearinlichtaufklärung Europa’s beitrage. Dieser Civilisationsproceß geht denn auch im Lande Dahomey jetzt rasch vorwärts. An seinem Hofe geht’s vorläufig freilich noch sehr „ländlich, sittlich“ zu. Ein Engländer, der ihn zuletzt besuchte und schilderte, erzählt folgende Scene: „Ich fand in dem Könige einen imponirenden, klug aussehenden, stolzen, ernsten und hochmüthigen Kerl. Er saß, einfach gekleidet, in der Mitte seiner Weiber und Minister. Er fragte mich besonders ausführlich nach den Verhältnissen der schwarzen Republik Liberia und ihrem Präsidenten Robert. Ich antwortete nach meinem besten Wissen, daß Robert, sein Parlament, seine Zeitung, sein Volk, sein Handel und Gewerbe die besten Hoffnungen nährten und erzählte ihm von den Erfindungen, Fabrikationen, Freiheiten und Schönheiten des civilisirten Lebens. Während er andächtig zuhörte, brachte man [480] ihm die Nachricht, daß eine Stadt, die so lange der wüthenden Macht seiner Weiber getrotzt, erobert, verbrannt und deren Bewohner theils ermordet, theils als Waare für den Sklavenmarkt gesichert seien. „Das wird meinem Vater große Freude machen“, sagte König Gezo, „ich will es ihn gleich wissen lassen. Schickt mir einen Sklaven!“ Der Sklave trat ruhig ein und hörte ganz kaltblütig die Siegesnachricht mit an. Hierauf nickte er seinem Premierminister, der sofort eine rohe Holzaxt nahm und damit dem ruhig stehenden Sklaven mit einem Hiebe den Kopf abschlug, „Ich habe noch etwas vergessen“, sagte jetzt der König ganz gemüthlich, „schickt mir einen Andern!“ Der Andere trat ein, hörte ruhig an, was der König seinem Vater noch zu sagen hatte und ließ sich dann ebenfalls ohne irgend ein Zeichen des Schreckens den Kopf vor die Füße legen.

Im Innersten erschreckt und empört über diese blödsinnige Grausamkeit, frug ich: „Was soll das bedeuten? Wozu das?“ „Nun,“ sagte König Gezo, „weißt Du nicht, daß mein Vater im Lande der Geister ist? Und giebt es eine andere Art, ihm wissen zu lassen, was mir so viele Freude macht und ihm noch mehr?“ – Das ist gewiß eine sonderbare Post und Correspondenz zwischen Himmel und Erde.